Millionen-Investition : Kellinghusen: Ein Gewächshaus für Klärschlamm

Ein erster Entwurf zeigt die Trocknungsanlage, die auf dem Klärwerksgelände gebaut werden soll.
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Ein erster Entwurf zeigt die Trocknungsanlage, die auf dem Klärwerksgelände gebaut werden soll.

Die Stadt Kellinghusen will eine Trocknungsanlage für fast zwei Millionen Euro bauen.

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28. Januar 2018, 08:00 Uhr

Mehr als vier Millionen Euro muss die Stadt in das Klärwerk investieren, jetzt kommen noch einmal fast zwei Millionen Euro hinzu. Neben Modernisierung und Erweiterung kommt steht noch der Bau einer Klärschlammtrocknungsanlage an. Einen entsprechenden Entwurf stellte Rolf Prins von der EHP-Umweltplanung aus Pinneberg im Ausschuss für Werke und Betriebe vor.

Diese Ausgabe trifft die Stadt unerwartet. Ausschlaggebend ist die neue Düngemittel- und Klärschlammverordnung, die das Aufbringen von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen – wie bisher für Kellinghusen geschehen – für Bauern fast unmöglich macht. „Niemand weiß, wohin mit dem Schlamm, das ist ein Problem für ganz Norddeutschland“, sagte Prins. Die Folge: Die Preise sind explodiert, da nur noch eine Verbrennung möglich ist. Und in ganz Norddeutschland gibt es kaum Verbrennungsanlagen. Statt 32 Euro pro Tonnen wie noch vor einem Jahr müssen deshalb zurzeit 176 Euro bezahlt werden. Bei 1700 Tonnen Klärschlamm sind das in diesem Jahr 300 000 Euro.

Mittels Trocknungsanlage sollen die Kosten in Kellinghusen gesenkt werden. Bei einer 85-prozentigen Trocknung des Klärschlamms verringert sich das Volumen auf 330 Tonnen, die Abfuhrkosten gehen um 241 000 Euro auf 58 000 Euro zurück. Allerdings muss dafür erst kräftig investiert werden. Gut 1,8 Millionen Euro kostet laut Prins eine Anlage, die den Klärschlamm austrocknet. Diese wird mit Solar-Energie betrieben, die nötige Wärme kommt aus dem bereits vorhandenen Blockheizkraftwerk.

Die Trocknungsanlage besteht aus „zwei Gewächshäusern“, dahinter steht ein Silo, aus dem der getrocknete Schlamm dann per Lastwagen abgefahren wird. Und an den vorderen Bereich der Gewächshäuser wird die Schlamm-Entwässerungsanlage gebaut, die noch einmal mit 670 000 Euro zu Buche schlägt. Diese Investition hätte die Stadt aber sowieso tätigen müssen, betonte Prins. „Damit ist die Stadt für die Zukunft aufgestellt“, beurteilte er das gesamte Vorhaben.

„Von 2017 bis 2019 wird die Stadt insgesamt 6,2 Millionen Euro in das Klärwerk investieren“, betonte Reinhard Rübner (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Werke und Betriebe. Verantwortlich für die hohe Summe ist neben der Klärschlammproblematik auch die Erweiterung der Großschlachterei Tönnies. Da die Firma deutlich mehr Schweine schlachten will (6000 statt 2000 pro Tag) und mehr Abwasser einleiten wird, musste die Stadt die Kapazität der Anlage ausweiten. Hinzu kam, so Rübner, dass einige Anlagenteile ohnehin hätten saniert und erneuert werden sollen. Diese Arbeiten haben bereits 2017 begonnen.

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