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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 09:24 Uhr

Kindergärten : Kitas hängen in der Luft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Verhandlungen über neue Verträge mit den Glückstädter Kitas ziehen sich in die Länge. Die Kirche will Kürzungen nicht akzeptieren. Die Politik vertagt Entscheidungen.

von
erstellt am 10.Sep.2013 | 18:06 Uhr

Die Zukunft der Kindergärten sorgt für einen Streit zwischen der evangelischen Kirche und der Stadt. Thomas Hübner vom evangelischen Kita-Verband kündigte an, Kürzungen bei der Personalbemessung nicht zu akzeptieren. Gleichzeitig fordert er einen höheren Beitrag der Kommune zu den Verwaltungsgebühren, wenn demnächst die Trägerschaft der vier kirchlichen Kindergärten von der Glückstädter Kirchengemeinde auf den evangelischen Kita-Verband übergehen soll.

Derzeit übernimmt der Verband lediglich die Geschäftsführung der Einrichtungen, während die Trägerschaft formal noch bei der Kirchengemeinde vor Ort liegt. Deshalb hat er schon jetzt ein Wörtchen mitzureden, wenn neue Verträge zwischen den Kitas und der Stadt geschlossen werden. Das ist dringend notwendig, denn seit dem 1. August hängen alle Kindergärten der Stadt in der Luft: Die Kommune hatte schon im Jahr 2011 die Verträge mit Ablauf des Kindergartenjahres 2012/2013 vorzeitig gekündigt.

Ein neues Fördermodell des Kreises machte diesen Schritt notwendig. Der zahlt nun nicht mehr anteilmäßig die Personalkosten, sondern berechnet seine Zuschüsse pro Kind (Subjektförderung). Das Ergebnis: Es fließt weniger Geld vom Kreis, der neben dem Land an der Finanzierung der Kitas mitbeteiligt ist. Das Loch muss die Stadt auffangen, die damit angesichts des defizitären Haushalts ihre liebe Not hat. Und so erarbeitete die Verwaltung unter Federführung von Angelika Tesch ein völlig neues Modell zur Bemessung der Personalkosten.

Zu Grunde gelegt werden nicht mehr die Gesamtarbeitszeiten einer Erzieherin einschließlich Stunden für die Vor- und Nachbereitung, sondern nur noch die reine Betreuungszeit am Kind. Laut Stadtverwaltung gibt es so keine Kürzungen, sondern lediglich Umschichtungen im System. „Die neue Regelung ist bewusst großzügig beim wichtigsten Punkt, der Betreuung direkt am Kind“, kommentierte Bürgermeister Gerhard Blasberg. Unterm Strich ergeben sich aber sehr wohl Einsparungen: Insgesamt rund 830 Personalstunden weniger bekommen die Kitas von der Stadt bezahlt. Dazu Bürgermeister Blasberg: „Durch unsere schwierige finanzielle Lage ist bei den anderen Zeiten eine verstärkte Flexibilität der Träger leider notwendig“.

Ein Gespräch mit den Trägern der Glückstädter Kindergärten hat ergeben, dass die Familienbildungsstätte und die Sonnige Spielstube, das neue Bemessungssystem nachvollziehen können. Nicht jedoch die Kirche: Thomas Hübner vom evangelischen Kita-Verband bezeichnete den Vorschlag als „einengend“. Er wolle gern mit der Stadt im Geschäft bleiben. „Aber bei dieser Beschlussvorlage ist das schwierig. Sie bedeutet für uns deutliche Qualitätsverluste.“ Es gehe im Moment darum, neue Finanzierungsverträge auszuhandeln. Offene Verhandlungen vermisse er allerdings derzeit. „Ich habe den Wunsch, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen.“

Bürgermeister Gerhard Blasberg ließ keinen Zweifel daran, dass die Zusammenarbeit mit der Kirche fortbestehen sollle: „Jetzt muss hart aber fair verhandelt werden.“

Kontroversen deuteten sich unterdessen in einem weiteren Punkt an: Die Glückstädter Kirchengemeinde will die Trägerschaft ihrer Kitas an den evangelischen Kita-Verband abgeben, der schon jetzt Träger von zwölf Kindergärten im Kreis ist. Die Verwaltungsarbeit geht dann aus ehrenamtlichen Händen an den Verband über. Entsprechend wird eine höhere Pauschale für Verwaltungskosten verlangt. Wurden bislang vier Prozent des laufenden Haushalts an die Kirche abgeführt, so sollen es jetzt 6,75 Prozent der tatsächlichen Personalkosten werden. In absoluten Zahlen bedeutet das eine Steigerung von jährlich 48 300 Euro auf 64 400 Euro. „Und das ist bei weitem noch nicht ausreichend für die Bezahlung der Verwaltungsaufgaben“, erklärte Thomas Hübner. Ein weiterer Anteil verbleibe bei der Glückstädter Kirchengemeinde, die als Mitglied des Kita-Verbands ebenfalls weiter in der Pflicht steht. Bei den Mitgliedern des Sozialausschusses stieß die Erhöhung der Verwaltungspauschale weitestgehend auf Unverständnis: „Wenn ich fusioniere, dann erwarte ich doch eigentlich eine Minderung meiner Kosten“, sagte Annette Engemann (CDU).

Der Sozialausschuss vertagte sowohl die Entscheidung über die neue Personalbemessung als auch über den Trägerwechsel. Nicht zuletzt die Komplexität des Themas verlangt einigen Mitgliedern noch ein sorgfältiges Einarbeiten und Abwägen ab. In puncto Verwaltungskosten soll geprüft werden, ob es eventuell eine günstigere Lösung gibt.

 

 

 

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