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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 20:50 Uhr

Verbrechen : Kerzen für Boje-Peter Voß

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach Aufruf in sozialem Netzwerk: Hunderte zünden ein Licht für Heider Mordopfer an.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 13:17 Uhr

Sogar in der Schweiz brannte am Sonnabend Abend eine Kerze zum stillen Gedenken an Boje-Peter Voß, den 73-jährigen Lebensmittelhändler, der vor zehn Tagen in seinem kleinen Laden in Heide erstochen worden war (wir berichteten - d. Red). Stefanie Papenfuss hatte sich in dem Nachbarland an der vom Heider CDU-Ortsverband initiierten Aktion „Eine Kerze im Fenster“ beteiligt.

Auch Karin Christiansen machte mit. Sie kam extra aus Flensburg nach Heide, um dort bei Angehörigen ihre Kerze anzuzünden. 52 Jahre hatte sie in der Dithmarscher Kreisstadt gelebt und ist in dem „Lüttenheid“ genannten Stadtviertel „mit Boje-Peter groß geworden“, wie sie im sozialen Netzwerk Facebook schrieb. Dort im Internet hatten 2200 Nutzer die Einladung der CDU angeschaut und 486 erklärt, mitmachen zu wollen.

Lisa Piotraschke war erst vor einem halben Jahr aus Heide weggezogen, meldete sich aber aus ihrer neuen Heimat ebenfalls zu der Aktion an: „Auch hier in NRW wird ein Lichtlein brennen“. Unzählige hatten ihre Kerzen sogar noch im Verlauf der von 19 bis 21 Uhr befristeten Aktion fotografiert und ins Netz gestellt, oft verbunden mit dem Wunsch, Boje-Peter Voß möge in Frieden ruhen. Eine der bekanntesten Teilnehmerinnen war sicher Pastorin Astrid Buchin.

Die Wucht, mit der dieses Tötungsdelikt die Bevölkerung getroffen hat, liegt auch darin begründet, dass Generationen von Kindern der unmittelbar angrenzenden Grundschule Lüttenheid einen Snack oder Süßigkeiten bei ihm gekauft haben. Alle Kunden, ob es die kleinen Schüler waren oder Erwachsene, haben ihn durchweg als freundlichen Menschen in Erinnerung.

Ein ehemaliger Schüler, der in diesen Monaten als Soldat zur Ausbildung in Amerika weilt, stellte im Telefonat mit seiner Familie in Dithmarschen auf die Wehrlosigkeit des stark sehbehinderten Opfers ab, der zur Tatzeit zudem allein in seinem Geschäft war.

Auch wenn die Tat inzwischen aufgeklärt ist, weil ein 19-Jähriger das Verbrechen gestanden hat und in Untersuchungshaft sitzt, bleibt „die Stadt in ihren Grundfesten erschüttert“, wie es Pastorin Inke Raabe in einer Andacht ausgedrückt hatte. Das auch deshalb, weil zuvor die schweren Brandstiftungen im Stadtgebiet für Aufregung gesorgt hatten, über die unsere Zeitung ebenfalls ausführlich berichtete. Auch die sind schon aufgeklärt, aber es bleibt das große Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung, dem die CDU-Aktion entgegenwirken möchte.

Die Partei habe ihre Forderung stets wiederholt, nicht bei der Polizei zu sparen, betonte am Wochenende Marc Trester, Ortsvorsitzender der CDU in Heide. Um die der Polizei übertragenen Aufgaben erfüllen zu können, fehlten rund 160 Polizisten, aber das Land wolle weitere 228 Stellen abbauen. Pro Kopf der Bevölkerung werde in Schleswig-Holstein am wenigsten für die Polizei ausgegeben. Dennoch steht für Trester fest: „Heide ist nicht kriminell“. Mit einer Kerze im Fenster stellten sich die Bürger symbolisch persönlich jedem Kriminellen entgegen und zeigen ihm, dass sie gegen Gewalt sind und nicht wegschauen werden, wenn sie geschieht.

„Wichtig ist mir vor allem, dass wir in uns und unseren Kindern den Respekt vor dem Leben und dem Eigentum anderer noch stärker fördern und auch wachhalten“, betont der CDU-Vorsitzende und fügt zum Schluss noch die auch von der Polizei und der Opferhilfsorganisation Weißer Ring propagierten Tipps an: Wer eine Gewalttat beobachte, sollte unverzüglich die Polizei rufen, das Geschehen weiter genau verfolgen, gegebenenfalls mit anderen ein Eingreifen organisieren, ohne sich selbst zu gefährden und vor allem sich als Zeuge zur Verfügung stellen. „Einfach Zivilcourage zeigen“. Genau darum braucht er sich keine Sorgen mehr zu machen. Bei einer Rundfahrt am Sonnabend Abend durch Heide konnte er sich von der Solidarität der Bevölkerung gegen Kriminalität in der Gesellschaft selbst ein Bild machen: In allen Stadtteilen flackerten Kerzen in den Fenstern.

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