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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 02:05 Uhr

Glückstadt : Klärwerk kurz vor dem Kollaps

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Zu viel Wasser: Die Stadtentwässerung Glückstadt droht damit, die neue Zuleitung von der Landesunterkunft stillzulegen. Der Besitzer weist Vorwürfe zurück.

Das Glückstädter Klärwerk droht abzusaufen. Grund sind extrem hohe Mengen Wasser, die vom ehemaligen Kasernengelände in das allgemeine Schmutzwassernetz laufen. Und seitdem die Anlage vor einem Jahr um Weihnachten herum fast kollabiert ist, sind die Verantwortlichen sehr sensibel, wenn es um dieses Thema geht. Für die Stadtentwässerung Glückstadt (SEG) ist klar: Bis zum Anschluss am 16. November waren es 4000 bis 6000 Kubikmeter pro Woche, die im Klärwerk einliefen – danach hat sich die Summe auf bis zu 15  000 Kubikmeter erhöht. „Und das, bevor die Flüchtlinge dort eingezogen sind“, sagt Heike Weißmann, Geschäftsbereichsleiterin der Entwässerung bei der SEG. „Diese Menge kann unser Klärwerk einfach nicht verkraften.“

Sie schrieb an den Besitzer der ehemaligen Kasernenanlage, die inzwischen Landesunterkunft geworden ist, und kündigte an, dass im Zweifelsfall der Anschluss still gelegt wird. Das würde bedeuten, dass kein Schmutzwasser mehr die Landesunterkunft Richtung Kläranlage verlassen könnte. Mit anderen Worten: Sanitäreinrichtungen könnten nicht mehr genutzt werden.

Kasernenbesitzer Jens Lange hat sich über das Schreiben geärgert, auch weil es Heiligabend kam. „Wir haben nichts falsch angeschlossen“, sagt der Bauunternehmer. „Das Wasser muss irgendwo anders herkommen. Wir sind es definitiv nicht.“ Er hält das Ganze für „unlogisch“. Denn auf Grundlage von Dokumenten der Bundeswehr als ehemaligem Besitzer des Areals seien Trinkwasserleitungen komplett neu in Zusammenarbeit mit den Glückstädter Stadtwerken verlegt worden. Zudem seien alle Leitungen einschließlich der für Regenwasser gefilmt worden. Das Regenrückhaltebecken aus Bundeswehrzeiten wurde in Ordnung gebracht, die Vorfluter nach Rücksprache mit dem Sielverband ausgebaggert. Regenwasser könne durch die Vorfluter ablaufen. Und es wurde ein Teil der Schmutzwasserleitung in Zusammenarbeit mit der Stadtentwässerung neu verlegt.

Allein das Spülen und Filmen der Regenwasserrohre und Schmutzwasserleitungen beziffert Jens Lange mit Kosten in Höhe von 40  000 Euro. Und geärgert hat er sich, weil er für den Anschluss Schmutzwasser jetzt auch noch 40  000 Euro zahlen musste. „Den Anschluss gab es ja auch schon vorher.“

Für Heike Weißmann ist der Fall klar. Es hat irgendwo auf dem Gelände einen falschen Umschluss gegeben, sagt sie. Nur dadurch sei zu erklären, warum so hohe Mengen Regenwasser ins Klärwerk fließen. Allerdings sei „sauberes Wasser“ schädlich, weil die Bakterien dann nicht mehr richtig arbeiten könnten. Die Folgen: Das Schmutzwasser, welches letztlich in die Elbe geleitet wird, wird nicht richtig gereinigt. Und dafür muss die SEG dann Strafen ans Umweltamt zahlen. Diese Summe wiederum wird auf den Gebührenzahler umgelegt. Der Supergau wäre: Das, was in den Klos heruntergespült wird, kommt aus den Gullys wieder heraus. „Dann rollt das Klopapier über die Straße.“

Die Mitarbeiter der Stadtentwässerung hätten geprüft und sind zu dem Schluss gekommen: Hohe Mengen Wasser fallen auf dem Kasernengelände am Pumpwerk am Neuendeich an. Weißmann: „Wir haben bei der SEG keine aktuellen Planunterlagen des Entwässerung des gesamten Geländes vorliegen, vermuten aber aufgrund unserer Vorkenntnisse, dass eventuell ehemalige oder noch genutzte Fahrzeugwaschplätze, Parkplätze und Dachentwässerungen im Zuge der Leitungsverlegungen versehentlich an die Schmutzwasserkanalisation auf dem Grundstück und damit auch an unsere öffentliche Leitung angeschlossen wurden.“ Bevor die Situation eskaliert, schlägt sie vor, dass der Eigentümer und die SEG das Problem gemeinsam klären.

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erstellt am 28.Dez.2015 | 17:20 Uhr

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