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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 13:25 Uhr

Projekt : Kinder lernen Natur kennen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zweite Klasse der Bürgerschule nimmt an Projekt „Schule trifft Kultur“ teil: Vermittlung von Kenntnissen über heimische Natur zentrales Ziel.

„Das geht aber schwer.“ Mit aller Kraft drückt Lotta den weichen Ton auf die Baumrinde. Als sie ihn wieder löst, ist ein perfekter Abdruck der Rinde in dem grauen Material zu erkennen. Konzentriert betrachtet die Zweitklässlerin das Ergebnis. Nun fehlt noch die Beschriftung auf der Rückseite. Der eigene Name und der Name des Baumes, von dessen Rinde der Abdruck stammt, sollen in den weichen Ton geritzt werden. So lautete der Arbeitsauftrag für Lotta und ihre Mitschüler. „Wie heißt denn dieser Baum?“ Die Frage richtet sich an Margarethe Olschowka.

Die Glückstädter Künstlerin ist die Ideengeberin für den Ausflug der Klasse 2c der Bürgerschule in den Stadtpark. „Das ist eine Linde“, sagt Olschowka und erklärt, wie Bäume anhand ihres Erscheinungsbildes unterschieden werden können. Die Abdrücke wird sie später im Brennofen härten. Aus den Negativformen werden die Schüler dann erneut Abdrücke machen und so Nachbildungen der Baumrinden in Ton herstellen.

Die Rinden-Reproduktion ist nur eine von mehreren Aktionen, die Margarethe Olschowka in mehreren Unterrichtseinheiten mit den Kindern im Rahmen des Projektes „Schule trifft Kultur“ unternimmt. Ziel ist, die Kinder künstlerisch und spielerisch zur Beschäftigung mit der Natur anzuregen. Die Schüler erleben den Unterrichtsgegenstand ganz anders, indem sie ihn mit allen Sinnen wahrnehmen können. Das gelingt. „Da hat sich was bewegt“, ruft Nicolai plötzlich aufgeregt, als er mit einer kleinen Lupe die Baumrinde absucht. Eine Spinne – Berührungsängste mit den Krabbeltieren hat keiner der Schüler.

Eine Premiere ist diese ungewöhnliche Form des Unterrichts nicht nur für sie – auch für Margarethe Olschowka und Klassenlehrerin Susanne Bisping ist ihr gemeinsames Vorhaben ein Pilotprojekt. Die Grundidee geht auf eine gemeinsame Initiative von Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk und Bildungsministerin Britta Ernst zurück. Im Anschluss an das „Jahr der kulturellen Bildung 2014“ soll das auf drei Jahre angelegte Projekt „Schule trifft Kultur“ zur Stärkung der kulturellen Bildung im Land beitragen. Das Land fördert auch die Arbeit von Margarethe Olschowka in Glückstadt. Für die Inhalte ist aber die Künstlerin in Absprache mit der Lehrerin selbst zuständig. Ihre Vorhaben mit der 2c sind der Abschluss einer einjährigen Qualifizierung als „Kulturvermittlerin“.

„Die Kinder bekommen Freiraum zum Ausprobieren“, sagt sie über die Arbeit mit den Zweitklässlern. Das künstlerische Gestalten rege die Fantasie an, fördere die Kreativität und vermittle manuelle Techniken. Und quasi ganz nebenbei werde „Sachkunde über die Natur in der nahen Umgebung“ vermittelt. Durch die gemeinsamen Such – und Beobachtungsaufgaben und durch das genaue Anschauen mit der Lupe und Mikroskop werden bekannte und sicherlich schon oftmals gesehene Lebewesen, Pflanzen und Gegenstände für die Kinder spannend. Somit schauen alle viel genauer hin und entdeckten Neues.

Auch die Integration hat Olschowka bei der Konzeption im Blick gehabt. „In der Klasse sind neun Kinder mit Migrationshintergrund. Zwei sprechen bisher wenig Deutsch.“ Das gemeinsame Lernen „durch direktes Erleben“ soll gerade auch diese Kinder erreichen und ihnen helfen, Teil der Klassengemeinschaft zu werden.

Unterstützt wurden Susanne Bisping und Margarete Olschowka bei den Besuchen im Stadtpark durch Sybille Petersen und Christine Berg von der NABU-Gruppe Glückstadt, die den Kindern mit Rat und Tat zur Seite standen und ihr Wissen über die Natur an die Schüler weitergaben.

Noch bis zum Januar wird Margarete Olschowka die 2c besuchen. „Normalen“ Kunst- und Sachkundeunterricht haben die Schüler übrigens trotzdem. Bei der Beobachtung der Kinder im Stadtpark drängt sich aber durchaus der Eindruck auf, dass der ein oder andere nichts dagegen hätte auch in Zukunft das Klassenzimmer regelmäßig gegen die freie Natur zu tauschen.

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erstellt am 20.Dez.2015 | 16:54 Uhr

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