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Protestaktion : Keine Postfächer mehr in Wilster

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mit dem Umzug der Filiale verschwinden auch die Schließkästen. Kunden starten jetzt eine Protestaktion.

Mit dem Umzug der Post aus der Rathausstraße an den Steindamm verschwinden auch die Schließfächer. Bislang konnten Kunden auf Wunsch ihre Zusendungen dort ablegen lassen, um sie bei Bedarf abholen zu können. Aus „betrieblichen Gründen“, so wurde den Nutzern jetzt vom Kundenservice der Deutschen Post aus Bonn mitgeteilt, würden die Postfächer zum 27. April gekündigt. Von der Post hieß es dazu, dass es in der neuen Filiale im Wilster Einkaufszentrum (WEZ) nicht genug Platz für die Postfächer gebe. Außerdem seien es zuletzt auch nur noch „recht wenige Nutzer“ gewesen.

Einer dieser Nutzer ist Matthias Häußler. Der Inhaber des Holzhandels Langfeldt will die Kündigung nicht einfach so hinnehmen und ruft nun eine „Initiative zur Erhaltung der Postfachschließanlage Wilster“ ins Leben. „Es ist schon ein Skandal, was die Post so plötzlich mit denjenigen macht, die 50 Jahre und länger ein Postfach nutzen“, empört er sich. Er ruft ebenfalls Betroffene zu einem Treffen morgen Abend um 19.30 Uhr in der Gaststätte „Oh La La“ auf. Ziel sei es, mit möglichst allen Postfachinhabern ein gemeinsames Schreiben aufzusetzen. „Notfalls werden wir auch einen Fachanwalt einschalten“, will Häußler alle Möglichkeiten ausschöpfen.

Dass am Standort der neuen Postagentur angeblich kein Platz vorhanden sei, will Häußler nicht gelten lassen. Nach seinen Informationen habe sich die Inhaberin der neuen Agentur frühzeitig gleich dreimal in dieser Sache an die Post gewandt – aber nie eine Antwort erhalten. Notfalls, so bietet Häußler an, würde seine Firma Platz für die Schließfachanlage anbieten. Alternativ könnte sie auch am „Postverteilzentrum“ am ehemaligen Güterbahnhof oder vielleicht im Eingangsbereich des neuen Edeka-Marktes aufgestellt werden. Unabhängig davon vermutet Häußler, dass bei der Post die eine Hand nicht weiß, was die andere tut. So habe er als privater Postfachinhaber die Mitteilung bekommen, dass die alten Postfachschränke nicht weiter genutzt würden und er die Schlüssel „direkt entsorgen“ könne. An seine Firmenanschrift hingegen ging der Hinweis, dass er den Postfachschlüssel bitte am letzten Abholtag abgeben möge.

Mitgeteilt wurde den Postfachinhabern hingegen einhellig, dass alle Sendungen mit Postfach-Anschrift für die ersten drei Monate kostenlos an die Hausanschriften weitergeleitet würden. Ein Postsprecher betont, dass sich am übrigen Service nichts ändere, nur dass die Sendungen eben künftig direkt zugestellt würden.

Nicht nur Matthias Häußler kann sich mit der Umstellung gar nicht anfreunden. „Grob überschlagen kostet mich das 2000 Euro“, hat Hauke Thiel ausgerechnet, der als Eventmanager hunderte von Adress-Änderungen verschicken muss. „Bei mir sind es 260 Euro“, sagt Günter Knötgen. In der Firma seiner Frau müsse jetzt die Frankiermaschine umgestellt werden. Wenig begeistert ist auch Bernhard Herbst: „Mir wurde immer die Post geklaut. Seit ich das Postfach habe, kann ich in Ruhe in Urlaub fahren.“

Rund 100 Postfächer gibt es in Wilster. Mehr als die Hälfte davon ist gegen eine Einmalzahlung von 15 Euro vermietet. „Für mich kommt es darauf an, dass die Sendungen auch sicher sind“, sagt Briefmarkenhändler Horst Langer. Für sie alle sind die nächsten Postfächer weit weg. Sie müssten künftig nach Itzehoe, Kremperheide oder Burg fahren. Initiator Häußler hofft deshalb auf möglichst viele Teilnehmer und Unterschriften am Freitag, damit die Post doch noch zu einer Lösung des Problems bewegt werden kann.

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erstellt am 07.Apr.2016 | 12:01 Uhr

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