Menschen mit Behinderung : Kleine Schritte, aber es geht voran

Hat einen vollen Schreibtisch: Dietrich Haeberlein, Beauftrager für Menschen mit Behinderungen.
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Hat einen vollen Schreibtisch: Dietrich Haeberlein, Beauftrager für Menschen mit Behinderungen.

Seit einem Jahr ist Dietrich Haeberlein der erste Beauftragte des Kreises Steinburg für Menschen mit Behinderungen. Sein Fazit: positiv.

shz.de von
09. Januar 2015, 05:22 Uhr

Sitzungen, Besprechungen, telefonische und persönliche Hilfestellungen – der Terminkalender von Dietrich Haeberlein ist gut gefüllt. Der 70-Jährige ist der erste Beauftragte des Kreises Steinburg für Menschen mit Behinderungen. Vor einem Jahr trat er sein Ehrenamt an – und zieht ein durchweg positives Fazit. „Es gibt Erfolge, auch wenn sie nur in kleinen Schritten zu sehen sind.“ Wichtig dabei für Haeberlein: „Es geht weiter.“

Der Kreistag hatte vor über einem Jahr den Weg frei gemacht und den Posten neu geschaffen. Die meisten Abgeordneten stimmten damals für ein Ehrenamt, für einen hauptamtlichen Beauftragten gab es keine Mehrheit. Dietrich Haeberlein hat sich damit arrangiert. „Es ist wichtig, dass es diesen Posten überhaupt gibt.“ Wünschenswert sei langfristig allerdings eine hauptamtliche Stelle, sagt er. Gerade in der schwierigen Anfangszeit wäre dies hilfreich gewesen. Da hätten vor allem die Strukturen geschaffen werden müssen. Und dies wäre einem hauptamtlichen Beauftragten leichter gefallen. „Es ist auf der anderen Seite aber gut, dass der Kreis den Anfang gemacht hat.“

Bei der Schaffung der notwendigen Strukturen half Dietrich Haeberlein sein Netzwerk, das er während seiner 28-jährigen Tätigkeit als Leiter der Steinburg-Schule und als ehemaliger Sprecher der Projektwerkstatt Inklusion geknüpft hat. Eine gute Vernetzung ist für ihn unverzichtbar, denn: „Als Einzelperson kann man gar nichts erreichen.“ Nur mit vielen anderen zusammen sei es möglich, Ziele zu erreichen. Als Beispiel nennt Haeberlein die geplante und vom Kreistag im Dezember beschlossene Auftaktveranstaltung zur Umsetzung der UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen auf Kreisebene. „Dafür haben sich viele Leute eingesetzt“, freut sich der 70-Jährige. Bei der Veranstaltung mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden gehe es darum zu sehen, was es bereits im Kreis gebe, was fehle, wo es hingehen solle und was dabei eingesetzt werden müsse. Daraus solle dann ein Aktionsplan entstehen. Letztendlich gehe es bei UN-Konvention darum, Menschen mit Behinderungen die selben Menschenrechte zukommen zu lassen wie allen anderen auch.

Zu den Aufgaben zu Beginn gehörte es für Dietrich Haeberlein auch, sich bei Vereinen, Verbänden, Ausschüssen und Personen, die beratend und helfend in diesem Bereich tätig sind, persönlich vorzustellen. Unterstützung bei seiner Tätigkeit erhält Haeberlein von vielen Partnern – so unter anderem von der Projektwerkstatt Inklusion, der Kreisarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände und der Arbeitsgemeinschaft Agenda 21. Auch mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein, der Selbsthilfegruppe der Schwerhörigen und Gehörlosen sowie mit dem Familiennetzwerk Steinburg arbeitet der Beauftragte eng zusammen.

Darüber hinaus ist er über seine extra eingerichtete Telefonnummer für Betroffene stets erreichbar. Die Spannweite der Anrufe reiche von Mobbing und Barrieren bis hin zu Ängsten und Nöten. Dann gibt Dietrich Haeberlein Ratschläge, vermittelt weiter oder hört einfach nur zu. Allerdings gibt es auch andere Anrufe. Er sei auch schon bedroht und beschimpft worden, sagt der Beauftragte. „Aber die positiven Dinge überwiegen.“

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