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Denkmal : Kirche, Ketten und Kanonen: Geschichte erleben in der Alten Gießerei

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Führungen zum Tag des Dankmals am 14. September. Teile ehemaliger Gefängniskirche können besichtigt werden.

von
erstellt am 12.Sep.2014 | 17:00 Uhr

Früher Zuchthaus, heute christliche Einrichtung für die Jugendarbeit: Die Alte Gießerei in der Königstraße Nummer 41 hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Am kommenden Sonntag können Besucher am Tag des Denkmals in dem über 370 Jahre alten Gebäude auf die Suche nach Spuren aus der Vergangenheit gehen.

Geführt werden sie von Klaus Morwinski, Pastor der Freien Kirche Glückstadt, der das Haus seit 2010 gehört. „Wir haben das Gebäude von einer Stifterin für unsere Jugendarbeit bekommen und bauen es nun Schritt für Schritt für unsere Zwecke um“, erklärt Morwinski. Über die vielen versteckten historischen Details wussten der Pastor und seine Mitstreiter zunächst nur wenig. Sie kamen erst nach und nach mit dem Umbau zum Vorschein.

Inzwischen hat Morwinski ein klares Bild von der Geschichte des Hauses: 1641 errichtet, diente es rund 200 Jahre lang als Gießerei für die Festungsstadt Glückstadt. Produziert wurden neben Kanonen und den entsprechenden Kugeln zum Beispiel auch Leuchter. Die Kamine der Schmelzöfen existieren heute noch. Die Strukturen der Öfen sind gut erkennbar. „Wir haben beim Bauen auch noch eine Kanonenkugel aus alter Zeit gefunden“, berichtet Karsten Prziwara von der Freien Kirche.

1841 wurde die Gießerei geschlossen und das Gebäude als Zuchthaus genutzt. Bis ins 20. Jahrhundert wurden bis zu 300 Häftlinge in der Königstraße gefangen gehalten. „Die Sträflinge mussten, soweit wir wissen, in der Umgebung auf dem Feld arbeiten“, so Morwinski. Nachts wurden sie unter kaum vorstellbaren Bedingungen eingeschlossen. Ein ehemaliger Schlafsaal ist am Sonntag zu besichtigen. „Hier sind viele Spuren zu finden. An den Deckenbalken stehen zum Beispiel die Nummern der Häftlinge, die darunter ihren Schlafplatz hatten.“

Im Gebäude gab es eine eigene Kirche für die Häftlinge – für Pastor Morwinski ein wahrer „Kulturschatz.“ „Seit der Entdeckung und Freilegung der Gefängniskirche im Obergeschoss, ist das Gebäude als Landeskulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingestuft.“ Nach der Schließung der Haftanstalt gab es eine Phase unterschiedlicher Nutzungen als Lagerhaus und sogar als Turnhalle, bis schließlich die Druckerei Rautenberg in der Königstraße einzog und dort für viele Jahre ihren Firmensitz fand.

Heute nutzt die Freie Kirche die Alte Gießerei vielseitig: Zum einen werden dort Jugendliche unterstützt, die Schwierigkeiten im familiären Umfeld, mit Schule oder Ausbildung haben. Manche leben für einige Zeit in WG-Zimmern im Obergeschoss. Zum anderen finden Gottesdienste und Zusammenkünfte statt. Im Moment wird dafür ein großer Saal im Erdgeschoss genutzt.

Langfristig möchte Pastor Morwinski wieder Gottesdienste in der ehemaligen Kirche im Obergeschoss feiern. „Bis dahin ist aber noch viel Arbeit notwendig.“ Wie weitgehend eine Restaurierung, etwa der historischen Wandbemalungen, möglich ist, ist auch eine Frage der Kosten. Den Umbau finanziert die Freie Kirche weitgehend über Spenden. Morwinskis Wunsch ist, dass die Neugestaltung der historischen Kirche zum Stadtjubiläum 2017 abgeschlossen ist. „Das zu schaffen, ist aber eine große Herausforderung.“

 

>Öffnungszeiten Sonntag 13 bis 17 Uhr. Eintritt frei, um eine Spende wird gebeten.

 

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