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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 14:17 Uhr

Verkaufsverbot : Keine Tannenbäume am Sonntag

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Traditioneller Weihnachtsbaumverkauf auf dem Marktplatz darf an Sonntagen nicht stattfinden / Händler sind empört über fehlende Verkaufstage

von
erstellt am 12.Nov.2014 | 17:00 Uhr

Doreen Sellnow dachte, sie hätte sich verlesen, als ihr das Schreiben der Glückstädter Stadtverwaltung ins Haus flatterte: In diesem Jahr, stand da geschrieben, könne der Weihnachtsbaumverkauf auf dem Marktplatz, den Sellnow und ihr Mann bereits im Januar beantragt hatten, nur an Werktagen stattfinden. So schreibe es ein Erlass des Wirtschaftsministeriums in Kiel vor. Ausgenommen sei lediglich der 14. Dezember. An diesem Sonntag finde in der Innenstadt ein Weihnachtsmarkt statt und in dessen Rahmen sei dann auch der Tannenbaumverkauf zulässig.

„Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen“, sagt die Kollmaranerin, die im Ortsteil Schleuer eine Gärtnerei betreibt. Seit 1998 verkauft Sellnows Mann vor Weihnachten Tannenbäume auf dem Glückstädter Marktplatz. Zuvor hatte schon sein Vater Walter viele Jahre dort gestanden und den Glückstädtern den traditionellen Schmuck für die weihnachtliche Stube angeboten. Mehrere hundert Bäume wechseln am Stand der Sellnows jedes Jahr den Besitzer. „Und immer wurde auch sonntags verkauft. Da gab es nie Probleme“, ärgert sich Sellnow. Sie stört vor allem, dass in diesem Jahr am 21. Dezember nicht verkauft werden darf. „Das ist aus meiner Sicht unser Haupttag. Viele Kunden müssen an den Werktagen vor Weihnachten arbeiten und haben daher gerade an diesem Sonntag Zeit, sich um den Tannenbaum zu kümmern.“

Für „Humbug“ hält man die Verkaufsregelung auch bei der Gärtnerei Behrens in der Blomeschen Wildnis, die ebenfalls Tannenbäume auf dem Marktplatz in Glückstadt verkauft. „Wir wollten uns schon einen anderen Platz für das Tannenbaum-Geschäft suchen“, sagt Gisela Behrens. „Aber wir haben da unsere Kunden. Das möchten wir ihnen nicht zumuten. Viele kaufen ja schon seit Jahren ihren Tannenbaum bei uns.“

Das Schizophrene an der Situation aus Sicht der Baumverkäufer: In ihren eigenen Gärtnereien in Kollmar und der Blomeschen Wildnis dürfen sie sehr wohl auch am Sonntag verkaufen – inklusive dem 21. Dezember. Nur in der Innenstadt ist das Geschäft nicht erlaubt. „Benachteiligt werden also eindeutig die Kunden, die kein Auto haben“, meint Sellnow.

Bei der Stadtverwaltung bestätigt man gegenüber unserer Zeitung die Regelung und betont , dass die Stadt in diesem Fall keinen Spielraum habe und an die Weisung aus Kiel gebunden sei. Das Wirtschaftsministerium bestätigt, dass es in diesem Fall eine eindeutige gesetzliche Lage gibt. Pressesprecher Harald Haase: „Die Öffnungsmöglichkeiten für Verkaufsstellen – auch für Tannenbäume - regeln sich nach dem Ladenöffnungszeitengesetz.“ Dies schreibe vor, dass an Sonn- und Feiertagen Verkaufsstellen geschlossen sein müssen. In diesem Jahr habe sich das Ministerium veranlasst gesehen „über einen Erlass die geltende Rechtslage klarzustellen und auf eine einheitliche Vorgehensweise hinzuwirken“, so Haase weiter. Hintergrund ist, dass durch eine Anfrage einer Kommune aufgefallen ist, dass offenbar in verschiedenen Städten im Land seit Jahren abweichend vom Gesetz der Verkauf von Tannenbäumen genehmigt worden war. Ein Verkauf im Rahmen der „Urproduktion“ in Baumschulen oder Forsten ist laut Haase davon nicht betroffen. Dort dürfen auch sonntags Bäume verkauft werden.

Eine Unterscheidung, die Doreen Sellnow nicht einleuchtet: „Was hat der Tannenbaumverkauf auf dem Markt mit dem Ladenschluss-Gesetz zu tun?“, fragt sie sich und hofft, dass der fehlende Verkaufstag keine allzu großen wirtschaftlichen Einbußen bringt. „Die Bäume sind längst bestellt. Ich hoffe, sie finden trotzdem alle einen Abnehmer.“

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