Brokdorf : Kernkraftwerk bleibt Risikofaktor

Zahlreiche Atomkraftgegner versammelten sich in Brokdorf, um ihren Protest gegen den dortigen Atommeiler kund zu tun.
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Zahlreiche Atomkraftgegner versammelten sich in Brokdorf, um ihren Protest gegen den dortigen Atommeiler kund zu tun.

300 Demonstranten kommen zur Protest- und Kulturmeile in Brokdorf anlässlich des 32. Jahrestags der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

shz.de von
23. April 2018, 05:00 Uhr

Das Wetter meinte es gut mit den Veranstaltern und Teilnehmern der Protest- und Kulturmeile am Atomkraftwerk Brokdorf. Zu dieser hatten anlässlich des 32. Jahrestags der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl die Initiative Brokdorf akut, Attac Itzehoe sowie die BUND Kreisgruppe Steinburg aufgerufen. Rund 300 Atomkraftgegner beteiligten sich an der friedvollen Demonstration, die zum sechsten Mal in dieser Form rund um den Atommeiler stattfand. Einhellig forderten die Teilnehmer die sofortige und endgültige Stilllegung der Anlage.

Mehr als je zuvor sahen sie sich in ihrer Forderung bestätigt, denn im vergangenen Jahr wurden Korrosionen an Brennstäben entdeckt, die zum Teil über den erlaubten Grenzwerten lagen. „Sowohl die Atomaufsicht, als auch der Betreiber geben zu: Niemand kennt genau die Ursachen für die vor rund einem Jahr bekannt gewordenen Oxidationen an Brennstäben“, mahnte Kasten Hinrichsen von Brokdorf akut. Die massiven Veränderungen könnten zu einer gravierenden Beeinträchtigung der Reaktorfunktion und schlimmstenfalls zu einem Kernschmelzunfall führen. „Hamburg liegt nur 60 Kilometer von Brokdorf entfernt, eine Evakuierung der Stadt wäre im Falle eines schweren Unfalls unumgänglich, aber wohl auch unmöglich“, verwies Stephan Klose von der Bürgerinitiative Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe auf weitreichende Folgen. „Warum äußert Kraftwerksleiter Uwe Jordan gegenüber den Medien, dass er beim Abschalten der Anlage anlässlich der Revision erleichtert gewesen sei, wenn doch alles so sicher ist, wie es immer wieder betont wird“, fügte Klose hinzu.

Auch wenn sich nach der derzeit stattfindenden Revision im AKW Brokdorf die Korrosionen wieder im Normalbereich bewegen würden, wäre die Gefahr aufgrund fehlender Erkenntnisse über die Ursachen weiterhin gegeben. „Aus Angst vor einer Schadensersatzklage des Betreibers setzen die Landespolitiker uns einem nicht kalkulierbaren Risiko aus“, monierten die Umweltorganisationen und erinnerten an die Äußerung von Umweltminister Robert Habeck (Grünen) vor den Landtagswahlen im Mai 2017: „Erst wenn die Ursache gefunden ist, kann der Reaktor wieder ans Netz.“ Ein Wiederanfahren des AKW Brokdorf nach der diesjährigen Revision müsse aufgrund des fehlenden Kenntnisstandes über die Ursache somit unbedingt verhindert werden. „Es geht um unsere Zukunft und die unserer Kinder“, betonte Hinrichsen, der mit Bündnis 90/Die Grünen hart ins Gericht ging. „Diese Partei wurde erst durch die Atomenergie und die Atomgegner ins Leben gerufen. Jetzt wo sie die Möglichkeit haben, Dinge zu ändern, sind sie umgekippt und verhalten sich wie die Vertreter aller anderen Parteien“, kritisierte er. Mahnende Worte richtete der Kernkraftgegner aber auch an die Gesellschaft. „Die Atombewegung befindet sich, wie viele andere Initiativen auch, in einem Tief. Wir sind so wenige Aktivisten, dass wir gar nicht mehr ernst genommen werden“, bedauerte das Urgestein der Anti-Atomkraft-Bewegung.






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