HOlzkunst : Kein Mann für grobe Schnitzer

„Kreativ nach Lust und Laune“: Volkhard Steffen verwandelt Holzstücke in alles, was ihm einfällt – ob Rübezahl oder Madonna.
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„Kreativ nach Lust und Laune“: Volkhard Steffen verwandelt Holzstücke in alles, was ihm einfällt – ob Rübezahl oder Madonna.

Volkhard Steffen aus Glückstadt fertigt filigrane Figuren aus Holz.

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12. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Chöre proben stundenlang Weihnachtslieder. Kreative basteln festliche Dekoration. Helfer bringen Beleuchtung an oder planen Weihnachtsfeiern bis ins letzte Detail. Es gibt viele Bürger, die mit ihrem Einsatz auf das Fest der Liebe einstimmen. Unsere Zeitung stellt Menschen vor, die den Steinburger und Dithmarscher Advent schöner machen. Heute: Der Holzschnitzer aus Glückstadt.

Wenn Volkhard Steffen in seiner Werkstatt ist, schnitzt er. Zahlreiche Messer hängen über der Werkbank. Mit seinen Händen schafft der 73-Jährige interessante Figuren. Das Holz nimmt er in die linke Hand und prüft zunächst den Holzfaserverlauf. „Mit dem Faserverlauf zu schnitzen, das geht nicht“, sagt der Glückstädter. „Für das Holz muss man ein Gefühl entwickeln, sonst wird das nichts.“

Im Vorwege hat er aufgezeichnet, wie die Figur aussehen soll. „So wie ich sie haben will, übertrage ich einige Linien.“ Erst dann setzt er das Schnitzmesser an. „Ich gehe dann Stück für Stück am Holz vor.“ Wobei er für die Arbeitsgänge auch viele verschiedene Messer einsetzt. „Am Schwierigsten sind die kleinen Arbeiten, wie zum Beispiel im Gesicht, aber auch die Finger und Zehen. Für solche Arbeiten nehme ich den feinen Geißfuß.“

In den vergangenen Monaten waren es besondere Figuren, die er schnitzte: Jesus, Joseph, Maria und die Heiligen drei Könige. Es ist nicht die erste Krippe, aber diese war für seine Frau Elisa, die sie jetzt im Schaufenster ihres Friseursalons in der Großen Kremper Straße vor Weihnachten ausstellt. Auch bei der Krippe legt er wert auf Details, das Holzstück ist mit Reet gedeckt. Die Künste des Reetdachdeckens lernte er bei einem Reetdachdeckermeister. Schnitzen ist eine Leidenschaft von Volkhard Steffen, die erst 2005 begann. Damals besuchte er einen Kurs in Oberammergau. Schon als Kind war er künstlerisch begabt. „Ich wollte eigentlich Dekorateur werden.“ Doch die Eltern hatten andere Pläne. Er musste Schlachter lernen.

In Niedersachsen und Rheinland Pfalz aufgewachsen, kam er in jungen Jahren zur Marineausbildung nach Glückstadt. Er lernte seine Frau Elisa kennen und blieb. Beide führten ein bewegtes Leben, in der wenig Zeit für seine Hobbys blieb. Volkhard Steffen malt auch gerne in Öl und schmiedet auch selbst.

1991 übernahm er mit seiner Frau in Glückstadt die Diskothek „Palme“, verkaufte sie dann und machte danach einen Imbiss in Hohenlockstedt auf. Er arbeitete auf einem Schiff, war lange als Schweißer auf Montage. Die Ruhe zum Malen und Schnitzen fand er erst als Rentner. Anregungen für Motive holt er sich auf Reisen.„Ich besuche viele Museen und Kirchen.“

Ein dreiviertel Jahr nach seinem Schnitzkurs in Oberammergau besuchte er einen weiteren in Eulenbis in der Pfalz. Eineinhalb Monate war er dort und lebte in seinem Wohnmobil. „Ein ganz toller Laden“, schwärmt er von der Schnitzerwerkstatt. „Dort habe ich erst richtig gelernt, was ich mit einem Stück Holz anfangen kann.“ Dort hat er auch erfahren, welches Werkzeug er braucht. Mittlerweile hat Volkhard Steffen rund 50 Schnitzwerkzeuge: vom Flacheisen, über gekröpfte Eisen, von Geißfüßen bis zum Klüpfel. „Ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Am Anfang hatte ich elf Messer. Mit der Zeit habe ich immer mehr dazugekauft. Und sie nutzen sich mit der Zeit ja auch ab.“

Fünf Krippen plus Ställe hat er mittlerweile geschaffen. Und viele Figuren: Von der Madonna über einen Hasen bis hin zu Rübezahl, der an einem Band hochklettern kann. „Langeweile habe ich nicht.“ Kreativ sei er „nach Lust und Laune“. Mit den Jahren sind auch die Erfahrungen bezüglich des richtigen Holzes gewachsen. „Lindenholz kann man für alles nehmen“, erklärt der Glückstädter. Er liebt aber auch Zirbelkiefer. „Dieses Holz lasse ich mir schicken.“

Lockt es ihn mal nicht in seine Schnitzerwerkstatt, dann malt er. Ölbilder zieren das Einfamilienhaus. Es sind aber auch Bleistiftzeichnungen, die er zu Papier bringt. Seine Schnitzarbeiten sind mittlerweile im ganzen Haus zu finden. „Ich habe schon mal überlegt, sie auf einem Markt anzubieten.“ Aber das wird wohl erst im kommenden Jahr sein.

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