Kindergärten arbeiten am Limit

Kümmert sich seit fast 40 Jahren um das Wohl des Nachwuchses: Annelies Geiger mit einigen ihrer heutigen Schützlinge in der evangelischen Kita am Juliengardeweg.
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Kümmert sich seit fast 40 Jahren um das Wohl des Nachwuchses: Annelies Geiger mit einigen ihrer heutigen Schützlinge in der evangelischen Kita am Juliengardeweg.

Betreuungseinrichtungen wünschen sich mehr Personal / Anforderungen an Erzieher sind gestiegen

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24. Januar 2015, 07:00 Uhr

Knapp 1200 Kinder werden aktuell in Itzehoe in einer der 17 Kindertagesstätten betreut. Doch viele arbeiten personell am Limit. Und gut ausgebildetes Personal ist immer schwerer zu finden.

Den Personalschlüssel gibt eine Landesverordnung vor: Eine Fachkraft für fünf Kinder bei unter Dreijährigen sowie 1,5 Fachkräfte für 20 Kinder bei über Dreijährigen. „Doch um gute Bildungsarbeit zu machen, ist der Schlüssel nicht auskömmlich“, sagt Carsten Roeder (Foto), Leiter des Kinder- und Jugendbüros. „Um dem einzelnen Kind pädagogisch gerecht zu werden, brauchte man mehr Personal.“ Das sei derzeit nicht finanzierbar. 5,5 Millionen Euro gibt Itzehoe 2015 für die Kitas aus.

In den Kindertagesstätten selbst werde sehr gute Arbeit geleistet, so Roeder. In der evangelischen Kita am Juliengardeweg hat Annelies Geiger die Leitung inne − und das seit 1976. Die 60-Jährige sagt: „Der Spagat zwischen dem hohen Anspruch und den praktischen Umsetzungsmöglichkeiten wird immer größer.“ 154 Kinder werden am Juliengardeweg betreut − von 15 Erziehern, Sozialpädagogischen Assistenten und Heilpädagogen. In einer Regelgruppe befinden sich 20 bis 22 Kinder. „Da wird mit den Kindern anders gearbeitet, als wenn es nur 18 wären“, so Geiger. Sie wünsche sich deswegen eine Optimierung: mehr Stunden und mehr Personal.

Da kann sich Claudia Pohlmeyer, Leiterin der evangelischen Kita in der Fehrsstraße, nur anschließen. „Die Personalausstattung ist nicht ausreichend“, sagt sie. 20 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren seien derzeit in einer Elementargruppe, so Pohlmeyer. Doch es seien auch schon 23 gewesen. Wenn man jedem Kind individuell gerecht werden wolle, brauche man einen höheren Personalschlüssel. Denn: „Die Zeiten, wo die Kinder unauffällig in die Kita kommen, sind vorbei.“

Deutlich wird Regine Schütt, eine der Leiterinnen der städtischen Kindertagesstätte Sude-West mit 126 Plätzen. Als „desolat“ bezeichnet sie die personelle Ausstattung. Besonders heikel werde es, wenn einer der Erzieher krank sei oder Urlaub habe. Zwar habe man die vorgeschriebene Anzahl an Fachkräften, doch den Normalzustand gebe es kaum, „weil fast immer jemand fehlt“.

Auch die Anforderungen an die Erzieher haben sich verändert, da sind sich die Kita-Leiter einig. „Der Beruf ist vielschichtig, das Aufgabenfeld wird größer“, sagt Heike Martens-Knoop vom IzzKizz. Die Verantwortung sei hoch, schließlich bereite man die Kinder auf die Gesellschaft vor. „Es ist nicht nur ein bisschen Spielen, bisschen nett sein“, so Martens-Knoop. Steffen Harp stimmt zu: „Die Arbeit wird immer mehr, neben der Kinderbetreuung gibt es noch Dokumentation, Eltern-Betreuung und viele Gespräche“, so der Leiter der Johanniter-Kita in Wellenkamp.

Doch Personal ist rar. So musste Claudia Pohlmeyer im vergangenen Jahr eine Stelle vier Mal ausschreiben − erst dann war sie besetzt. Heike Martens-Knoop wünscht sich deswegen, dass „überhaupt noch qualifiziertes Personal ausgebildet wird“. Auch das Kita-Aktionsbündnis Schleswig-Holstein hatte jüngst eine deutliche Qualitätsverbesserung für die Kindertagesstätten mit mehr Geld und Personal gefordert. Da kann sich Frank Kölling, Leiter des Kinderhauses Blauer Elefant, nur anschließen. Es sei wichtig, die nachfolgenden Generationen mit guter Bildung auszustatten. Die Grundlagen würden in den Kitas gelegt: „Eine Gesellschaft kann nicht genug für ihre Kinder tun.“

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