Gesellschaft : Kirche braucht Kredit

Umbau zur Multifunktionskirche: Im vorderen Teil des Kirchenraums sollen Gemeinderäume entstehen. Fotos: Ruff
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Umbau zur Multifunktionskirche: Im vorderen Teil des Kirchenraums sollen Gemeinderäume entstehen. Fotos: Ruff

In St. Michaelis in Wellenkamp soll das Gemeindehaus in das Kirchengebäude integriert werden

Kay Müller von
13. Januar 2015, 05:10 Uhr

Es ist kalt. Wenn kein Gottesdienst in der St.Michaelis Kirche in Wellenkamp stattfindet, wird das Haus nur auf zehn Grad geheizt – erst wenn die Feier beginnt, sind es 17 Grad. Und so hat an diesem kühlen Tag Pastorin Katharina Reinke die Jacke dicht geschlossen und blickt auf die vielen Bänke, die im leeren Kirchenschiff stehen. „Wir haben hier Platz für 400 Leute, zu normalen Gottesdiensten kommen aber nur so um die 40“, sagt Reinke. Die Gemeinde zahlt jede Menge Energiekosten – auch für das nur wenige Meter entfernt liegende Gemeindehaus aus der Gründerzeit. Und deswegen ist die Kirchengemeinde schon vor Jahren als die Bundeswehr sich aus Itzehoe zurückzog und die Zahlungen für die Garnisonskirche einstellte, auf die Idee gekommen, beides zusammenzulegen – das Gemeindehaus also in die Kirche zu verlagern. Kosten: 425  000 Euro.

Die Pläne dafür hat Katharina Reinke vor sich. Danach wird der eigentliche Kirchraum verkleinert, bietet dann noch 150 Menschen Platz. Die Empore wird verlängert, darunter entstehen zwei Räume, die sich zum Kirchraum hin öffnen lassen, um so notfalls doch noch mehr Gottesdienstbesuchern Platz zu bieten. „Der eine Raum wird 67 Quadratmeter groß werden, der andere 31. Darin könnten Seniorennachmittage oder Konfirmandenunterricht stattfinden. Dazu kommen noch eine Teeküche und auch WCs im Erdgeschoss“, sagt Reinke. Die neuen Räume sollen gedämmt werden, damit die Gemeinde Energiekosten sparen kann. Dazu soll die Kirche an den Seiten neue Fenster und Türen bekommen, damit Tageslicht in die Räume kommt und genügend Fluchtwege vorhanden sind. Außerdem entsteht an einer Seite eine Terrasse.

Im ersten Geschoss muss die Orgel ans vordere Ende der verlängerten Empore versetzt werden, was aufwendig ist. „Dabei wird sie gleich gereinigt, was ohnehin irgendwann nötig geworden wäre“, sagt Reinke. Hinter der Orgel entstehen weitere Räume, darunter ein rund 71 Quadratmeter großer Probenraum. „Den haben wir im alten Gemeindehaus so nicht“, sagt Reinke. Gerade für Musikgruppen sei ein solcher Raum unbedingt notwendig.

Für Reinke stehen die Vorteile des Umbaus im Vordergrund. „Die Gemeinde rückt so wieder mehr in die Kirche zurück“, sagt die Pastorin. So könne sie etwa mit den Konfirmanden nach dem Unterricht direkt zum Altar gehen.

Mehrere Kirchen in Schleswig-Holstein haben bereits ihr Gemeindezentrum in die Kirche integriert – so etwa Krempe. Den Vorteil sehen viele Gemeinden darin, dass sie ein Gebäude aufgeben können. „Das schmerzt bestimmt viele“, sagt Katharina Reinke. „Aber im Zweifel entscheiden sich dann doch die meisten für die Kirche.“ Die Pastorin rechnet mit weniger als einem Jahr Bauzeit. „Vielleicht schaffen wir es, dass wir in den nächsten zwei oder drei Jahren damit beginnen können.“

Reinke hofft, dass die Gemeinde am Ende durch den Verkauf des Gemeindehauses aus der Gründerzeit zumindest einen Teil der Umbaukosten zurückbekommt. Denn der Kirchenkreis bezahlt zwar eine Sanierung des Kirchturms und der Außenhülle der Kirche in Höhe von 118  000 Euro, allerdings wird der Umbau nur mit 40  000 Euro bezuschusst. „Den Rest muss die Gemeinde aufbringen und wird deswegen in besonderen Aktionen auch um Spenden werben“, sagt Reinke, die die Pläne der Gemeindeversammlung am Wochenende vorgestellt hat. „Die Reaktionen waren durchweg positiv“, sagt die Pastorin. Die Gemeindemitglieder hätten die Notwendigkeit einer Zusammenlegung erkannt. Langfristig sei der Umbau sinnvoll, dadurch werde Geld gespart. „Denn“, sagt die Pastorin und zieht ihre Jacke in der Kirche enger um den Körper, „wir müssen ja dann nur noch einen kleineren Kirchraum heizen.“

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