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Schussapparate : Kein Rezept gegen die Krähenplage

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In der Lieth in Kellinghusen werden im kommenden Jahr wieder Schussapparate aufgestellt

Das Problem wird nicht gelöst, sondern verlagert. Diese Weisheit ist in der Störstadt so alt wie die Saatkrähenplage. Durch Vergrämungsaktionen lassen sich die Vögel nicht komplett verscheuchen. Die Knallgeräusche der Schussanlagen führen lediglich zu einer anderen Verteilung der Population. Die Erfahrung zeigt: Am Ende bleibt die Zahl der gefiederten Störenfriede konstant, durch die dezentrale Ansiedlung sind aber mehr Bürger von Lärm und Dreck betroffen.

Gleichwohl entschied der Ausschuss unter Leitung von Volker Ballin (KeLi), wieder Knallanlagen in der Lieth zu installieren. Der Beschluss erfolgte auch wegen des Bürgerprotests aus den anliegenden Straßen (wir berichteten). Zu Beginn des neuen Jahres soll den tierischen Bewohner der Lieth-Kolonie akustisch ein deutliches Zeichen zum Abflug gegeben werden. Nachdem die Stadt mit der Vergrämung versuchsweise einmal ausgesetzt hatte, waren die geschützten Vögel in Scharen zurückgekehrt. Eine Zählung belege, dass die Population im Lieth-Gebiet gravierend zugenommen habe, erklärte Ballin. „Nach der Ruhe in 2014 konzentrierten sich die Saatkrähen auf ihr altes Brutgebiet“, so der Vorsitzende.

Durch den Lärm der Schussanlagen werde sich die Anzahl der schwarzen Vögel insgesamt aber kaum reduzieren lassen. „Vielmehr werden sie sich wieder flächendeckend auf das Stadtgebiet verteilen“, bezog Ballin sich auch auf die Aussage von Rüdiger Albrecht. Der Fachmann vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume hatte bei einer Lieth-Begehung des Ausschusses im vergangenen April keine Lösung anbieten können. Im Gegenteil: „Angestammte Kerngebiete werden immer wieder angeflogen“, bezeichnete er die Annahme, die Vögel komplett aus dem Stadtgebiet verbannen zu können, als illusorisch.

Zum Zeitpunkt der Begehung war die Anzahl der Nester im Lieth-Gebiet mit 500 beziffert worden. Durch die Knallgeräusche von Mitte Februar bis Mitte März werden sich zwar Krähen „belästigt“ aus dem Gebiet verziehen, dafür aber zuletzt verwaiste Brutstätten wieder ansteuern. „Dadurch werden die Lieth-Anlieger ein wenig entlastet, es gibt aber mehr direkt Betroffene“, so Ballin.

Auch der stellvertretende Bürgermeister Malte Wicke (BFK) schloss sich der einhelligen Ausschuss-Meinung an, die Vergrämungsaktion fortzusetzen. „Befremdlich“ fand er jedoch die in der Verwaltungsvorlage genannte Beteiligung von Bürgern. „Selbst nach einer Einweisung ist das fragwürdig“, so Wicke. Dies sah auch Vorsitzender Ballin so. So gab es ein einstimmiges Votum für die Empfehlung, die Vergrämungsaktion komplett dem Bauhof zu überlassen. Leiter Marcus Sindt-Wurr und seine Mitarbeiter sollen entscheiden, wo die Schießanlagen stehen und wie sie getaktet werden. Die Lieth-Anlieger werden rechtzeitig durch ein Rundschreiben informiert. Aufgenommen wurde außerdem der Bürgermeister-Vorschlag, durch Hinweisschilder zusätzlich auf die Knall-Aktion aufmerksam zu machen.

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