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Kein Nachfolger gefunden: Rhin-Apotheke schließt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Inhaberin Ingrid Janus hört zum 1. März auf und geht in den Ruhestand

„Es tut uns leid, und wir sind alle ein wenig traurig. Die Rhin-Apotheke ist für mich mein zweites Zuhause geworden“, sagt Sonja Buck. Die Kiebitzreiherin ist als pharmazeutisch-technische Assistentin Mitarbeiterin der Apotheke in Herzhorn. Zum 1. März wird das Geschäft am Marktplatz geschlossen.

Inhaberin Ingrid Janus (64) hat sich seit vier Jahren vergeblich bemüht, eine Nachfolge für die Apotheke zu bekommen. „Es gibt wenig ausgebildete Apotheker. Die meisten scheuen das Risiko und den zeitlichen Aufwand der Selbstständigkeit, und die Pharmakonzerne werben Berufsanfänger mit attraktiven Angeboten ab.“ Im kommenden Jahr werden die Geschäftsräume zur Wohnung umgebaut, denn Ingrid Janus möchte mit ihrem Mann Dieter in Herzhorn wohnen bleiben. Von den fünf Angestellten sind bereits drei mit neuen Aufgaben versorgt.

Ingrid Janus hat in Hamburg studiert und gelebt. Als Pharmareferentin besuchte sie viele Arztpraxen in Schleswig-Holstein. So kam auch der Kontakt zur Praxis von dem damals ortsansässigen Arzt Hans Vormeyer in Herzhorn zustande. „Dadurch erfuhr ich, dass es hier noch keine Apotheke gab. Ich wollte mich gern selbstständig machen, und Herzhorn gefiel mir“, berichtet sie von den Anfängen. 1985 kaufte sie das leer stehende Haus am Steindamm, in dem vorher die Schlachterei von Heinrich und Olga Will betrieben wurde, zuletzt bewirtschaftet von Heinrich und Ingrid Rohwedder. Die vorderen Räume, in denen der Milchverkauf und der Schlachterladen untergebracht waren, wurden zum Verkaufsraum umgebaut. Der hintere Teil mit dem Schlachthaus und den Kühlräumen wurde Labor und Lager. Ein Teil diente als Wohnung für das Ehepaar Janus mit ihrem ersten Kind. Die Vorbesitzerin Olga Will bewohnte zunächst noch die obere Wohnung.

„Nach dem Tod von Frau Will sind wir nach oben gezogen und meine Schwiegereltern bekamen die untere Wohnung. Ich fand es immer toll, Arbeit und Familie so gut kombinieren zu können“, erzählt die Apothekerin. Die Gemeinschaftspraxis der Ärzte in Herzhorn vergrößerte sich in den vergangenen 30 Jahren stetig und auch die Umsätze der Apotheke stiegen im Laufe der Zeit. Heute kommen zirka 100 Kunden am Tag, die von Ingrid Janus und fünf Angestellten versorgt werden.

Die Rhin-Apotheke ist durch ihre zentrale Lage und dem Publikumsverkehr zu einem Kommunikationsmittelpunkt in der Gemeinde geworden. Ingrid Janus bekam viel von den Sorgen der Bürger mit. Durch ihre soziale Ader war sie immer bereit, anderen zu helfen. 20 Jahre war sie Mitglied in der Gemeindevertretung und ist im Dorf gut vernetzt. „Ich wurde hier freundlich angenommen und habe mich immer wohl gefühlt, deshalb möchte ich auch nicht wieder zurück nach Hamburg.“

Im Februar wird sie 65 und freut sich schon auf das Leben im beruflichen Ruhestand. „Mein Mann Dieter und ich sind leidenschaftliche Segler. Bisher konnten wir nie richtig Urlaub machen. Für den nächsten Sommer planen wir einen dreimonatigen Segeltörn auf der Ostsee.

Außerdem möchte ich mehr lesen und meine beiden Kinder und das Enkelkind unterstützen.“ Auch werde sie sich noch ehrenamtlich engagieren, wenn ihre Hilfe benötigt wird, denn „durch unsere zentrale Wohnlage kriege ich fast alles mit, was hier im Dorf passiert.“

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erstellt am 28.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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