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Schleswig-Holstein Musik-Festival : Klavierspiel auf höchstem Niveau

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Weltklassepianist Martin Stadtfeld zu Gast in der Glückstädter Stadtkirche. Publikum ist hingerissen von seinem Spiel.

Schon lange vor 20 Uhr sammelten sich die Menschen vor der Stadtkirche, genossen sie bei lauen Temperaturen ein Gläschen Wein oder Sekt, führten anregend Gespräche geführt, während in der Kirche die letzten Vorbereitungen für ein ganz besonderes Event getroffen wurden. Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals (SHMF) war der international bekannte deutsche Weltklassepianist Martin Stadtfeld in Glückstadt zu Gast.

Möglich gemacht hatte dieses herausragende Konzert zum einen die Beharrlichkeit des Fördervereins für Musik an der Stadtkirche, die sich zum 400. Stadtgeburtstag etwas Besonderes gewünscht hatten. Und zum anderen war es das wohlwollende Engagement des Intendanten des SHMF, Christian Kuhnt, der nicht nur Martin Stadtfeld, sondern auch noch zwei weitere namhafte Künstler zu einem Konzert in Glückstadt überreden konnte.

Schnell füllte sich das Kirchenschiff. Die Karten waren schon seit Wochen nahezu ausverkauft. Mit großem Applaus wurde der Künstler empfangen. Als dieser verebbt war wurde es jedoch fast mucksmäuschenstill im Kirchenschiff und Martin Stadtfeld schlug die ersten Töne von Ravels „Menuet antique“ an. Maurice Ravel ist der Schwerpunktkomponist des diesjährigen Festivalreigens, sein Menuet antique komponierte er 1895. Es war ein wunderbarer Einstieg in einen erlebnisreichen Konzertabend. Zartfühlend und anrührend und doch kraftvoll ließ Stadtfeld Ravels Menuet erklingen. Danach ging der Pianist fast nahtlos über zu dem Komponisten, der ihm am nächsten steht und der ihn quasi über Nacht zum Klassikstar gemacht hatte: Johann Sebastian Bach.

Dessen Musik hatte Stadtfeld sich 2002 für seine erste CD ausgewählt und gilt seitdem als der führende Bachinterpret unserer Zeit. Die „Ouvertüre nach französischer Art“ erklang in der kleinen Stadtkirche genauso gewaltig wie in so mancher großen Konzerthalle.

Der imposante Konzertflügel vibrierte unter den kunstvollen Händen des Pianisten. Bachs Musik schien sich mit der Luft zu verbinden, rauschte nur so durch die Kirche und begeisterte das Publikum, das schon nach dem ersten Teil stehend applaudierte. Das Highlight hatte sich Martin Stadtfeld jedoch für den zweiten Teil des Abends aufgespart. Seine Interpretation von Bachs Goldberg-Variationen hatte ihm bereits mit seiner ersten CD einen Klassik-Echo eingebracht. Und auch dem Publikum in der Stadtkirche gefiel Bach im Stadtfeld-Stil. Mehrere hundert Menschen lauschten fast andächtig dem Spiel des jungen Pianisten, der Bachs Intentionen beim Komponieren des Stückes zu spüren schien, als hätte er ihm dabei über die Schulter geschaut. Als Auftragswerk schrieb Bach die Goldberg-Variationen für den Grafen Kaiserling. Dieser hatte den Cembalisten Johann Gottlieb Goldberg in seinen Diensten und orderte bei Meister Bach einige Klavierstücke gegen seine Schlaflosigkeit. Bach schrieb daraufhin einige Variationen, die der Graf fortan als seine betitelte. Bekannt wurden die Stücke später jedoch unter dem Namen des Cembalisten, der sie spielte, nämlich als Goldberg-Variationen. Ob sie nun dem Grafen bei seiner Schlaflosigkeit geholfen haben, sei dahingestellt, unbestreitbar haben sie jedoch in Glückstadt ein dankbares Publikum gleichermaßen fasziniert wie begeistert.

Und das ganz zu Recht, denn Martin Stadtfeld lieferte hier ganz große Musik auf höchstem Niveau. Und dabei schien der Pianist ganz bei sich zu sein, schien sein atemlos zuhörendes Publikum kaum wahrzunehmen und nur in der Musik zu leben. Nicht enden wollender Applaus und Bravo-Rufe forderten eine Zugabe vom Künstler, die dieser mit einem Stück von Prokofjew gern lieferte. Und das mit Bravour, so dass das Publikum nun restlos hingerissen war von diesem sympathischen Pianisten.

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