Hafenwirtschaft : Kein Platz für Alleingänge

Der Elbehafen ist  Umschlagsplatz für unterschiedlichste Güter. Hier: Alubarren für die Sasol.
Der Elbehafen ist Umschlagsplatz für unterschiedlichste Güter. Hier: Alubarren für die Sasol.

Die Hafenkooperation an der Unterelbe zeigt: Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Brunsbüttel ist beispielhaft für die Region. Nur mit einer Stimme kann sie sich Gehör verschaffen.

23-2176983_23-103588146_1544095131.JPG von
21. März 2014, 12:00 Uhr

Mit den Worten: „Ich bin gern in Brunsbüttel“, begrüßte Frank Horch gestern Abend am Verwaltungsgebäude der Brunsbüttel Ports den Bürgermeister der Schleusenstadt, Stefan Mohrdieck. In der Tat ist der Hamburger Wirtschaftssenator kein seltener Gast. Vor allem aber ist er ein wichtiger Besucher. Denn seine Abstecher nach Brunsbüttel sind ein Beleg für das seit 2009 praktizierte Miteinander der Unterelbehäfen. Die firmieren von Cuxhaven bis in die Hansestadt unter der Dachmarke „Elbe Seaports“. Noch schöner wäre es, so der Brunsbütteler Hafenchef Frank Schnabel, wenn es hieße: „Ports of Hamburg“. Doch da tun sich die Niedersachsen noch schwer. Die schrittweise Annäherung ist ein Ziel der Hafenkooperation. Der Auftritt mit einer Stimme, bei der die kleinen Häfen gleichberechtigt mit dem Hamburger Hafen sprechen, ist ein anderes großes Ziel.

Dem sei man im fünften Jahr der Zusammenarbeit wieder ein Stück näher gekommen, machten die Redner einer Podiumsdiskussion gestern deutlich. Neben Horch und Schnabel waren dies Staatssekretär Dr. Frank Nägele, Wolfgang Hurtienne, Geschäftsführer der Hamburg Port Authority, und Sebastian Koch, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Unterelbe – Westküste.

Hamburg, so Frank Horch, sei „die Metropole, um die sich alles rankt“. Gleichwohl habe die Hansestadt keine Probleme damit, ihre vergleichsweise kleinen Partner auf internationalem Parkett zu repräsentieren. „Wir werden zu einem Kraftzentrum werden, wenn wir gemeinsam vorgehen.“

Diese Ansicht teilte Frank Schnabel: „Was die Rotterdamer können, können wir auch“, erklärte er selbstbewusst. Einziger Unterschied: Die Unterelberegion umfasst drei Bundesländer. Für die formulierte Schnabel die griffige Vorgabe: „Wir müssen uns in Berlin und in Brüssel als ein Wirtschaftsraum darstellen.“

Auch Sebastian Koch, immerhin Vertreter von 400 Mitgliedsunternehmen hält dies für unerlässlich. Denn es gebe durchaus Mitgliedsfirmen, die sich fragten, ob sie noch am richtigen Standort nördlich der Elbe seien. Ein aussagekräftiges Wirtschaftskonzept sei geeignet, Zweifel auszuräumen, gab er Staatssekretär Nägele mit auf den Weg.

Der bestätigte, dass es besonders an der Infrastruktur hake. Eine vertiefte Elbe, ein sanierter Nord-Ostsee-Kanal und eine fest Elbquerung sind für ihn die wichtigen Eckpfeiler. Selbstgänger seien dies Themen keineswegs: „Da müssen wir weiter zusammenstehen“, erklärte Nägele. Mit Blick auf den Besuch von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt kürzlich an den Brunsbütteler Schleusen, äußerte er große Enttäuschung. Weiterhin fehlen ihm Aussagen zu Kosten und Zeitplänen für die Maßnahmen zwischen Brunsbüttel und Kiel.

Somit ist noch jede Menge Durchhaltevermögen gefragt, bis Frank Schnabels Zukunftsperspektive Wirklichkeit wird: „Ich würde mir wünschen, dass wir in einigen Jahren eine Vorzeigeregion sind.“

Ein steiniger Weg. Die Region steht schließlich nicht nur im internationalen Wettbewerb, in dem sie sich positionieren muss. Auch national reicht es nicht allein aus, Hamburg mit im Boot zu haben. Das hat in der Vergangenheit schon das zähe Ringen um Gelder für den Bau der dritten Großen Schleuse deutlich gemacht. Der Norden, sagen Skeptiker, spricht weiterhin mit zu leiser Stimme bei den Entscheidern. Für die Hafenwirtschaft bedeutet dies, dass manche Bundesländer für sich eher eine Anbindung an Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam sehen.

Das ist etwas, was dem Hamburger Wirtschaftssenator gar nicht schmeckt. Horch: „Wir sind größter Arbeitgeber für Schleswig-Holstein und zweitgrößter für Niedersachsen.“ Da gehe es um viel. Der Einsatz dafür lohne sich. „Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass der Unterelberaum ein ungeheures Potenzial hat.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen