Kinderbetreuung : Kita-Plätze bleiben Mangelware – Mehr Erzieher sind nicht genug

Viel Platz zum Spielen in neuen hellen Räumen: Die Kinder aus der Gruppe Schmetterlinge nutzen bereits mit ihren Erzieherinnen  Catharina Sude und Karen Roelfs (r.) die neuentstandenen Räume in der Kindertagesstätte Izzkizz.
Viel Platz zum Spielen in neuen hellen Räumen: Die Kinder aus der Gruppe Schmetterlinge nutzen bereits mit ihren Erzieherinnen Catharina Sude und Karen Roelfs (r.) die neuentstandenen Räume in der Kindertagesstätte Izzkizz.

Eine Kita schafft Plätze, Erzieher schließen ihre Ausbildung ab – doch die Betreuung bleibt lückenhaft.

shz.de von
04. Juli 2018, 04:45 Uhr

Itzehoe/Flensburg | Mit dem Fahrstuhl können die „Schmetterlinge“ und die Kinder aus den anderen Gruppen noch nicht in ihre neuen Räume im zweiten Obergeschoss der Kindertagesstätte Izzkizz am Langen Peter in Itzehoe fahren. Der Aufzug wird aktuell noch gebaut. Auch auf dem vergrößerten Außengelände wird noch gearbeitet. Ansonsten ist die Erweiterung des Kindergartens aber abgeschlossen. Hell und freundlich sind die neuen Räume, in denen 60 zusätzliche Kinder betreut werden.

Insgesamt etwa eine halbe Millionen Euro hat die „Wohnpark Klosterforst gGmbh“ als Betreiber in die Erweiterung investiert, sagt Geschäftsführer Stefan Wegener. Frühere Wohnräume im zweiten Obergeschoss des Kindergartens wurden umgebaut. Entstanden sind vier Gruppenräume und ein Förderraum sowie eine Küche und sanitäre Anlagen. Zehn zusätzliche Mitarbeiterinnen hat Leiterin Heike Martens-Knoop eingestellt, die die 20 Kinder unter und 40 Kinder über drei Jahre betreuen. 54 Mitarbeiter kümmern sich nun insgesamt um die 220 Kinder bei Izzkizz – die Kita hat die Dimension einer Grundschule erreicht. Weiter wachsen könne und wolle man nicht, sagt Wegener, auch wenn weiter Bedarf bestehe. Wenn Anfang August das neue Kita-Jahr in Itzehoe beginnt, sind alle neuen Plätze bei Izzkizz bereits vergeben.

Dass die Plätze bei Izzkizz so schnell belegt waren, bestätigt die Prognosen des städtischen Kinder- und Jugendbüros über den großen Bedarf in den politischen Debatten des vergangenen Jahres. „Daran hat sich nichts geändert“, sagt Leiter Carsten Roeder. „Auch ab August wird es ungefähr 100 Itzehoer Kinder geben, deren Eltern keinen Betreuungsplatz finden.“ Einige können familiäre Lösungen finden, andere bekommen einzelne Plätze im Umland. Zusätzlich werden die Johanniter ab August zehn Krippenplätze in einem sogenannten Tagespflegenest bieten.

„Absolventen vom Arbeitsmarkt regelrecht aufgesaugt“

Luca Clausen fühlt sich ausgesprochen wohl im Umgang mit Kindern. „Ihnen Werte und Normen zu vermitteln und sie zu selbstständigen Personen zu erziehen, macht mir einfach Spaß“, sagt er. Am Dienstagmorgen hat Clausen seine Ausbildung als staatlich anerkannter Erzieher an der Hannah-Arendt-Schule in Flensburg beendet und wird demnächst in der Kita Engelsby anfangen.

Die Erzieher der Hannah-Arendt-Schule haben Grund zur Freude – nicht nur, weil Sie drei Jahre Ausbildung hinter sich haben. Bei den Krippen und Kitas des Landes wird Verstärkung dringend gesucht.
Foto: Marcus Dewanger
Die Erzieher der Hannah-Arendt-Schule haben Grund zur Freude – nicht nur, weil Sie drei Jahre Ausbildung hinter sich haben. Bei den Krippen und Kitas des Landes wird Verstärkung dringend gesucht.

Die Stelle zu bekommen, war kein Problem, sagt er. Seine Mitabsolventin Anna-Lena Soitzek macht sich so wenig Sorgen um eine Stelle, dass sie erst einmal einige Monate auf Reisen geht, um sich dann in Hamburg etwas zu suchen.

Ihre Sorglosigkeit hat einen guten Grund. Die 69 Erzieher des Abschlussjahrgangs 2018 werden von den Kitas und Krippen händeringend erwartet. „Der Bedarf im Land ist sehr groß“, sagt Gesine Kock, Studiendirektorin der Schule. „Die Absolventen werden vom Arbeitsmarkt regelrecht aufgesaugt.“

Der Grund: Seit 2013 besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Betreuungsplätze für unter Dreijährige. Die Nachfrage sei seitdem enorm gestiegen, so Kock. Die Zahl der Kita- und Krippen-Plätze kann da nicht mithalten.

Mehr Ausbildungsplätze für Erzieher

Das Land reagiert mit mehr Ausbildungsplätzen für Erzieher. Der Abschlussjahrgang 2018 ist deutlich größer als der des Vorjahres (59 Absolventen) und setzt damit einen Trend fort. Im Sommer starten ganze 120 neue Auszubildende an der Hannah-Ahrendt-Schule.

Und dennoch: So günstig es für die Absolventen auf dem Arbeitsmarkt ist, so schwer ist es, an einen der Ausbildungsplätze zu kommen. Kock: „Das Interesse an dem Beruf ist groß. Auf die 120 Plätze gab es 310 Bewerber.“

Bei so rasant steigenden Auszubildendenzahlen wird es auch räumlich langsam eng. Die Hannah-Arendt-Schule nutzt bereits die Lehrräume der Petri-Schule. Im Moment gehe es noch. Doch auch in der Petrischule seien die Kapazitätsgrenzen langsam erreicht, so Kock.

Übrigens: Erzieher-Absolvent Luca Clausen gehört als männlicher Erzieher einer wachsenden Minderheit an – zumindest, was die Hannah-Arendt-Schule anbelangt. Kock: „Der Anteil männlicher Absolventen liegt momentan bei etwa einem Drittel. Und er wächst langsam.

100 neue Plätze im kommenden Jahr

In Itzehoe arbeitet man unterdessen weiter am Platzproblem: In größerem Umfang neue Kapazitäten wird aber erst der geplante neue Kindergarten mit 100 Plätzen an der Moltkestraße bringen. „Unser Ziel ist, ihn noch 2019 einzuweihen“, sagt Dörte Raßmus, pädagogische Referentin des Kita-Werks der evangelischen Kirche, das von der Stadt als Träger beauftragt wurde. Der Baustart ist noch nicht terminiert, noch fehlen Genehmigungen von Landesregierung und Bauaufsichtsbehörden. An den Plänen werde aber gemeinsam mit den Behörden intensiv gearbeitet, so dass es zügig voran gehen könne, wenn alle Formalitäten geklärt seien, sagt Raßmus.

Bis dahin müssen Eltern ohne Betreuungsplatz auf eine kurzfristige Änderungen in den bestehenden Kindergärten hoffen. Anfragen können sich lohnen, sagt Martens-Knoop. „Es gibt ja durch Umzüge oder kurzfristige Veränderungen im Job immer mal einzelne freie Plätze.“ Und da zähle dann die Warteliste.

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