Landgericht Itzehoe : Kellinghusener Messer-Mord: Zeuge schildert Bluttat

Bei einer Messerattacke im November 2013 in Kellinghusen (Kreis Steinburg) stirbt ein Mann, ein weiterer wird schwer verletzt. Beim Prozessbeginn am Montag schweigt der Angeklagte. Der Bruder des Opfers erinnert sich an die Tatnacht.

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23. Juni 2014, 07:55 Uhr

Itzehoe/Kellinghusen | Die Hintergründe eines Messermordes in Kellinghusen (Kreis Steinburg) bleiben vorerst weiter im Dunkeln: Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Itzehoe am Montag schwieg der Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 22-jährigen Lübecker Mord und Mordversuch vor. Er soll am 24. November 2013 zwei Brüder in Kellinghusen auf die Straße gelockt und heimtückisch mit einem Messer angegriffen haben. Ein 26-Jähriger starb im Krankenhaus an den Folgen seiner Verletzungen, sein 24-jähriger Bruder überlebte den Angriff schwer verletzt.

Der Täter und seine beiden Opfer kannten sich aus Kindertagen, hatten sich aber aus den Augen verloren. Erst nach Jahren hätten sie sich als Zellennachbarn im Gefängnis in Neumünster zufällig wiedergetroffen, erklärte der Überlebende als Zeuge vor Gericht. Später habe der Angeklagte versucht, seinen Bruder zu neuen Straftaten anzustiften. „Mein Bruder erzählte mir, dass er das abgelehnt hat.“ Ob es auch am Tattag darum ging, wisse er nicht.

Der Angeklagte habe seinen Bruder kurz nach Mitternacht treffen wollen. „Alles wirkte ganz normal.“ Der 22-Jährige habe ihm zur Begrüßung eine Bierflasche gereicht. „Ich nahm einen Schluck und gab sie an meinen Bruder weiter“, sagte der Zeuge. Als sein Bruder den Kopf in den Nacken legte, um auch zu trinken, habe er hektische Bewegungen wahrgenommen. „Dann ging alles ziemlich schnell.“ Der Angeklagte habe seinen Bruder angegriffen. „Der schnappte nach Luft und spuckte Blut.“ Unmittelbar danach habe er die Faust des Angreifers auf sich zukommen gesehen und reflexartig den Kopf beiseite gedreht. „Es fühlte sich an wie ein Faustschlag.“ Erst später habe er bemerkt, dass er blutete. Ärzte sagten ihm später, dass er nur durch Glück die Attacke überlebt habe. Die Messerklinge habe seine Halsschlagader nur knapp verfehlt.

Bis heute hat der 24-Jährige den heimtückischen Angriff nicht verarbeitet und trauert um seinen älteren Bruder. „Eigentlich muss man jeden Tag daran denken“, sagte er. Der Angeklagte blieb während der Aussagen seines überlebenden Opfers äußerlich ungerührt. In seinem versteinert wirkenden Gesicht fand sich keine Spur von Mitgefühl oder Bedauern. Der Prozess wird fortgesetzt.

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