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Norddeutsche Rundschau

25. November 2017 | 01:01 Uhr

Konzept : Kellinghusen plant die Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Kellinghusener Bürgerhaus wurde das Ortsentwicklungskonzept vorgestellt.

von
erstellt am 14.Okt.2017 | 17:50 Uhr

Leerstände, zu viele Parkplätze in der Innenstadt, eine touristisch kaum genutzte Stör, dazu städtische Gebäude, die saniert oder umgenutzt werden müssen: Im Kellinghusener Zentrum gibt es zahlreiche Baustellen. Welche Möglichkeiten es gibt, diese zu beseitigen und die Gebäude zu nutzen, zeigt ein Ortsentwicklungskonzept auf, das jetzt der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Zurückgegriffen haben die Planer bei ihrer Arbeit unter anderem auf Workshops, die seit 2012 mit Bürgern und Fachleuten zum Thema Innenstadt-Entwicklung stattfanden.

„Die Stadt sollte keinerlei Entwicklungen zulassen, die zu Lasten der Innenstadt geht“, diese sei ein Kleinod, lautete dabei ein Kernsatz von Stefan Escosura vom AC-Planerbüro aus Itzehoe, dass den städtebaulichen Teil des Konzeptes verfasst hat. Große Hoffnung, um die Innenstadt wieder zu beleben, setzt der Planer auf den neuen Bahnhaltepunkt. Mit dem Bahnhof könne zum einen ein neuer Ortseingang geschaffen, zum anderen eine Verbindung zur nahegelegenen Stör geschaffen werden. Mit dem Verwaltungsneubau, dem Bürgerhaus, den beiden Marktplätzen sowie den als Parkplätze genutzten Freiflächen nördlich der Straße An der Stör bestehe ein großes Potenzial, das alte Zentrum neu zu beleben und umzugestalten sowie anderseits die Lage der Stadt am Wasser zu nutzen und einen klaren Bezug zur Stör herzustellen, heißt es im Konzept. Klar war dem Planer, dass Nutzungen an der Stör bisher am Hochwasser scheiterten. Hier sind jetzt konkrete Schutz-Maßnahmen in Planung, die jedoch auch städtebaulich ansprechend gestaltet werden könnten, so Escosura.

Besondere Bedeutung für Stadtbild und Ortsentwicklung haben für den Planer das Rathaus und das Bürgerhaus. Nachdem die Amtsverwaltung das historische Rathaus verlassen hat, sollte dort „zwingend“ eine öffentliche Nutzung vorgesehen werden, ebenso im Bürgerhaus. Wie diese beiden Gebäude sowie das Mehrgenerationenhaus und das Bauamt neben dem Rathaus künftig genutzt werden könnten, damit hat sich im Rahmen des Konzept das Büro H-Architekten aus Kiel befasst. Maik Loss und Thomas Hahn haben jeweils zwei Alternativmodelle aufgezeigt – mit Pro und Contra sowie Kostenschätzung. Auch diese Experten griffen teilweise auf die Ergebnisse von Workshops zurück, bei denen Bürger ihre Ideen eingebracht hatten. Das Rathaus stellen sich die Architekten einmal als Stadthaus vor, mit Info und Stadtmarketing, Bürgerservice, Trauzimmer, Gemeinschaftsbüros für Ehrenämtler und Vereine sowie Archiv und Lagerbereiche. Umbau und Sanierungskosten: 1,2 Millionen. Darin enthalten seien auch Renovierungskosten, die sowieso in den kommenden drei bis fünf Jahren anfallen würden, so Thomas Hahn. Eine Nutzung als Stadtmuseum ist für die Planer eine zweite Alternative, hier liegen die Investitionen bei 1,4 Millionen Euro. „Die Kosten sind höher, da auch die Anforderungen an ein solches Gebäude höher sind“, betonte Loss. Ein Schwachpunkt in fast allen untersuchten Gebäuden sind die mangelnde Barrierefreiheit und der unzureichende Brandschutz, in diese Bereiche fließen große Teile der Gelder.

Das ehemalige Bauamt neben dem Rathaus könnte ein Haus der Kulturen (Kosten 1,37 Millionen Euro) oder ein Haus der Initiativen (1,3 Millionen Euro) werden. „Die Bausubstanz des Gebäudes ist in die Jahre gekommen“, begründete Loss den hohen finanziellen Aufwand.

Das Bürgerhaus sollte nach Ansicht der Architekten das Museum behalten, müsste aber modernisiert werden. Es enthielte Café, Bürger- und Veranstaltungssaal bleiben, und es wird Stadtentree in Verbindung zum (zukünftigen) Bahnhof. Die geschätzten Modernisierungskosten liegen bei 1,4 Millionen Euro. Die Stadtbücherei müsste bei dieser Alternative ausgelagert werden, passende Räume würde der ehemalige Rossmann-Markt gegenüber bieten, erklärte Loss. Seine zweite Alternative war der Auszug des Museum und die Nutzung als Stadtbücherei für 1,2 Millionen Euro. Bürgersaal und Stadtentree sind hier auch enthalten.

Schließlich haben sich die Architekten das Mehrgenerationenhaus angesehen, das von Jugendlichen, Senioren, Familien und der VHS-Puppenbühne in Anspruch genommen wird. Hier sehen die Planer großen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf (eine Million Euro), eine alternative Verwendung stellten sie nicht vor. „Die bisherige Nutzung ist optimal“, betonte Maik Loss. Einzig ein Abriss und die Verwendung als Bauland sei eine weitere Möglichkeit.

„Die Summen sind nicht aus der Portokasse zu bezahlen“, sagte Bürgermeister Axel Pietsch vor den über 60 Besuchern im Bürgerhaus. Er hofft, dass die Stadt ins Städtebauförderprogramm kommt und somit erhebliche Zuschüsse für Bauaktivitäten erhält. Als Zeitschiene für eine mögliche Realisierung nannte er 20 Jahre. Als nächstes werden sich jetzt die Ausschüsse mit den einzelnen Themen beschäftigen und Empfehlungen erarbeiten. „Wenn es konkret wird, werden wir die Öffentlichkeit informieren“, versprach Pietsch.

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