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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 04:29 Uhr

Wochenmarkt : Knackige Ware zur Sommerzeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Brot, Blumen, Honig und Bekleidung – 17 Händler sind immer mittwochs auf dem Wochenmarkt.

Am frühen Morgen kommen die Eiligen, später tummeln sich Mütter mit Kleinkindern, Hausfrauen und Senioren auf dem Wochenmarkt. Auch der Kita-Nachwuchs komplettiert dort Bilderbuchwissen und nascht dargebotene Früchte. Hektisch wird es kurz vor Toresschluss, wenn die Händler Kundenwünsche noch beim Einpacken von Blumen, Obst, Gemüse und Co. erfüllen.

Tiefenentspannt betrachten die „Marktschnacker“ am Imbiss den Wochemarkttrubel. Jeden Mittwoch trifft sich die bunt zusammengewürfelte Gruppe von Stammgästen, um lokale Gerüchte und Geschehnisse zu diskutieren. Seit Jahrzehnten dient der Wochenmarkt für Kellinghusener und Umlandbürger als Einkaufsort für knackig frische Ware. Unbestritten ist außerdem seine soziale Funktion als Treffpunkt für Klönschnacks. Nicht zu vergessen, der Polittalk vor dem Urnengang. Wenn Politiker auf dem Markt unter parteifarbenen Schirmen Kontakt zum Publikum suchen, vernehmen sie Volkes Meinung entsprechend der Lokalität gern auch einmal in kernigen Worten.

Unter den örtlichen Markthändlern zählt Jens Wagner zu den Urgesteinen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau steuert der Niedersachse den Markt seit mehr als 50 Jahren an. Säuberlich getrennt in Obst und Gemüseabteilung präsentiert Wagner unter bunter Markise, was frisch von Feld, Bäumen und Sträuchern geerntet wurde,. „Ich habe schon alle Marktmeister erlebt“, rattert er eine Reihe von Namen herunter. Auch das seinerzeit heiß diskutierte Hü und Hott um den richtigen Marktstandort erlebte er hautnah mit. Von der Bahnhofsallee über den oberen und unteren Marktplatz zog die Budenstadt mal hier und mal dorthin. „Rauf und runter, nun bleiben wir aber hier“, sagt Wagner.

Wie die Geschäfte laufen? Sorgenfalten bilden sich auf der Stirn des erfahrenen Händlers. „Besser ist es nicht geworden“, formuliert Wagner diplomatisch. Anders die Meinung von Rainer Koopmann. „Hier wird noch gekocht, das merkt man beim Verkauf“, stellt er der Kundschaft ein hervorragendes Zeugnis aus. Bohnen, Birnen, Zwiebeln, Karotten – seit 20 Jahren hält er an seinem Stand Zutaten für die ländliche Küche bereit. „Annabella“, „Linda“ und „Agrica“ heißen die Knollen auf den Kartoffelbergen. Schließlich wolle der Kunde wissen, was er verzehrt, sagt Koopmann – für den Erhalt der Sorte „Linda“ hätten die Leute sogar gekämpft „Dicke Bohnen sind gleich aus“, posaunt er zwischendurch in die Runde. Rustikal geht es zu, wenn der Chef da ist. Den Kunden gefällt`s, der Senior hat die Lacher auf seiner Seite.

Der von Kollegen beklagte maue Lauf sei auch der Ferienzeit geschuldet, sagt die Mitarbeiterin Sonja Schmidt. Wegen der Hitze blieben außerdem ältere Kunden weg. Den Daumen hoch halten die Damen hinter dem Wagentresen von Geflügel-Fölster. Bei dem schönen Wetter seien Grillwürste der Renner, teilen sie mit.

Gute Laune auch bei Fischhändler Peter Lange. „Wir haben klein angefangen, jetzt sind wir zufrieden“, sagt Lange mit Blick auf die Warteschlange. Blumenhändler Hartmut Stoffers bietet seinen empfindlichen Blütenstars ein schattiges Plätzchen. In zweiter Generation sei seine Familie seit der Marktgründung dabei: „Das Leiden ist, dass die jungen Leute zur Marktzeit arbeiten und die älteren mit der Zeit wegbleiben.“ Nach Stoffers Meinung wäre der Sonnabend als Markttag besser.

Dagegen hätte auch Marktmeister Jens Uwe Peters nichts einzuwenden. Um gleich abzuwinken: Von den insgesamt 17 Händlern, die mittwochs in vor Ort Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Brot, Blumen, Honig und Bekleidung anbieten hätten die meisten einen festen Wochenmarktplan. „Die sind gebunden und schmeißen so leicht nichts durcheinander.“ Mit einem vielfältigen Angebot versucht der rührige Marktmeister, den Mittwochsmarkt für die Kundschaft attraktiv zu gestalten. Derzeit ist er auf der Suche nach einem Nachfolger für den Käsestand. Der langjährige Anbieter hochklassiger Käse- und Wurstspezialitäten hat die Segel gestrichen – für ihn lohnte sich der Aufwand nicht mehr.

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