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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 07:09 Uhr

„Kein Licht am Ende des Tunnels“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bei der Versammlung der Bauern im Bezirk Wilstermarsch war die Lage auf dem Milchmarkt das beherrschende Thema

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 11:20 Uhr

Die CDU im Lande setzt auf eine nachhaltige Landwirtschaft mit Familienbetrieben, die von ihrer Arbeit leben können. „Neben allen berechtigten Schutzpolitiken für Umwelt, Natur, Klima, Tiere und Verbraucher gilt es auch, die Erzeuger und ihre Familien zu schützen. Ohne Sicherung der wirtschaftlichen Grundlagen sind auch die ökologischen und sozialen Komponenten der Nachhaltigkeit gefährdet“, stellte der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Rickers auf der Bezirksbauernversammlung der Wilstermarsch vor über 50 Landwirten im Landgasthaus „Zum Dückerstieg“ in Neuendorf-Sachsenbande das agrarpolitische Leitbild seiner Partei vor.

Zuvor hatte Rickers die katastrophalen Erzeugerpreise für die Landwirtschaft angeprangert. Er machte als aktiver Landwirt seinen Berufskollegen aber auch klar: „Wir werden uns im internationalen Markt behaupten müssen.“ Der Bezirksvorsitzende der Wilstermarsch-Bauern, Nico Hellerich aus Wewelsfleth, legte seinen Fingerzeig auf die zunehmende Deckungslücke von 30  000 bis 50  000 Euro bei den „normalen Milchviehbetrieben“. „Die Liquidität bricht weg“, warnte er. Mit der Folge, dass wegen einer negativen Eigenkapitalbilanz keine Aussicht auf neue Kredite bestehe. Seine Forderung: „So wie jetzt darf es nicht weitergehen!“ Umso mehr wunderte sich Hellerich, dass der Bauernverband „kein Interesse an konstruktiven Gesprächen“ habe.

Diesen Vorwurf wies der Vizepräsident des Landesbauernverbandes, Peter Lüschow aus Huje, entschieden zurück. Die Bauern müssten Schritt für Schritt einen harten Weg zum Markt beschreiten. „Wir müssen an vielen Stellschrauben drehen“, betonte Lüschow, sah aber gleichzeitig „noch kein Licht am Ende des Tunnels“.

Ein junger Landwirt aus dem Kreis der Zuhörer machte seinem Ärger Luft: „Wir brauchen kurzfristige Lösungen, die unseren Betrieben helfen.“ Seine Kritik an den Meiereien: „Wir sind für sie doch nur noch billige Rohstofflieferanten.“ Der Brokdorfer Landwirt Jörg Schmidt blies ins gleiche Horn, als er dem Bauernverband Untätigkeit vorwarf. „Wir müssen doch endlich etwas tun.“ Er warnte vor einem massiven deutschlandweiten Höfesterben, da der Milchpreis schon jetzt unter den Produktionskosten liege und bis zum Sommer mit Sicherheit weiter fallen werde. „In schwierigen Zeiten müssen wir runter mit der Milchmenge, um bessere Preise zu bekommen.“ Peter Lüschow dagegen warnte vor einem Zurückfahren der Milchmenge. Sie werde am Markt fehlen, wenn es mit den Preisen sprunghaft bergauf gehen werde.

Heiner Rickers schlug für die Zukunft der Landwirtschaft den so genannten „dritten Weg“ vor. Er sei geeignet, die Landwirtschaft wieder ins rechte Licht zu rücken, Forderungen nach mehr Tierwohl und mehr Umweltschutz innovativ umzusetzen und Spannungen zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft abzubauen. Dabei gelte es, die begonnene Marktorientierung umzusetzen, auf produktionslenkende Eingriffe durch staatliche Institutionen zu verzichten, gekoppelte Direktzahlungen abzuschaffen und marktstützende Interventionen nur auf Ausnahmefälle zu beschränken.

Nach den Beiträgen von Heiner Rickers und Peter Lüschow entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Abschließend informierte Hans-Peter Mau als Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes über die aktuelle Verbandsarbeit.

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