Klinikum Itzehoe : Kleinwüchsige reist 580 Kilometer für schwere Geburt

Mutter und Kind wohlauf (v. li.): Dr. Georg Hillebrand, Carsten und Janine Rasche mit Baby Marko, Dr. Marko Fiege und Dr. Uwe Heilenkötter freuen sich über den gesunden Nachwuchs.
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Mutter und Kind wohlauf (v. li.): Dr. Georg Hillebrand, Carsten und Janine Rasche mit Baby Marko, Dr. Marko Fiege und Dr. Uwe Heilenkötter freuen sich über den gesunden Nachwuchs.

Hoch-Hoch-Risikoschwangerschaft: Eine Familie aus der Nähe von Dresden fährt zur Entbindung ins Klinikum Itzehoe – die Kleinwüchsige Janine Rasche brachte dort ihr Baby zur Welt.

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11. Juni 2014, 05:00 Uhr

Itzehoe | Er ist putzig, gesund und munter – Marko Rasche ist der Stolz seiner Eltern. Am 21. Mai um 10.27 Uhr kam das Baby im Klinikum Itzehoe zur Welt, wog 2120 Gramm und war 44 Zentimeter groß. Was nicht ungewöhnlich scheint, ist in Wirklichkeit eine kleine Sensation. Die Worte „Mutter und Kind wohlauf“ sind in diesem Fall alles andere als selbstverständlich. Denn Janine Rasche ist eine besondere Patientin.

„Sie hat eine lange Krankengeschichte“, erklärt Dr. Marko Fiege, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie. Die 28-Jährige ist kleinwüchsig, hat verschiedene Operationen mit Komplikationen hinter sich, ihr Rücken ist versteift, bei einem Eingriff wurde eine Stoffwechselkrise ausgelöst, die eine Muskelversteifung zur Folge hatte. Alleine, dass in die 1,33 Meter große und 38 Kilo schwere Frau „ein normalgroßes Kind passt“, sei besonders, so Fiege. Es handele sich um eine „Hoch-Hoch-Risiko-Schwangerschaft“ und -Geburt.

Vor sieben Jahren hat Janine Rasche ihr erstes Kind bekommen, Tochter Mia – damals fuhr sie für die Geburt ins Universitätsklinikum Eppendorf. Die Narkose wurde dort von Dr. Marko Fiege betreut, der das nie vergessen hat: „Ich hab’ damals gesagt: ‚Das war die spannendste Narkose meines Lebens‘.“ Immer wieder habe er den Fall bei Fortbildungen und Kongressen vorgestellt. Jetzt kann er ihn noch weiter ausschmücken. Denn als Janine Rasche wieder schwanger war, erinnerte sie sich an den Arzt. „Es hat damals sehr gut funktioniert“, erzählt sie. Deshalb war klar: Der Anästhesist muss wieder dabei sein, „koste es, was wolle“. Die 28-Jährige recherchierte im Internet und machte ihn am Klinikum Itzehoe ausfindig. „Dann hab ich angerufen.“

Die Anfrage aus dem 580 Kilometer entfernten Steina in der Nähe von Dresden löste in Itzehoe Krisensitzungen aus. Das Team aus der Anästhesiologie, aus der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie aus der Kinderklinik musste sich die Entscheidung reiflich überlegen: Können wir die Geburt hier entsprechend gut begleiten? Denn viele Komplikationen waren möglich. „Es gibt viele Einschränkungen, was die Patientin an Narkose bekommen darf, eine Beatmung ist aufgrund der körperlichen Besonderheiten schwierig“, erklärt Fiege. Normalerweise werde beim Kaiserschnitt eine Teilnarkose angewendet, nicht ungefährlich bei Janine Rasche – doch auch eine Vollnarkose ist mit hohem Risiko verbunden. „Wir hatten die Wahl zwischen hohem Risiko und hohem Risiko“, sagt Fiege. Deshalb war klar: „Wir brauchen alle drei Abteilungen.“ Denn es hätte leicht möglich sein können, dass bei Mutter oder Kind ein Notfall eintritt, dass aus der Teil- eine Vollnarkose werden und das Neugeborene entsprechend behandelt werden muss. „Wir mussten Gewehr bei Fuß stehen, das muss man auch einplanen“, sagt Dr. Uwe Heilenkötter, Chef der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Doch am Ende ging alles gut: In der 33. Schwangerschaftswoche reiste die Familie, die das Krankenhaus im Februar bereits besichtigt hatte, in Itzehoe an, in der 34. Woche wurde das Baby unter Teilnarkose auf die Welt geholt. Das Mediziner-Team war für alles gewappnet. „Wir hatten Plan B bis F“, sagt Fiege. Im Kreißsaal überraschte die dankbare Janine Rasche den Anästhesisten: Ihr Sohn soll Marko heißen – wie der Arzt.

Nicht nur die Mutter, sondern auch der Kleine haben alles gut überstanden: „Er kam in einem ganz stabilen Zustand und hat sich gut entwickelt“, freut sich Dr. Georg Hillebrand, Chefarzt der Kinderklinik. Für ihn ist klar: Man müsse von Fall zu Fall entscheiden, aber das Klinikum Itzehoe könne solche Herausforderungen annehmen. „Selbst, wenn es schwierig geworden wäre, hätten wir gut damit umgehen können. Weil wir ein gutes Team und auch die technischen Voraussetzungen mit der Neugeborenen-Intensivstation haben.“ Fieges Fazit: „Die Universitäten können es auch nicht immer besser.“

Janine und Carsten Rasche jedenfalls würden ihre Entscheidung jederzeit wieder so treffen. „Es hat alles sehr gut funktioniert und war diesmal sogar noch schmerzfreier. Wir haben jedem erzählt, wie toll es hier ist und was für tolle Ärzte es hier gibt“, sagt die 28-Jährige, die Marko Fiege mit Fotos auf dem Laufenden halten will. Entsprechend herzlich fiel gestern der Abschied aus. „Wir haben uns hier sehr wohlgefühlt“, sagt Janine Rasche. „Man kann in Itzehoe gut entbinden. Würde ich noch ein Kind bekommen, würde ich wieder kommen.“

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