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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 21:52 Uhr

Keine Gefahr für die Kernkraftwerke

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2013 | 05:00 Uhr

Während es sich die meisten Menschen beim Orkan „Xaver“ in ihren eigenen vier Wänden gemütlich machten, gab es einige Wagemutige, die sich in den Sturm wagten. Gewappnet mit sturmfester Kleidung und einer guten Taschenlampe machten sie sich auf den Weg zur Küste. „Deichläufer“ werden die Männer genannt, die auch noch nach der Sturmflut mitten in der Nacht die Deiche kontrollieren. 300 Deichläufer, Mitarbeiter des Landesbetrieb Küstenschutz und Nationalpark (LKN) und des Katastrophenschutzes der Kreise, waren am Donnerstag und Freitag allein an den Küsten von Dithmarschen und Nordfriesland unterwegs. Aufgeteilt in Abstände von 250 Metern machten sie sich auf die Suche nach Schwachstellen. Gefunden haben sie nur Kleinigkeiten. Wie in Büsum, wo ein Teil des Deckwerks beschädigt wurde.

Die Mitarbeiter des Landesbetrieb Küstenschutz und Nationalpark (LKN) mit Sitz in Husum machten sich gleich gestern an die Ausbesserungsarbeiten und füllten die Lücken mit Steine auf. Und rechtzeitig vor dem großen Sturm wurde die Durchfahrt für Baufahrzeuge im Deich in Büsum mit riesigen Sandsäcken gestopft. Eine Ausnahme. Normalerweise wird ein Deich Ende Oktober aufgrund der Herbststürme geschlossen. Der Deich im Nordseeheilbad wird aber noch gebaut.

„Die Deiche haben den Orkan gut überstanden“, so das Fazit von Dr. Hendrik Brunckhorst vom LKN. „Wir sind uns sicher, dass die Deiche auch möglichen weiteren Sturmfluten in diesen Winter standhalten“, ergänzte LKN-Direktor Johannes Oelerich (Foto). Auch die Sicherheit der Kernkraftwerke Brokdorf und Brunsbüttel sei trotz der hohen Wasserstände zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt gewesen. Der gerade frisch eingeweihte Deich in der Kanalstadt hat nach Aussage von Brunckhorst seine erste Bewährungsprobe bestens überstanden. Etwa 69 Millionen Euro investierte das Land in diesem Jahr in den Küstenschutz. Für 2014 ist eine ähnliche Größenordnung eingeplant.

Trotz Sturm und peitschenden Wellen war der Orkan noch längst nicht das Schlimmste, was die Westküste erlebt hat: Brunkhorst: „Es war die sechstschwerste Sturmflut seit 1962.“ In Büsum stieg das Wasser auf 2,96 Meter über dem Normalen Tidehochwasser. In Husum ging es sogar bis auf 3,27 Meter. Nach der Klassifikation des Generalplans Küstenschutz handelt es sich dabei um eine schwere Sturmflut. Erst ab 3,50 Meter über dem Mittleren Tidehochwasser wird von einer sehr schweren Sturmflut gesprochen.
Ob dies die ersten Anzeichen des prognostizierten Klimawandels sind, mochte Brunkhorst aber nicht bestätigen. Fakt ist zwar, dass zwei Orkane in so kurzer Zeit hintereinander selten und drei Sturmfluten ungewöhnlich sind. Aber die Wetteraufzeichnungen reichen lediglich 50 Jahre zurück. Eine zuverlässige Aussage lässt sich nach Ansicht von Brunkhorst daraus nicht ableiten. Die Kraft der Naturgewalten hat am Donnerstag auch Landrat Dr. Jörn Klimant hautnah zu spüren bekommen. Gemeinsam mit Küstenschutzminister Robert Habeck verschaffte sich der Landrat einen Eindruck vor Ort. „Es war unglaublich eindrucksvoll“, so Klimant. Froh ist er vor allem darüber, dass die Deichsicherheit nicht gefährdet war. Die Vorbereitungen seien gut gelaufen – „wir waren zu jedem Zeitpunkt auf dem aktuellen Stand“, so Klimant.

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