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abschied : Keine Chance für Gemeinschaftsschule

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schüler fehlen: Unterricht an Gemeinschaftsschule Lübscher Kamp in Itzehoe soll kontrolliert auslaufen bis 2018.

von
erstellt am 17.Mai.2014 | 07:00 Uhr

Es war eine Entscheidung, für die keiner gerne die Hand hob – doch die Mehrheit der Ratsversammlung sah keine Alternative: Der Unterricht an der Gemeinschaftsschule Lübscher Kamp soll bis 2018 kontrolliert auslaufen. Damit folgten die Politiker einem Weg, den Schulrat Arnold Rehder im Bildungsausschuss aufgezeigt hatte. Er ermöglicht es allen Schülern ab der 6. Klasse, die heute bereits die Schule besuchen, dort noch ihren Abschluss zu machen. Die jetzigen Fünftklässler sowie die, die im Sommer dazu kommen, sollen jeweils nach der 6. Klasse im Klassenverbund an eine andere Gemeinschaftsschule wechseln.

„Die Schule hat ein hervorragendes Kollegium, engagierte Schüler und ein pädagogisches Konzept, das sogar prämiert wurde“, sagte Dieter Krämer (SPD). Trotzdem seien nur 24 Schüler angemeldet worden, 14 aus Itzehoe. „Darauf müssen wir reagieren.“ Sonst werde es in spätestens zwei Jahren das Ministerium tun – denn die Schule werde bald die Mindestgröße von 240 Schülern unterschreiten. Vor allem kann bei Einzügigkeit kein ausreichender Wahlpflichtunterricht angeboten werden. Dieser ist aber nötig, um den Wechsel in eine gymnasiale Oberstufe zu ermöglichen. Das sei dauerhaft nicht verantwortbar, hatte Rehder betont.

Es gebe grundsätzlich eine schwindende Zahl von Schülern in der Sekundarstufe 1, sagte Krämer. Er bedauere die Schließung. Doch „die Schule ist leider nicht genügend nachgefragt“. Er appellierte an die Eltern, ihre Kinder dennoch bis zum Schluss dort zu belassen, nur dann könne der aufgezeigte Weg funktionieren, weil genügend Lehrerstellen erhalten bleiben.

„Die Zahlen mögen stimmen“, sagte Eva Gruitrooy (Grüne). Doch man müsse auch die Menschen dahinter sehen. Am Lübscher Kamp würden viele Schüler mit Hemmnissen unterrichtet. „Das macht die Schule zu etwas Besonderem, das kann man nicht einfach wegwischen.“ Auch für den Stadtteil sei die Schule bedeutsam. Sie vermisste „Versuche der Kooperation“.

Die habe es gegeben, widersprach Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen und zeigte auf, was geprüft wurde – von der Kooperation mit Krempe bis zu Verbindungen mit Itzehoer Gemeinschaftsschulen. Nichts sei realisierbar. So sei etwa die Klosterhofschule selbst „voll bis unters Dach“ und könne die Schüler nicht in den Wahlkursen aufnehmen. Und den „Wellencampus“, einen Verbund mit der Grundschule Wellenkamp, habe diese „kategorisch abgelehnt“.

Doch warum geriet Lübscher Kamp in Schwierigkeiten? Das fragte nicht nur Dr. Kirsten Lutz (DAF), die zurückblickte: Schon 2007/2008 seien die Ausstattungsprobleme – besonders Physik- und Chemieraum – bekannt gewesen. Die Ausstattung sah auch Ernst Molkenthin (Linke) „sträflich vernachlässigt“. Oder passt das Schulmodell nicht nach Wellenkamp, überlegte Günter Wolter (IBF). „Es sind noch viele Fragen offen“, fasste Regina Mohr (UWI) zusammen. Sie alle plädierten für einen Aufschub. Gerd Konarski (Freie Wähler) blickte dabei auch auf das Neubaugebiet in Breitenburg.

„Es gab in der Vergangenheit genügend Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen“, meinte dagegen Sigrun Schmidt (SPD). „Es ist unfair so zu tun, als ob nichts getan wurde.“ Es habe auch Gespräche mit der Waldorfschule gegeben, um den dortigen Chemieraum nutzen zu dürfen. „Leider wurde das an der Schule Lübscher Kamp nicht weiter verfolgt.“

Kiel liefere die Vorgaben, erinnerte Ralph Busch (CDU). Und wenn die Stadt jetzt nicht reagiere, „sind wir nicht mehr Herr des Verfahrens“. Ein Aufschub sei trügerische Sicherheit. „Es wird uns in ein oder zwei Jahren wieder einholen.“

Es sei für jeden bitter, betonte Dr. Jörn Michaelsen (FDP). „Eine Schule zu schließen, bedeutet auch ein Stück Zukunft verschwinden zu sehen.“ Doch eine Schule sei nicht dazu da, die Infrastruktur in einem Stadtteil zu erhalten. Sie solle Kindern den Weg in die Zukunft bahnen, ihnen alle Möglichkeiten offen halten. Das sei am Lübscher Kamp nicht mehr gewährleistet. Es sei deshalb „nicht der richtige Zeitpunkt, um daraus politisches Kapital zu schlagen“ oder die Verwaltung zu kritisieren, „die sich jahrelang bemüht hat“. Wenn man alles noch ein Jahr so weiterlaufen lasse, „würden wir dafür einen hohen Preis zahlen“.

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