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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 03:50 Uhr

Klassik auf dem Saxophon

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brandenburger Symphoniker und Solist Jan Schulte-Bunert begeistern im Theater Itzehoe

Das war ein Sinfoniekonzert der Extraklasse, was die Brandenburger Symphoniker unter der Leitung von Frank Zacher präsentierten. Allein die Konzertdramaturgie glänzte mit Finesse. Zuerst berieselte Hubert Parrys „Englische Suite“ das Publikum im leider nicht voll besetzten Theater Itzehoe mit „Night of the proms“-Gefälligkeit. Derartig eingelullt, rissen dann Béla Bartóks „Rumänische Volkstänze“ in den Temperament-Modus mit, vor allem ein Verdienst des Saxophon-Solisten Jan Schulte-Bunert, der auf Alt- und Sopran-Saxophon frappierende Töne produzierte. Sodann versenkte das Orchester sein Publikum mit Edward Elgars „Elegie für Streicher“ in einen genussvollen Trance-Zustand. Niemand klatschte, kein Zeichen des Missfallens, sondern eine Folge atemlosen Staunens ob der Kunst des Orchesters.

Doch bevor sich dieses Moment totaler Sedierung ablagern konnte, fetzte Jan Schulte-Bunert mit Lars-Erik Larssons Konzert für Altsaxophon und Streichorchester wieder los. Und begeisterte. Die Konzertmeisterin raunte ihm anschließend ein „Bravo“ zu. Dem kann man sich ohne Abstriche anschließen.

Nach der Pause (statt wie sonst üblich davor) platziert Zacher die Musik der so genannten anstrengenden Moderne, Alfred Schnittkes „Moz-ART à la Haydn“. Und siehe da! Es gefällt. Die Melodie- und Stilzitate von Haydn und Mozart werden humorvoll und dekonstruiert, ja, provokativ bis zur Fratze verzerrt. Die Musiker betraten nacheinander auf fast ganz abgedunkelter Bühne ihre wie Schlachtreihen platzierten Stühle, jeder spielte scheinbar, was er will. Zum Schluss, nachdem alle wieder im Dunkeln gegangen waren, dirigierte Zacher das Nichts weiter, eine witzige Verulkung der Klassik-Routine.

Die „Postkarten einer Rumänienreise“ von Ulrich Herkenhoff schrieb Jan Schulte-Bunert dann wieder auf seinem Saxophon, als ob er Giora Feidmans Klezmer-Klarinette spielte: sanft und intensiv, dann wieder knallig und fetzig, mitreißend. Für das Orchester schien das Publikum unerwartet begeistert. Der Solist hätte noch eine Zugabe, aber der Dirigent winkte nach minutenlangem Beifall ab. Mit Dag Wiréns „Serenade für Streicher“ (1937) setzte Zacher den gefälligen Eckpunkt eines exzellenten Konzerts.

Dank brillanter Solisten wie Jan Schulte-Bunert erlebt das Saxophon eine Renaissance in der klassischen Musik. Auch das nächste Sinfoniekonzert (4. Dezember) ist diesem eleganten Instrument mit sattem Sound gewidmet.

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