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Windenergie : Klare Mehrheit für Bürgerwindpark

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neue Windkraftanlagen dürfen jetzt auch 150 Meter hoch werden. Nur rot blinkende Lichter wollen die Dammflether nicht haben.

Auf einer weiteren Einwohnerversammlung zum Thema Windenergie gaben die Dammflether jetzt mit einer klaren Mehrheit grünes Licht für den Bau von zwei neuen Windparks auf dem Gemeindegebiet. Dabei dürfen die in Poßfeld und in Neufeld geplanten Windkraftanlagen bis zu 150 Meter hoch werden. Eine 20 Jahre alte Höhenbegrenzung auf 100 Meter würde damit aufgehoben. Drei Bedingungen sind allerdings an die Entscheidung im erneut bis auf die letzte Ecke gefüllten Gemeinschaftsraum in Hochfeld geknüpft: Die aus Gemeindesicht festgelegte Abstandsregelung von mindestens 500 Metern bleibt bestehen, es müssen reine Bürgerwindparks werden und sie dürfen nachts nicht rot blinken. „Wir von der Gemeinde unternehmen alles, dass es wirklich ein Bürgerwindpark wird“, versprach Bürgermeister Delf Sievers am Ende eine wiederum sehr sachlich verlaufenen Diskussion.

Zum Auftakt hatte Delf Sievers noch einmal die bereits vor zwei Wochen ausführlich vorgestellten Planungen der beiden Investorengruppen vorgestellt. So sind in Poßfeld vier Windkraftanlagen unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Brokdorf vorgesehen. Bis zu sieben weitere Anlagen, so die bisherige Grobplanung, würden zwischen Neufeld und der Stadtgrenze von Wilster errichtet. Zwei in diesem Bereich stehende Höfe würden dazu von ihren Eigentümern aufgegeben. Sie würden gleichzeitig auch auf ein Wohnrecht dort verzichten, um die Abstandsregelungen einhalten zu können. Überraschend wurde auf der Versammlung bekannt, dass jenseits der Dammflether Ortsgrenze auf Stördorfer Gebiet ebenfalls zwei Anlagen geplant sind. Praktischerweise ist ein in dem Gebiet eventuell im Weg stehender Hof im vergangenen Jahr bis auf die Grundmauern niedergebracht. Für das Dammflether Votum spielte das aber keine Rolle.

In einer ersten Grundsatzabstimmung darüber, ob man überhaupt noch weitere Windräder haben wolle, deutete sich unter den 85 stimmberechtigten Einwohnern bereits das spätere Ergebnis an. Am Ende sprachen sich 48 Einwohner für Bürgerwindparks mit Bauhöhen von bis zu 150 Metern aus, 19 stimmten dagegen, die übrigen enthielten sich ihrer Stimme. Bei der nachgeschobenen Frage nach dem als Warnung für den Luftverkehr gedachten Blinkkonzert am Nachthimmel sprach sich fast die ganze Versammlung für den Einbau einer bedarfsgesteuerten Technik aus – auch wenn das für die Investoren deutlich teurer wird.

Während Vertreter der beiden Investorengruppen zuvor noch einmal für ihre Projekte geworben hatten, gab es auch einiges an kritischen Stimmen und Nachfragen. So wurden Zweifel geäußert, ob sich die Windparks am Ende auch wirklich wie geplant finanzieren lassen und die erwartete Rendite abwerfen. Auch könnten nach Änderung der Höhenbegrenzung bereits vorhandene Anlagen weiter wachsen.

Die besonders betroffene Eigentümerin eines historisch wertvollen Gebäudes in Poßfeld verwies auf ein neues Windrad im Nachbarort Nortorf, das für ihr Anwesen bereits jetzt erhebliche Beeinträchtigungen durch Schlagschatten und Geräuschentwicklung mit sich bringe. „Wir haben in 20 Jahren 300  000 Euro investiert“, befürchtet sie nun einen erheblichen Wertverlust für ihr Eigentum. Gleichzeitig pochte sie auf einen 1000-Meter-Abstand zu denkmalgeschützten Gebäuden. Zweifel wurden dabei laut, ob die erwähnte Nortorfer Anlage auch wirklich 1100 Meter von ihrem Haus entfernt liege, wie es vor dem Bau versprochen worden sei.

Dass es auch nach den beiden Einwohnerversammlungen noch reichlich offene Fragen gibt, machte Delf Sievers deutlich. „Ich denke, die Landeigentümer halten ihr Wort“, sagte er auf die Frage, was passiere, wenn keine Bürgerwindparks zustande kommen. Offen ist auch, ob die Investoren bei der erforderlichen Ausschreibung für ihre geplante Stromlieferung wie geplant zum Zuge kommen. Unklar bleibt letztlich auch, wie die endgültigen Vorgaben des Landes aussehen. „Sicher ist hundertprozentig gar nix. Das ist das, was ich im Leben begriffen habe“, fasste der Bürgermeister die Unwägbarkeiten zusammen.


>Über die Einwohnerversammlung zum Thema Windkraft in Ecklak lesen Sie auf Seite 10

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erstellt am 06.Feb.2016 | 08:24 Uhr

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