Vorstellungsrunde : Kellinghusener Kandidaten-Karussell

ModeratorUlrich Lotzky-Knebusch (4.v.li.) mit den Bürgermeisterkandidaten (v.li.) Wiebke Tischler, Peter König, Rüdiger Jens, Axel Pietsch und Ulrike Weinrich.
ModeratorUlrich Lotzky-Knebusch (4.v.li.) mit den Bürgermeisterkandidaten (v.li.) Wiebke Tischler, Peter König, Rüdiger Jens, Axel Pietsch und Ulrike Weinrich.

Kellinghusener Bürgermeister-Kandidaten stellen sich der Öffentlichkeit vor. 300 Besucher bei Vorstellungsrunde in der Wiesengrundhalle.

shz.de von
21. Mai 2015, 12:00 Uhr

Noch zehn Tage, dann haben die Kellinghusener die Wahl – und die fällt dem einen oder anderen angesichts von gleich fünf Kandidaten möglicherweise nicht leicht. Eine Entscheidungshilfe und ein erster Härtetest für die Bewerber war die Vorstellungsrunde am Dienstagabend in der Wiesengrundhalle. Und fast 300 Bürger nutzten die Gelegenheit, um Rüdiger Jens (58), Peter König (57), Axel Pietsch (46), Wiebke Tischler (43) und Ulrike Weinrich (58) auf den Zahn zu fühlen.

Als Moderator führte Ulrich Lotzky-Knebusch durch den Abend und zeigte sich als Kellinghusener mit der Materie und den Problemen der Stadt bestens vertraut. Der Journalist eröffnete nach einer Vorstellungsrunde die Diskussion und wechselte vom vertrauten Plauderton auch in den moderaten Kreuzverhörmodus, beispielsweise, als er König fragte, was er der CDU denn alles versprochen habe, damit diese ihn unterstützt. Der 57-Jährige betonte, dass ihn auch die SPD für „einen wählbaren Kandidaten“ halte, er weiter parteilos sei und auch keine finanziellen Mittel der Christdemokraten erhalte. Einzig Axel Pietsch wird mit „Manpower“ und Geld für den Wahlkampf von „seiner“ Wählervereinigung Bürger für Kellinghusen (BfK) unterstützt.

Der amtierende, ehrenamtliche Bürgermeister konnte während des Abends mehrfach punkten, oft, weil er durch seine Funktion mit der Materie vertraut ist. Fragen zur Haushaltskonsolidierung, die „auf einem guten Weg“ sei, die Stadt leiste sich auch jetzt bereits einiges, meisterte er ebenso wie die Frage nach möglichen Baugebieten: „Wir sind dabei Wohlerskoppel zu erschließen und können jetzt auch mit der Laurinatskoppel anfangen“. Eine befriedigende Antwort zu dem bereits seit langem eingerüsteten Gebäude in der Hauptstraße konnte er aber ebenso wenig geben wie seine Mitbewerber.

Beim Thema Bahnanschluss für Kellinghusen und der möglichen Anbindung an das HVV-Verkehrsnetz waren sich alle einig. Aber Wiebke Tischler betonte: „Was ich für noch wichtiger halte, ist die Mobilität der Menschen. Die Bahn ist sicherlich Plan A, aber wir brauchen auch einen Plan B.“ Und da müsse auch das Umland eingebunden werden.

Einen Schwerpunkt für die Gestaltung der Zukunft sieht König in der Ansiedelung von Gewerbe, mittelständischen Unternehmen beispielsweise Zulieferer für Elektronik oder Maschinenbau. „Das ist für mich der Schlüssel“, sagte er und bemängelte an der aktuellen Situation, „dass wir keine langfristigen Konzepte haben, die wir kontinuierlich auffüllen können“. Wenn keine Baugebiete ausgewiesen würden, wer solle dann herkommen?

Ulrike Weinrich hält den Bahnanschluss für Kellinghusen für wichtig, aber nicht für das „Allheilmittel“. Sie möchte alle Menschen einbeziehen und bei der Gestaltung der Zukunft mitnehmen. Den Vorwurf mangelnder Fachkompetenz als mögliche Verwaltungschefin konterte sie mit einem eigenen Arbeitsansatz: „Ich sehe, wo die Menschen Unterstützung brauchen, wo sie dabei sind, sich festzufahren. Dort setze ich an und beseitige die Reibungsverluste, damit wir gemeinsam den Weg gehen können.“

Rüdiger Jens stellte einmal mehr unter Beweis, dass er getreu seines Wahlkampfmottos der „etwas andere Bürgermeister“ sein will. Zahlreiche Wahlversprechen wie die Senkung von kommunalen Steuern, mehr Angebote für Jugendliche, mehr Ärzte und ein Seniorenbus will er über steigende Gewerbesteuereinnahmen finanzieren. Der Bahnanschluss dürfe nichts kosten und nicht in Hamburg-Altona enden. „Der muss bis Dammtor oder besser noch Hauptbahnhof führen und funktioniert nur, wenn der HVV dabei ist“. Zum Neubau des Verwaltungskomplexes meinte Jens schlicht: „Ich weiß gar nicht, was der Klops da soll, die Verwaltung funktioniert doch gut da, wo sie ist.“

Wichtig ist für alle, dass Kellinghusen sich als offene Stadt präsentiert und gerade gegenüber Flüchtlingen eine deutliche Willkommenskultur pflegt. Auch die Stör, so die Kandidaten, sollte besser in die Stadt und ein Freizeitkonzept eingebunden werden.

Ulrich Lotzky-Knebusch blieb am Ende der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung nur darauf hinzuweisen, dass viele Weichen nicht der künftige hauptamtliche Bürgermeister stelle, sondern weiterhin die Stadtpolitiker. „Der Bürgermeister ist Verwaltungschef und bereitet Beschlüsse vor, entscheiden wird die Politik“, sagte der Journalist, der alle Bürger aufrief, zur Wahl zu gehen.

Eine weitere Möglichkeit, die Kandidaten kennen zu lernen, haben die Bürger bei einer zweiten Vorstellungsrunde am Mittwoch, 27. Mai, Beginn ist dann um 19.30 Uhr ebenfalls in der Wiesengrundhalle.

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