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Gewässerpflege : „Kein Patentrezept für die Wilster Au“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Förderverein in Wilster hat im Kampf gegen die Verschlickung alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Echolot soll jetzt Klarheit bringen.

Was der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Marschenverbandes den Mitgliedern des Fördervereins Wilster Au und Schleuse offenbarte, dürfte eher ernüchternd gewesen sein: „Man kann gegen die Natur nicht anarbeiten.“ Zu diesem Ergebnis kam Hans-Rudolf Heinsohn jedenfalls auf der Grundlage seiner jahrzehntelangen Berufserfahrung. Der Experte war in diesem Jahr Referent auf der Jahresversammlung.

Die Wilster Au, die vor mehr als hundert Jahren wie auch die Burger Au mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals ihrer natürlichen Quelle beraubt wurde, droht durch zunehmende Verschlickung und Verkrautung immer mehr zu einem stehenden Tümpel zu werden. Mit fatalen Folgen. Muss nämlich bei starken Regenfällen das Wasser möglichst schnell aus der Marsch heraus befördert werden, sucht sich das feuchte Nass mangels ausreichender Abflussmöglichkeiten andere Wege. Und: Immer weiter entfernt sich die Au zudem von ihrem eigentlich verbürgten Status als schiffbares Gewässer.

„Da gibt es kein Patentrezept“, bekannte Heinsohn. Was aber grundsätzlich benötigt werde, sei erst einmal Tiefe. Die Frage dabei sei nur: „Was ist dafür an Unterhaltungsaufwand nötig?“ Ausreichend Tiefgang ist für ihn in jedem Fall die Mindestmaßnahme. Sein Rat: „Wenn man etwas macht, dann auch ordentlich.“ Heinsohn betonte, dass dabei auch Interessen von Landeigentümern kein Tabu mehr sein dürften. Gegebenenfalls müsse man für den Bereich von Vaalermoor bis Kasenort auch einmal Deiche verlegen. Die Strecke von der Schleuse bis nach Wilster aber müsse in jedem Fall deutlich vertieft werden – allein schon, um dem Bewuchs von 16 verschiedenen Gräsern entgegenzuwirken. „Das ist für das Wasser wie eine Wand“, beschwor Heinsohn drohende Überflutungsgefahren. Sein Fazit: „In den meisten Fällen sind die abgesoffen, bei denen es rund um die Gewässer keine vernünftigen Unterhaltungsmaßnahmen gab.“

Sein abschließender Tipp: Bei möglichen Unterhaltungsmaßnahmen, für die übrigens das Land zuständig ist, soll man besser Klotzen als Kleckern. „Zu der Erkenntnis sind wir auch schon gekommen: Besser eine große Lösung als nur Klein-Klein“, pflichtete Reinhard Bunge als Vorsitzender des Fördervereins bei.

Wie schlimm es wirklich um die Wilster Au bestellt ist, ist noch unklar. Zuständig für den Wasserlauf ist das Land. Dem Vernehmen nach soll demnächst per Echolot festgestellt werden, wie tief die Au noch ist. Nach Beobachtung von Fördervereins-Mitgliedern sind es an einigen Stellen mitunter nur noch 20 Zentimeter. „Wir hoffen, dass mit den Ergebnissen eine öffentliche Diskussion in Gang kommt“, sagte Roman Stöckmann vom Bauamt beim Amt Wilstermarsch.

Der Förderverein bemüht sich jedenfalls schon seit Jahren um Abhilfe. Ein Ansatz, so berichtete Reinhard Bunge, war eine erste große Au-Konferenz. „Leider konnte es aus terminlichen Gründen keine Folgeveranstaltung mehr geben“, bedauerte er. Als nicht sehr effektiv hätten sich schließlich Überlegungen gezeigt, durch einen zwischen Schleuse und Brookhafen fahrenden Schlepper Bewegung in den Au-Grund zu bringen. Hinzu kam: Genug Wasser in der Au, Tide in der Stör und die Zeit des Schlepper–Eigners waren nicht in Einklang zu bringen. Verheißungsvoll, so Bunge weiter, seien Gespräche mit dem Friedrichskooger Hafenretter gewesen. Leider habe es für eine Überführung von der Nordsee-Gemeinde nach Wilster keine Möglichkeit der Versicherung gegeben. Inzwischen stehe der Hafenretter nicht mehr zur Verfügung. Zuletzt hatte der Förderverein seine Hoffnung auf einen Einsatz des Motorschiffs „Trischen“ gesetzt. Vom zuständigen Ministerium sei dies dann aber „endgültig abgesagt und verworfen worden“. „Damit sind unsere Möglichkeiten endgültig erschöpft“, schloss Bunge.

Jetzt bleibe nur noch die Hoffnung, dass die Wilster Au künftig vom Deich-Haupt- und Sielverband übernommen wird, wobei die Einstufung als Wasserstraße erster Ordnung aber erhalten bleiben müsse.

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erstellt am 31.Mär.2016 | 16:57 Uhr

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