FReizeit : Kleingärtner sehen sich im Aufwind

Wollen das Miteinander im Kleingartenverein fördern und die Anlagen beleben (v.l.): Jochen Werner, Rita Wiebensohn und Florian Heinze.
Wollen das Miteinander im Kleingartenverein fördern und die Anlagen beleben (v.l.): Jochen Werner, Rita Wiebensohn und Florian Heinze.

Neuer Vorstand hat in Itzehoe Arbeit aufgenommen und will Anlagen für Familien und Menschen mit Migrationshintergrund attraktiver machen.

von
23. Mai 2018, 05:02 Uhr

„Das Lachen von Kindern wird bei uns gern gehört – auch mittags um halb zwei“, sagt Jochen Werner. Der neue Vorsitzende der Itzehoer Kleingärtner will deutlich machen, wohin er den Verein führen möchte: Familienfreundlicher soll er werden, jünger und sich öffnen für Teile der Bevölkerung, die bisher nichts mit Kleingärten am Hut hatten.

„Mit neuen Konzepten und Ideen wollen wir das Klischee einer von strengen Satzungen geprägten und in sich gekehrten Vereinskultur und vom spießigen und engstirnigen Gartenzwergparadies beseitigen“, sagt Werners ebenfalls neu gewählter Stellvertreter Florian Heinze. „Wir möchten das Interesse und die Lust am naturnahen und nachhaltigen Gärtnern wecken.“ Turbulent war es zuletzt im Verein zugegangen. Nach Rücktritten von Vorständen wurde er zeitweise von einem gerichtlich bestellten Notvorstand verwaltet (wir berichteten). Nun ist der Vorstand wieder satzungsgemäß mit Werner, Heinze und Rechnungsführerin Rita Wiebensohn arbeitsfähig.

Und mit der Arbeit wurde bereits begonnen, sagt Wiebensohn. „Der frische Wind ist spürbar. Es herrscht eine ganz andere Stimmung.“ Arbeitsgruppen haben sich gebildet, berichtet Werner. Eine will das Bild der Kleingärtner in der Öffentlichkeit verbessern, eine andere nimmt sich die Satzung vor. Eine dritte will das Miteinander und den Wissensaustausch zwischen den einzelnen Anlagen fördern. Ziel des Vorstand sei es, die neuen Ideen und Konzepte nicht von oben zu diktieren, sondern auf eine „breite Basis“ im Verein zu stellen, so Werner. Auf Versammlungen in allen elf Anlagen suche der neue Vorstand daher den Kontakt und die Unterstützung der Kleingärtner. „Jeder ist eingeladen, sich einzubringen“, sagt Heinze.

Dies gilt auch und gerade für neue Parzellenpächter: „Wir wollen wachsen“, sagt Heinze. Denn viele der insgesamt 700 Gärten stehen leer. Im Januar hatte der Landesvorsitzende des Dachverbandes der Kleingärtern in seiner Funktion als Notvorstand des Itzehoer Vereins erklärt, der Verein müsse sich von etwa 16 seiner 39 Hektar Fläche trennen. „Wir wollen möglichst viel erhalten“, sagt dagegen nun Werner. Die Schließung von Anlagen oder die Rückgabe von Flächen seien „im Moment kein Thema“. Die Diskussion im Winter habe zu Ängsten und Unsicherheit unter den Mitgliedern geführt. „Solche Gerüchte können viel kaputt machen.“

Statt über die Rückgabe von Flächen möchte der Vorstand mit Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit lieber über die Unterstützung des Vereins reden – materielle und finanzielle Hilfe werde gebraucht, sagt Wiebensohn. „Kleingärten erfüllen wichtige Aufgaben im Bereich von Artenschutz und Biodiversität“, sagt Werner. „Wir wollen dazu beitragen, dass Itzehoe den Slogan der ‚Stadt im Grünen‘ auch verdient.“ Auch bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund zeige sich bereits jetzt im Alltag in den Anlagen, wie viel der Verein auf diesem Feld leisten könne, fügt Heinze hinzu. „Wir haben einen riesigen Berg Arbeit vor uns, aber wir sind kräftig dabei“, sagt Werner.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen