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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 12:58 Uhr

Flüchtlingshilfe : Kinder beschenken Kinder

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jungen und Mädchen aus der Kita Wewelsfleth packen Kartons für Flüchtlingskinder in Glückstadt

von
erstellt am 21.Dez.2015 | 18:52 Uhr

Tyme lacht glücklich. Der kleine Junge hält eine Lok aus Holz in der Hand, setzt sie auf die Schienen. An die Lok hängt er rote und gelbe Waggons. Tyme schiebt den Zug über eine kleine Brücke. Er ist von dem Spielzeug begeistert.

Es herrscht gute Stimmung in dem neuen Kindergarten der Landesunterkunft für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Kasernengelände. Warm ist es in dem roten Container, die Kleinen haben ihre Schuhe ausgezogen – die Erwachsenen, die mit ihnen spielen, tragen Hausschuhe. Rund 20 Kinder aus verschiedenen Ländern kommen vormittags in die neue Kita. Für sie eine Möglichkeit, zu spielen und die neue Sprache zu lernen.

An diesem Morgen ahnen sie noch nicht, dass es ein besonderer Vormittag wird. Denn Jungen und Mädchen aus dem Kindergarten in Wewelsfleth haben für sie Geschenke gepackt.

Bruno Marschner, zuständig als Projektleiter für die rote Kita, hat die Pakete noch nicht vergeben. Der 28-Jährige spricht sich kurz mit drei Erwachsenen ab, die in verschiedenen Sprachen den Kindern erklären, dass sie sich jetzt in einer Reihe anstellen dürfen. Was sie auch brav tun. Keiner drängelt sich vor. Und dann die Überraschung: Nacheinander nehmen sie die liebevoll in Geschenkpapier verpackten Päckchen entgegen. Wer eines hat, setzt sich an einen kleinen Tisch. Doch keiner packt aus, alle warten, bis jeder eines hat.

Erst als die Erwachsenen sagen, dass sie das Papier abwickeln dürfen, reißen die ganz Kleinen das Papier auf, die größeren sind bedächtiger bei der Sache. Alle zusammen reagieren begeistert: Sofort nehmen einige die großen, bunten Malstifte in die Hand und malen. Andere bekommen Spiele, Puzzles oder Puppen.

Bruno Marschner, selbst Vater von zwei kleinen Kindern, freut sich mit. Der studierte Politikwissenschaftler muss in diesen Tagen die Kinder beschäftigen. „Ab dem nächsten Jahr kommen auch Erzieher“, erklärt der Glückstädter. Eingestellt ist er vom Deutschen Roten Kreuz, um den Aufbau des Kindergartens und der Jugendbetreuung der Landesunterkunft zu organisieren – als Projektmanager.

Untergebracht sind die Kinder zurzeit mit ihren Eltern in meist engen Räumen der Containern auf dem Gelände. Nur wenige der Gebäude sind bereits bezogen. Außer draußen auf dem unfertigen Gelände gibt es keine Spielmöglichkeiten – nur in der Kita und in den Jugendräumen.

„Die Kinder müssen beschäftigt werden“, sagt Marschner. Deshalb werde die Kita um 9 Uhr aufgemacht. Da der Raum einfach eingerichtet ist, müssen die Kinder vorher im großen Zelt gefrühstückt haben. „Deshalb fangen wir später an.“

Ab 11.45 Uhr wird jeden Tag ein großer Kreis gebildet – „dann wird es pädagogisch“. Die Kleinen singen gemeinsam Kinderlieder, um die deutsche Sprache leichter zu lernen. Dabei wird auch gezählt und gelacht. Denn mal ist das Tempo schnell, mal langsam. „Sehr kommunikativ“, sagt Marschner. Gegen 12.30 Uhr ist Schluss, weil es dann Mittagessen im großen Zelt angesagt ist – für die Kinder und ihre Eltern.

Damit sich auch die größeren Kinder nicht langweilen, wurde für sie ein Raum in einem der ehemaligen Soldatenblöcke hergerichtet. Die Jugendlichen – es kommen jetzt täglich zwischen neun und 16 – können dort Tischtennis oder Spiele spielen. „Der Renner ist zurzeit ein Brettspiel, an dem Lichter angehen“, sagt Marschner.

Eines haben Kita und Jugendraum gemeinsam: Was den Kindern und Jugendlichen zur Verfügung steht, ist alles gespendet worden.

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