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Itzehoe : Ketchup, Exkremente, Erbrochenes: Wer beschmiert die Schaufenster in Itzehoe?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Unbekannte verunstalten immer häufiger die Schaufenster in der Innenstadt Itzehoes. Es trifft immer dieselben Läden.

Itzehoe | Es passiert unregelmäßig, aber immer häufiger. Es trifft immer dieselben. Und es ist vor allem furchtbar eklig. An mehreren Geschäften in der Innenstadt werden immer wieder die Schaufenster beschmiert.

Früher sei das vielleicht zwei Mal im Jahr passiert und schnell vergessen gewesen, sagt Bernd Linnemeier (62) vom Sportteam Augath in der Breiten Straße. „Jetzt haben wir es teilweise zwei Mal in der Woche. Es ist so saumäßig geworden.“ Eier, Ketchup, Senf oder Lippenstift sind schon schlimm genug, doch auch Exkremente oder Erbrochenes sind dabei. Für die Reinigung ist bei ihm Rolf Brückner (66) aus Oelixdorf zuständig – und der traf gerade erst früh morgens auf einen Verursacher. 20 bis 25 Jahre sei der alt gewesen, schildert Brückner, und erst getürmt, als er ihn ansprach. Dann aber sei er vom Spielplatz zurückgekommen und habe eine Handvoll Kies auf die Autoscheibe geschmissen, bevor er mit zwei weiteren Männern weg gelaufen sei. Brückner verzichtete auf die Verfolgung und machte an Linnemeiers Laden sauber: „Die Sachen konnte ich alle weg schmeißen, das stank wie Hund.“

„Man will eigentlich gar nicht wissen, womit es beschmiert ist. Es sieht so eklig aus“, sagt Doris Callsen (57) von „Allerhand von Hand“ im Oelmühlengang. Morgens gehe sie schon mit der Ungewissheit zum Laden: Was ist dieses Mal? Ein Schema lasse sich nicht erkennen, mal sei es länger ruhig, dann häufe es sich. Aber sechs bis acht Mal im Monat, so Doris Callsen, finde sie ihr Schaufenster beschmiert vor.

Das Stöberlädchen von Hans-Willi Holzlöhner am Sandberg war vor Kurzem das erste Mal betroffen: Als wenn jemand mit einem Quast über die Scheiben gestrichen hätte, so beschreibt der 62-Jährige die Bescherung an seinem Geschäft und am benachbarten Tätowier-Studio. Da hat Vera Breiholz (65) von der Sterbekasse Alt und Jung in der Großen Paaschburg schon mehr gelitten: „Das läuft seit zwei Jahren – jetzt wird es immer schlimmer.“ Es passiere offenbar in den frühen Morgenstunden, auf den Scheiben und dem Sims finde sich dann „alles, was man sich so vorstellen kann. Das verursacht Kosten, und der Ekelfaktor ist hoch“.

Immer dieselben Geschäfte – eine Erklärung gibt es dafür nicht. Alle überlegen, ob sie irgendjemandem etwas getan haben. Aber die Sterbekasse helfe doch, sagt Vera Breiholz. „Warum man uns so treffen will, ist mir ein Rätsel.“ Bernd Linnemeier vom Sportteam Augath geht inzwischen eher von einem allgemeinen, auch durch Alkohol verursachten Problem aus: „Ich nehme an, dass es viele gibt, die ihren Dreck weg machen und nicht laut drüber reden.“ Doch die Situation müsse bekannter werden – deshalb brachte das Stadtmanagement die Schmierereien in die Öffentlichkeit. „Wir bitten Anwohner, wenn sie etwas sehen, gern mal zum Telefon zu greifen und nicht die Augen zu verschließen“, sagt Erika Glamann vom Stadtmanagement.

Und dann? Anzeige? „Hat es irgendeinen Sinn?“, fragt Doris Callsen. Eine Sachbeschädigung im rechtlichen Sinne liege nicht vor, bestätigt Polizeisprecherin Merle Neufeld. Dennoch solle sich melden, wer etwas beobachte, zudem sollen Polizeistreifen die Bereiche im Auge behalten – „aber die Nacht ist lang“.

„Es kann doch nicht angehen, dass sich die Geschäftsleute selbst auf die Lauer legen müssen“, ärgert sich Vera Breiholz. Eine Kamera könne nicht installiert werden, da nicht in den öffentlichen Raum gefilmt werden dürfe – „man fühlt sich sehr machtlos“. Sie könne verstehen, warum sich Bürgerwehren bildeten. Hilflos ist auch Doris Callsen, dennoch steht sie gelassen im Wollladen: „Von irgendwelchen Idioten will ich mir den Tag nicht versauen lassen.“

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erstellt am 16.Mär.2016 | 05:00 Uhr

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