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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 00:19 Uhr

Töpfermarkt : Keramikerin auf der Walz

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Stippvisite beim Kellinghusener Töpfermarkt im Rahmen des Fayence-Jubiläums / Tradition begann 1764

Sie nennt sich „Jenny die Fremde und Freie Keramikerin“ – und folgt einer mittelalterlichen Handwerks-Tradition: Die 22-jährige Gesellin ist kreuz und quer durch Deutschland als Wander-Keramikerin unterwegs. Drei Jahre und ein Tag – so verlangt es der Brauch – müssen die Gesellen fern die Heimat unterwegs sein. Vor einen dreiviertel Jahr sagte die an der Landshuter Keramikschule ausgebildete Kunsthandwerkerin ihrer bayerischen Heimat ade, um sich auf das Walz-Abenteuer einzulassen.

Auf Einladung von Andreas Dethlefsen, Vorsitzender des Vereins Keramik Centrum Kellinghusen (KCK), wirkte die junge Frau in typischer Wandergesellen-Kluft nun auf dem Töpfermarkt bei der Aktion „Rund um den Ton“ mit. Im Rahmen der Jubiläums-Festveranstaltung am Abend zuvor hatte sie außerdem erfahren, dass ein Kollege vor 250 Jahren den Grundstein zur großen Fayencetradition der Stadt gelegt hatte. In seinem Bildervortag „250 Jahre Fayencen in Kellinghusen“ widmete Museumsleiter Hans-Georg Bluhm dem Gründer der ersten Fayence-Manufaktur ein besonders Kapitel: „Auch Sebastian Heinrich Kirch war von einer Manufaktur zur anderen gewandert, bevor er 1763 vor Ort sesshaft wurde“, erklärte Bluhm. Die rund 900 Fleckensbewohner lebten damals überwiegend vom Holzhandel. Kirch sah jedoch die natürlichen Voraussetzungen für eine keramische Produktion. „Tonvorkommen in hervorragender Qualität, Brennmaterial in den umliegenden Wäldern und den Fluss für den Warentransport“, so Bluhm. Ein Jahr nach der Ankunft gründete Kirch die erste Kellinghusener Manufaktur. Überzeugt vom Erfolg des begabten Fayence-Maler waren auch drei Bürger. Aufgrund ihrer finanziellen Unterstützung konnte noch im selben Jahr mit der Produktion begonnen werden. Das notwendige Privileg erteilte die dänische Regierung ein Jahr später.

„Auch die Gebrüder Christian und Georg Geppel kamen 1773 als Wanderkeramiker nach Kellinghusen, um bei Kirch mitzuarbeiten“, berichtete Bluhm. Insgesamt existierten zwischen 1774 und 1860 sechs Fayence-Betriebe in der Stadt, der größte beschäftige 25 Mitarbeiter. Dem allgemeinen Niedergang der Produktion widersetzte Kellinghusen sich durch die rechtzeitige Umstellung auf preisgünstige aber hochwertige Massenware. „Bis 1860 konnten die Kellinghusener dem Konkurrenzdruck des industriell hergestellten englischen Steingutes standhalten“, erklärte Bluhm.

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