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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 01:09 Uhr

Motocross : Kids auf der Tiefsandpiste

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rasante Runden auf dem Grünthalring des MC Albersdorf: Tommy Lee, Annika, Hannes, Finn und Filip schnuppern Benzinduft beim Schnuppertraining auf Motocrossmaschinen.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2014 | 16:57 Uhr

Ein leuchtend gelbes Blumenmeer. Löwenzahnzeit. Ein Biene sucht in einer Blüte nach Nektar. Ein Schmetteling flattert vorbei. Plötzlich durchbricht ein Kreischen die Stille. Motoren heulen auf. Benzingeruch liegt in der Luft. Staubwolken treiben über die blühende Idylle. Ein Motorrad jagt über eine Sandpiste. Der kleine Knirps am Lenker gibt Gas, rast über steile Hügel, dirigiert durch enge Kurven. Erst wenige Stunden zuvor hat sich der Sechsjährige zum ersten Mal auf eine MX-Maschine gesetzt. Jetzt dreht Tommy Lee rasante Runden.

MX steht für Motocross und wird beim Motorclub (MC) Albersdorf im ADAC bereits seit 1969 gefahren. Regelmäßig wird auch der Nachwuchs eingeladen, um erste Erfahrungen auf den geländegängigen Motorrädern zu sammeln. MX-Schule nennt sich der Schnupperkursus, bei dem die Maschinen und die komplette Ausrüstung gestellt werden. Die im ADAC organisierten Clubs können sich den Anhänger mit dem kompletten Equipement ausleihen. Voraussetzungn für die Kids: Mindestalter sechs Jahre und Sicherheit auf dem Fahrrad.

„Das reicht. Mehr müssen die Kinder nicht können, der Rest kommt von allein – und das geht schnell“, weiß Norbert Lüllmann, der beim MC für die Jugend zuständig ist. „Super, toll gemacht“, lobt er den siebenjährigen Finn. Der hat gerade seine erste Fahrt hinter sich, jetzt steigt sein Zwillingsschwester Annika auf. Und ab geht die Post. Fast ein bisschen übermütig dreht das Mädchen am Gasgriff. Ruckzuck beschleunigt der 50-Kubikzentimeter-Motor die orange KTM-Crosssmaschine. Die hochwertigen Maschinen sind zwar gedrosselt, trotzdem hat Bjarne Lange Mühe im vollen Lauf Schritt zu halten.

Der 15-Jährige fährt seit einigen Jahren Motocross, inzwischen auf den größeren Maschinen. Wenn der Nachwuchs Benzinduft schnuppert, hilft er mit, genauso wie sein elfjähriger Bruder Marten. Sie sichern die Strecke, helfen beim Auf- und Absteigen und passen auf, dass niemand umfällt. Und wenn es doch einmal einen Sturz gibt, stehen die Kids sofort wieder auf. Verletzungen gibt es kaum. Der geringen Geschwindigkeit und der hochwertige Schutzausstattung sei Dank.

Annika bremst. Atemlos mit aufgerissenen Augen kommt sie mit der Maschine zum stehen. „Das war viel zu schnell“, kommentiert das Mädchen ihre Premiere auf der Crossmaschine. Aber der erste Schrecken weicht schnell. Schon bei der zweiten Fahrt gibt sie wieder ordentlich Gas, legt sich gekonnt in die Kurve und umkreist den aufgebauten Slalomparcours. Die Angst ist verflogen, der Spaß hat die Oberhand gewonnen. Mit einem Lachen steigt sie ab.

Hannes ist dran. Wie ein Profi beugt er sich beim Beschleunigen nach vorn, wechselt sogar automatisch in den Stand. So wie es Bjarne und Morten während der Mittagspause vorgemacht hatten. Die Großen zeigten im Tiefsand des Grünthalrings, der Bahn des MC Albersdorf, schnelle Rutschpartien durch die engen Kurven und atemberaubende Sprünge über die Hügel der 1148 Meter langen Strecke.

Beim Absteigen kommt Hannes ins Stolpern. Der Sechsjährige fällt, die Maschine mit ihm. Sofort ist Norbert zur Stelle. Nichts passiert. Und für den Notfall hat der Trainer noch ein Fernbedienung. Damit kann er das Motorrad auch aus der Ferne ausschalten. Aber ist selten nötig.

„Es ist toll wie schnell die Kleinen sich auf dem Motorrad zurecht finden“, sagt Frank Peter Trampenau, Sportleiter und Crossobmann beim MC Albersdorf. Er steht an der Seite und sieht Filip auf die Maschine steigen. Der achtjährige hat Benzin im Blut. Schon sein Vater, inzwischen Anfang 40, ist Motorcross gefahren. Jetzt überlegt er selbst, ob er noch mal wieder aufsteigt. „Keine Rennen, nur aus Spaß. Das lässt einen einfach nicht los.“

Der Einstieg ist leicht: Raufsetzen, losfahren, Spaß haben. „Das ist eigentlich immer garantiert“, sagt Trampenau. Allerdings sei der Einstieg nicht ganz günstig, gibt der Sportleiter zu. 1500 bis 2000 Euro kommen für die notwendige Ausrüstung und eine eigene Motorcrossmaschine schnell zusammen. Gebraucht, versteht sich. Bei Neuanschaffung, werden für das Mototrrad schon mal 2000 bis 3000 Euro fällig.

Für Annika, Filip, Finn, Hannes und Tommy Lee steht nach dem aufregenden Tag der Entschluss bereits fest: „Wir wollen wieder fahren. Am besten gleich nächstes Wochenende.“ Da wird wohl der Familienrat tagen müssen. Doch bei den strahlenden Gesichtern ist die erste Entscheidung schon gefallen. Alle haben Spaß, lachen und sind mit Eifer bei der Sache. Geweint wird kaum. Erst als Norbert den Schnuppertag beendet, kullert die eine oder andere Träne über die Wange. Norbert lächelt. Er weiß, alle hatten rieisgen Spaß, einige werden wiederkommen. Der Grundstein für die Nachwuchsarbeit ist gelegt. Auch die Biene kehrt zu ihrer Löwenzahnblüte zurück – genießt die Stille. Bis zum nächsten Wochenende, wenn es wieder auf die Piste geht – mit Motorenlärm, Staub und viel, viel Spaß.

 

> Infos gibt es auf der Internetseite des Motorradclubs unter www.motorclub-albersdorf.de und bei Doris Lüllmann, 04872/942493, die auch Anmeldungen für die nächste MX-Schule am 12. und 13. Juli entgegennimmt. Die Motorräder und die komplette Ausrüstung kann gestellt werden. Teilnahmegebühr: 30 Euro. Es sind nur noch wenige Plätze frei.

 

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