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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 22:04 Uhr

Bahnstreiks : Kein Verständnis mehr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Glückstädter Pendler blicken mit Sorge auf die bevorstehenden Zugausfälle. Die Nord-Ostsee-Bahn hält zusätzlich in Glückstadt und Krempe.

Wenn Gabriele Richert auf die Anzeigetafeln am Glückstädter Bahnhof schaut, ist sie nicht begeistert: Von „Streikankündigungen“ und „Zugausfällen“ liest sie dort. Für die Pinnebergerin, die derzeit in ihrem Geburtsort Glückstadt auf Wohnungssuche ist, sind Zugausfälle im Moment denkbar ungünstig. „Es würde mich sehr beeinträchtigen, wenn ich in den nächsten Tagen Besichtigungstermine nicht wahrnehmen kann“, sagt sie. Die 58-Jährige hat kein Auto und ist deshalb auf die Bahn angewiesen. Und weil sie in Pinneberg zu- und aussteigt, helfen ihr auch die Verbindungen der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) nicht.

Ähnlich geht es Brigitte Reese, die regelmäßig aus Itzehoe nach Glückstadt pendelt. „Ich muss auch morgen Mittag zur Spätschicht dort sein“, sagte die 37-Jährige gestern, die im Café Glückwerk der Glückstädter Werkstätten arbeitet. „Ich weiß noch nicht, ob das morgen funktioniert“, sagt sie.

Die Gewerkschaft der Lokführer hat bereits gestern die ersten Güterzüge bestreikt, seit heute Nacht läuft der Streik auch beim Personenverkehr – vier Tage lang. Viele Reisende haben kein Verständnis für die erneuten Ausstände: „Ich kann nicht mehr nachvollziehen, was die Bahn da mit uns macht“, sagt die Glückstädter Pendlerin Andrea Gutzler. Die 53-jährige Buchhalterin fährt mit der Bahn zu ihrem Arbeitsplatz in Hamburg. Sie zahle so viel für ihr Ticket, da erwarte sie funktionierende Verbindungen.

Ihr Trost ist, dass in Glückstadt nicht nur Züge der Deutschen Bahn, sondern auch der Nord-Ostsee-Bahn halten. „Wenn wir ausschließlich von der Bahn betreut würden, dann wären wir verloren“, sagt sie. Sie fahre in der Regel nur noch mit der Nord-Ostsee-Bahn, schon allein weil die Qualität der Züge besser und das Personal freundlicher sei. Doch auch wenn dieses private Unternehmen nicht direkt von den Streiks betroffen ist, befürchtet sie Beeinträchtigungen.

In der Tat könne es wegen abgestellter Züge und des geänderten Fahrplans zu Verspätungen kommen – bestätigt ein Sprecher der Nord-Ostsee-Bahn. Er hat jedoch auch gute Nachrichten: Alle NOB-Züge, die auf der Strecke Hamburg-Itzehoe unterwegs sind, halten während der Dauer der Streiks in Glückstadt und Krempe – auch die, die sonst vorbeifahren würden.

Lutz Thieme, Beauftragter des Fahrgastverbands pro Bahn für den Kreis Steinburg, weist darauf hin, dass auch bei den Lokführer-Streiks in den vergangenen Wochen zusätzliche Halte eingeplant waren, viele Züge der Nord-Ostsee-Bahn aber trotzdem an den Wartenden in Glückstadt vorbeirauschten. Es gelte also, geduldig zu sein. Als ehemaliger Bahnangestellter habe er teilweise Verständnis für die Streiks. „Aber im Sinne der Kunden ist es absolut nicht“, sagt Thieme. Persönlich ist der Rentner von dem Streik nicht betroffen – er hoffe, so sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung, dass er noch vor 2 Uhr nachts von seiner Berlin-Reise in Glückstadt zurück sei und damit nicht in Bedrängnis komme.

 

 

 


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erstellt am 06.Nov.2014 | 05:00 Uhr

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