Kultur : Kein neues Geld für Hablik-Museum

Will das Wenzel-Hablik-Museum erhalten: Harald Brommer.
Will das Wenzel-Hablik-Museum erhalten: Harald Brommer.

Mehrheit steht: CDU und SPD werden heute keine weiteren Zuschüsse bewilligen.

Kay Müller von
12. Dezember 2014, 05:00 Uhr

Die Würfel sind gefallen. Die Mehrheit in der Ratsversammlung wird es heute ablehnen, das Wenzel-Hablik-Museum mit mehr als den schon bewilligten 45000 Euro pro Jahr zu bezuschussen. „Das geht nicht gegen das Museum“, sagt der Vorsitzende der Mehrheitsfraktion, Ralph Busch (CDU). Aber die große Koalition habe sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf festgelegt, das Museum für fünf Jahre mit dieser Summe zu unterstützen. „Damit hat die Wenzel-Hablik-Stiftung Planungssicherheit – und mit dem Geld muss sie auskommen“, sagt Busch.

Ähnlich sieht das der SPD-Fraktionsvorsitzende Sönke Doll. Seine Partei habe in den Koalitionsverhandlungen die CDU dazu gebracht, diese Summe festzuschreiben. „Darüber hinaus wäre es möglich gewesen, dass die Stiftung für weitere Projekte, wie etwa die Kooperation mit den Schulen, Förderanträge im Rat stellt“, sagt Doll. Das sei jedoch nicht geschehen.

Bereits im Herbst hatte der Vorsitzende der Wenzel-Hablik-Stiftung, Harald Brommer, erklärt, dass das Museum am Jahresende einen Verlust von rund 19 000 Euro einfahren werde. „Das ist genau das Geld, dass die Stiftung für die Stelle der Volontärin ausgibt, die sich laut Brommers Auskunft in erster Linie um die Schülerprojekte kümmert“, sagt Doll. Das Projekt sei gut, aber: „Man kann kein Geld ausgeben, das man nicht hat – und vor allem nicht von der Stadt im Nachhinein einen Ausgleich verlangen.“

Brommer sagt, dass sei nur die halbe Wahrheit, denn die Politik habe den Kostenplan gekannt, darin seien die Stelle der Volontärin und die Pläne über die Schulprojekte aufgeführt gewesen. Mittlerweile hat die Hablik-Stiftung auch durch die öffentliche Diskussion neue Mitglieder für den Förderverein gefunden. Dazu habe die jüngste Friedel-Anderson-Ausstellung mehr Einnahmen als erwartet gebracht, sagt Brommer. Und auch zusätzliche Spenden habe die Stiftung bekommen, so dass das Defizit „auf wenige tausend Euro geschmolzen“ sei. Dennoch zeigt er sich enttäuscht, dass die Politik ihm weitere Zuschüsse versagt. „Wir werden nach dem Beschluss der Ratsversammlung entscheiden, wie wir weiter vorgehen – und wo wir zusätzliche Mittel auftreiben können“, sagt Brommer. Denn auch wenn es gelungen sei, in diesem Jahr das Defizit zu reduzieren, könne man nicht damit rechnen, dass das im kommenden Jahr auch wieder so sei. „Wir wissen nicht, wie viele Spenden wir bekommen, auch nicht, wie viel wir durch Eintrittsgelder erwirtschaften können“, sagt Brommer. Deshalb müsse er für 2015 ein Defizit von über 40 000 Euro einrechnen. „Am Ende wird es weniger sein, aber niemand weiß, wie viel.“

Doch trotz der Unterfinanzierung will Brommer am Betrieb des Museums festhalten – „in genau dem Umfang, wie es jetzt ist“. Die Schülerprojekte seien eine tolle Geschichte. „Die Kaiser-Karl-Schule ist gerade Kulturschule geworden, auch weil wir einen Beitrag dazu leisten“, so Brommer. Der Betrieb des Museums werde 2015 auch ohne weitere Unterstützung der Politik weitergehen, auch wenn der Kreistag ebenfalls die Bewilligung neuer Gelder ablehne. Fest stehe, dass das Defizit, das 2015 entstehe, ausgeglichen werden müsse. „Und da werden wir dran arbeiten“, so Brommer, der auch weiter um staatliche Hilfen werben will.

Dass die Stadt möglicherweise im nächsten Haushalt ihren Zuschuss erhöht – dafür sieht Ralph Busch keinen Spielraum. Schließlich habe die Stadt über 30 Millionen Euro Schulden. Und sie unterstütze das Museum schon jetzt mit deutlich mehr als den 45 000 Euro pro Jahr, die in der Bilanz auftauchen. „Die Stiftung zahlt keine Miete für das Gebäude in der Reichenstraße“, so Busch. Dazu komme, dass die Sparkasse Westholstein das Museum mit 46 000 Euro pro Jahr unterstütze. „Damit kommt ein Großteil der Unterstützung, die die Sparkasse an Institutionen in der Stadt gibt, dem Wenzel-Hablik-Museum zugute“, sagt Busch. In der Tat gibt die Sparkasse aus eigenen Mitteln und denen ihrer Stiftungen rund 130 000 Euro pro Jahr an Jugend-, Sport- und Kulturprojekte in der Stadt. „Da ist der Zuschuss von 46 000 Euro an das Hablik-Museum natürlich schon viel“, sagt die Leiterin der Vorstandsabteilung, Melanie Thielen. Ralph Busch sagt, deshalb könne er verstehen, wenn andere Institutionen in der Stadt, die ebenfalls Förderbedarf hätten, etwas neidisch auf das Museum schauten.

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