zur Navigation springen

Hauptzollamt Itzehoe : KFZ-Steuersündern auf der Spur

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seit drei Jahren ist der Zoll für die Abwicklung der Kraftfahrzeugsteuer zuständig - von Itzehoe aus werden über zwei Millionen Fahrzeuge verwaltet.

Acht Milliarden Euro jährlich zahlen die Deutschen an Kraftfahrzeugsteuer. 300 Millionen davon werden vom Hauptzollamt (HZA) Itzehoe eingezogen. 42 Mitarbeiter in der Kreisstadt und einer Außenstelle in Flensburg verwalten das Steueraufkommen von 2,2 Millionen Fahrzeugen aller Art in weiten Teilen Schleswig-Holsteins und im Westen Niedersachsens. „95 Prozent unserer Fälle laufen völlig unproblematisch und sehr weit automatisiert ab. Sonst wäre das auch gar nicht zu bewältigen“, sagt Franz Utler, Sachgebietsleiter Abgabenerhebung und stellvertretender Leiter des Hauptzollamtes Itzehoe (HZA). Aber die restlichen fünf Prozent erfordern Einzelfallprüfungen durch die Zollmitarbeiter.

Dabei geht es zum Beispiel um Fragen der Steuerbefreiung für Landwirte oder Schwerbehinderte, berichtet Jörg Hanke, einer der zuständigen Sachbearbeiter in der Dienststelle am Langen Peter. „In einigen Fällen existiert gar keine Landwirtschaft mehr, aber im Schuppen steht noch ein alter Trecker mit grünem Kennzeichen“, sagt Hanke. „Da ist dann keine Befreiung mehr möglich.“ Auf solche Fälle aufmerksam werden die Zöllner durch eigene Plausibilitätsprüfungen, durch Informationen anderer Behörden wie der Polizei oder auch durch Hinweise aus der Bevölkerung. „Dass Nachbarn auf so etwas hinweisen, passiert gar nicht so selten“, sagt Hanke. Und das ist dann keine Kleinigkeit: Steuerhinterziehung ist ein Straftatbestand.

Geprüft wird am Langen Peter vor allem nach Aktenlage oder im persönlichen Gespräch mit den Betroffenen – entweder in Itzehoe oder in einem von mehreren Kundenzentren im Zuständigkeitsbereich des HZA. Vor-Ort-Kontrollen gehören nicht zu den Aufgaben der Zöllner.

In einigen Fällen nehmen die Zöllner aber auch selbst ein Fahrzeug unter die Lupe, berichtet Jörg Hankes Kollegin Doris Söhren. „Bei der Frage, ob ein Fahrzeug als PKW oder LKW veranschlagt wird, ist zum Beispiel das Verhältnis zwischen Ladefläche und Personenkabine entscheidend. Und da geht es dann manchmal um wenige Zentimeter, die über ein paar hundert Euro Unterschied bei der Steuer entscheiden“, so Söhren. Sind die Fahrzeugpapiere in dieser Hinsicht nicht ganz eindeutig, wird auf dem Hof des Hauptzollamtes am Langen Peter nachgemessen.

Die meiste Arbeit bereiten den Zöllnern aber „verschwundene“ Steuerpflichtige. Bis zu 1100 „Postrückläufer“ zählt die Kraftfahrzeugsteuerstelle des HZA Itzehoe im Monat. Ob Umzug oder Fahrzeugverkauf, nicht selten werden die Behörden nicht ausreichend und zeitnah informiert und die neuen Daten müssen aufwendig ermittelt werden. Das kann für Betroffene unter Umständen teuer werden. Doris Söhren und ihre Kollegen empfehlen daher, bei Veränderungen stets die Zulassungsbehörden zeitnah in Kenntnis zu setzen und zum Beispiel keine angemeldeten Autos zu verkaufen. Der Zoll wird dann automatisch über das Kraftfahrtbundesamt informiert.

Seit drei Jahren ist der Zoll für die Abwicklung der KFZ-Steuer zuständig. Vor 2014 wurde diese Aufgabe von den Finanzämtern der Bundesländer ausgeführt. „Der Start war für uns durchaus holperig“, sagt Utler. Die neuen Abteilungen in den Hauptzollämtern wurden aus dem Nichts aufgebaut. Auch in Itzehoe sind deshalb nicht alle Mitarbeiter originäre Zöllner. „Wir haben Bundesbeamte aus anderen Bereichen übernommen“, sagt Utler. Jörg Hanke beispielsweise kommt ursprünglich von der ehemaligen Postbehörde Telekom. „Die Kollegen haben sich aber schnell in die Materie eingearbeitet“, berichtet Utler. „Wirklich Probleme bereitet haben uns die vielen verschiedenen IT-Systeme, in denen die Daten von 60 Millionen Fahrzeugen bundesweit steckten. Wir konnten ja nicht bei null starten, sondern mussten die Archivdaten übernehmen.“ Inzwischen seien diese Startschwierigkeiten aber abgeklungen. „Nur viele Bürger haben noch nicht mitbekommen, dass wir inzwischen für die KFZ-Steuer zuständig. Es gibt immer noch reichlich Anrufe und Post zu dem Thema, die bei den örtlichen Finanzämtern ankommen. Aber die Kollegen leiten das dann an uns weiter.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 09.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen