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Fayencetradition : Keramikschule für Kellinghusen – eine Vision

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kellinghusen hat eine 250 Jahre währende Fayencetradition – aber wie geht es weiter? Jetzt ist eine Keramikschule mit örtlichem Schwerpunkt ins Gespräch gebracht worden.

250 Jahre Kellinghusener Fayencetradition – und wie geht es weiter ? Zum „wirklich großen Jubiläum“ und einer eindrucksvollen Traditionsgeschichte gratulierte Festredner Dr. Helmut Sydow mit einem Rückblick auf die Entstehung des Keramikmuseums. Noch tiefer in die Fayence-Geschichte eingeführt hatte zuvor Museumsleiter Hans-Georg Bluhm mit einem unterhaltsamen Bildervortrag „250 Jahre Fayencen aus Kellinghusen“.

Als ehemaliger Museumsreferent des Landes Schleswig-Holstein und engagierter Begleiter des kleinen Fachmuseums stellte Sydow nicht nur die Zukunftsfrage. Er hatte auch eine Antwort parat, die das Publikum aufhorchen ließ: Die Installation einer Keramikschule mit örtlichem Schwerpunkt und eigenem Profil wäre die perfekte Vollendung aller bisherigen Initiativen. Die Einrichtung des ehemaligen Kieler Keramikzentrums stehe im Besitz des Vereins Keramik Centrum Kellinghusen (KCK) für die praktische Lehre zur Verfügung, inhaltlich sei der örtliche Schwerpunkt vorhanden. „Wo, wenn nicht hier in Kellinghusen, könnte in einer zunehmend digitalisierten Welt jungen Leuten wieder das kreative Erlebnis und das haptisch-handwerkliche Element des Töpferns vermittelt werden?“, fragte der Festredner. Viele Möglichkeiten der Förderung wären zu prüfen – hilfreich könnte die Aktiv-Region mit dem neuen Förderschwerpunkt „Bildung“ sein. Als Wink nach Kiel verstanden haben dürften Zuhörer zudem die begeisterte Aussage des Festredners: „Wäre ich noch im Dienst des Landes, hätte ich dem Ministerpräsidenten aufgeschrieben: Schleswig-Holstein kann stolz sein auf die Tradition dieser Stadt.“

Im Bürgerhaus erreichten diese Worte jedoch weder den Landesvater noch einen Vertreter der Landespolitik. Am Vorabend des Töpfermarkts begrüßen konnte Bürgermeister Axel Pietsch (BFK) hingegen zahlreiche Fayence-Freunde aus Stadt und Land, darunter Kreispräsident Peter Labendowicz, KCK-Chef Andreas Dethlefsen sowie aus dem Gastland Dänemark den Leiter des Ziegeleimuseums Cathrinesminde, Torben Vestergaard, und Mitarbeiter Michael Stender.

Genießen konnten die sommerliche Festveranstaltung auch die Töpfer beim Aufbau ihrer Stände: Durch die geöffneten Türen wehten musikalische Klänge des mit „Bravo Rufen“ bedachten Violinen-Duos Kathrin und Benjamin Spillner auf den oberen Marktplatz.

Doch zurück zur Museumsentstehung ins Jahr 1980: Damals kam der frisch bestellte Museumsberater Sydow mit dem Angebot nach Kellinghusen. Gottorf wäre bereit, Leihgaben bereit zustellen, sofern ein geeignetes Museum bestünde. „Die Vergangenheit Kellinghusens, die Bekanntheit seiner Fayencen im norddeutschen und nordeuropäischen Raum bot sich nachdrücklich dafür an, hier ein Spezialmuseum zu begründen“, so Sydow. Zu seinem Erstaunen fand er in der kleinen Stadt aber kaum Hinweise auf die große Fayence-Historie, sie war in Vergessenheit geraten. „Als erster Vorreiter bei der Wiederaufnahme der fast erloschenen Geschichte tat sich ab 1960 die Manufaktur von der Trenck hervor,“ unterstrich Sydow.

Nach mehr als zwei Dutzend Gesprächen mit den Bürgermeistern Helmut Hagedorn und Franz-Josef Kuß war es 1986 dann soweit: Mit Unterstützung des Landes sowie des Landesmuseums und seines Direktors Professor Gerhard Wietek konnte das Keramik-Museum seine Arbeit aufnehmen. „Unter professioneller Leitung ist es heute national anerkannten Partner unter Seinesgleichen“, betonte Sydow. Mit dem 1987 ins Leben gerufenen Töpfermarkt – angestoßen von der Kellinghusenerinnen Ingrid Cordsen, Annelies Liebscher-Stabenow und Inge Hofer, unterstützt von Wieteks Nachfolger Professor Heinz Spielmann – sei es außerdem gelungen, Fayence-Sammler und Keramik-Kenner zurückzuerobern. 2006 habe die Keramik-Tradition dann einen weiteren Schub erhalten: „Mit der Auflösung des Kieler Keramik-Zentrums kam der Verein KCK ins Spiel.“ Ihm sei es gelungen, die hochwertige Kieler Atelier-Ausstattung weitgehend zu übernehmen.

Zwar habe der Plan, ein Keramik-Centrum zu errichten, nicht verwirklicht werden können. Mit der Kellinghusener Geduld und der Beharrlichkeit des KCK-Vereins lasse sich aber sicher eine geeignete Liegenschaft für die Kieler Ateliers finden. Eine Zwischenlösung sei bereits realisiert und werde vielseitig genutzt.

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