zur Navigation springen

Vor der Klage zum Schiedsmann : Klassiker: Streit um die Hecke

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

Hauke Rehder und Horst Langer sind ehrenamtlich als Schiedsleute in Wilster tätig. Immer öfter gibt es auch Fälle von Beleidigung via sozialer Netzwerke.

Ihr hauptsächliches Einsatzgebiet: der typische Nachbarschaftsstreit. „Und da ist der Klassiker der Streit um die Hecke“, sagt Hauke Rehder. Er ist seit 2010 ehrenamtlich als Schiedsmann für den Schiedsamtsbezirk Wilster tätig und arbeitet dabei eng mit seinem Stellvertreter Horst Langer zusammen, der dieses Amt seit 2005 inne hat. Mit Zustimmung der Beteiligten ist Langer bei den Gesprächen dabei, um im Vertretungsfall uneingeschränkt einspringen zu können. Die Verhandlungsführung obliegt dabei natürlich dem Schiedsmann. „Das hat sich bewährt“, unterstreicht Hauke Rehder. Die Schiedsleute sehen eine ihrer elementaren Aufgaben darin: „Zwei Nachbarn, die sich nichts mehr zu sagen haben, wieder ins Gespräch zu bringen.“ Dabei, so betont Hauke Rehder, stehe der Schiedsmann auf keiner der beiden Seiten, er fungiere als Moderator. „Wieder etwas anzustoßen, wäre der Idealfall“, ergänzt Horst Langer. Die gegnerischen Parteien sollten möglichst selber eine Lösung entwickeln, die Schiedsleute geben Hilfestellung.

Bevor der Klageweg beschritten wird, sollte erstmal beim Schiedsmann die Schlichtung beantragt werden. Und dann gehe es darum zu ergründen, was beide Parteien wirklich erreichen wollen. Oftmals sei ein Vorkommnis der Höhepunkt dessen, „was sich über einen längeren Zeitraum angehäuft“ habe. Der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Häufig, so Hauke Rehder, würden Gerichts-Soaps im Fernsehen verfolgt, bei anscheinend ähnlichen Vorfällen ließen sich Leute mitreißen, wollten klagen. Insgesamt seien die Wilsteraner aber nicht nachhaltig streitsüchtig. „In Wilster kommt es sehr selten zum Verfahren“, berichtet Rehder aus der Praxis. Meistens könnten Probleme schon im Vorwege gelöst werden.

Allerdings hat Hauke Rehder inzwischen ein neues Phänomen ausgemacht, das bedenklich stimmt: Er bekomme schon einige Anrufe, bei denen die Hilfe des Schiedsmannes aufgrund von Beleidigungen gefragt ist – erlitten via Internet. „Die klassische Beleidigung Auge in Auge nimmt ab, die auf facebook oder anderen sozialen Netzwerken dagegen zu.“ Die Anonymität bereitet Probleme, wer gerichtlich vorgehen will, muss Name und Adresse des Gegners „servieren“. Rehder: „Es ist nicht Aufgabe der Schiedsleute, Detektivarbeit zu leisten.“

Ohnehin ist das ehrenamtliche Aufgabenfeld beider Schiedsleute umfangreich, wobei sie die gute Unterstützung durch das Amt Wilstermarsch loben. „Wir haben sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit gemacht“, sagt Horst Langer und fügt hinzu: „So bürokratisch wie nötig, so unbürokratisch wie möglich.“ Und den Besprechungsraum Nummer 5 im Amtsgebäude können die Schiedsleute für Zusammenkünfte mit den streitenden Parteien nutzen. „Ein heller freundlicher Raum“, zumal die Kontrahenten sich so im neutralen Umfeld begegnen. Um als Mittler fundiert agieren zu können, ist Fortbildung für die Schiedsleute „ständig notwendig“, Grundkenntnisse im Nachbarrecht müssen auf aktuellem Stand sein. Wichtig sind die Fortbildungsangebote, die durch einen Richter in Itzehoe erfolgen. Das hat einen weiteren Vorteil: „Wenn man selber nicht weiterkommt, findet kollegialer Austausch statt.“ Beispielsweise bei der Frage der Zuständigkeit. Darüber hinaus haben Schiedsleute auch die Möglichkeit, sich zum Mediator weiterbilden zu lassen.

Eines jedenfalls macht den besonderen Reiz des Schiedsamtes aus: Wenn es Fälle gibt, sind sie so bunt wie das Leben. Manches mutet gar kurios an, wie beispielsweise ein spezieller Streit um eine Hecke: Jahrelang hatte der Nachbar die Hecke gepflegt, dann wollte der Eigentümer die Pflege selbst übernehmen. Das wurde den Schiedsmännern erst in intensiven Gesprächen mit dem Antragsteller klar.

In jedem Fall ist es notwendig, das Geschehene zu Papier zu bringen. Denn: „Wenn man tatsächlich zu einem Vergleich kommt, der vollstreckbar ist wie ein Gerichtsurteil, muss alles präzise formuliert sein.“ Einen Rechtsrat aber dürfen die Schiedsleute nicht geben. Ihr ehrenamtliches Metier ist es, mit viel Feingefühl dazu beizutragen, dass Streitigkeiten nicht eskalieren.

Hauke Rehder und Horst Langer sehen das Schiedsamt als „gute Sache“, die am Ende Geld und Nerven sparen kann, wenn es nicht zum teuren Gerichtsprozess kommt.

>Kontakt: Hauke Rehder, 04823/920533, und Horst Langer, 04823/8631

zur Startseite

von
erstellt am 05.Jan.2014 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen