Wirtschaft : Kein Geld mehr bei der Sparkasse

Sie möchten weiter in Herzhorn Geld abheben können: Klaus Thomsen (v. l.), Gisela Thomsen, Klaus Dieter Fox, Marita Fox, Bernd Heiden und Wolfgang Glißmann.
Sie möchten weiter in Herzhorn Geld abheben können: Klaus Thomsen (v. l.), Gisela Thomsen, Klaus Dieter Fox, Marita Fox, Bernd Heiden und Wolfgang Glißmann.

Sparprogramm: Nach 111 Jahren ist die Zweigstelle in Herzhorn geschlossen.

shz.de von
03. Januar 2018, 05:04 Uhr

Zum Jahresbeginn hat die Sparkasse Westholstein die SB-Filiale im Ortskern von Herzhorn geschlossen. Viele Bürger hatten sich vergeblich für den Erhalt des Standorts eingesetzt, denn mit der Schließung der Sparkasse geht für sie ein Stück Lebensqualität verloren. Am Silvestermorgen trafen sich einige engagierte Bürger an der Filiale, um ein letztes Mal Geld abzuheben.

Gisela Thomsen weist darauf hin, dass gerade ältere Mitbürger auf die ortsnahe Versorgung mit Bargeld angewiesen seien. Sie ist die Vorsitzende des örtlichen Sozialverbands: „Dieser Standort war für ältere Bürger ideal, man konnte gut parken und befand sich in der Ortsmitte, um weitere Besorgungen zu machen.“ Als die Schließung im März vergangenen Jahres bekannt wurde, hatte sie mehr als 700 Unterschriften für den Erhalt der SB-Filiale gesammelt. Marita Fox denkt aber auch an die Jüngeren: „Für die Kinder war das hier perfekt, so konnten sie mit einem Taschengeldkonto den selbstständigen Umgang mit dem Geld lernen.“

Auch Bürgermeister Wolfgang Glißmann hatte im vorigen Jahr versucht, die Schließung zu verhindern. In einer einstimmigen Resolution der Gemeindevertretung wurde auf die bedeutende Funktion der Sparkasse bei der Daseinsvorsorge und auf den Gründungszweck hingewiesen – den ländlichen Raum mit Geld zu versorgen. „Wir haben gekämpft, aber in der Verbandsversammlung leider keine Mehrheit bekommen. Den Rechtsweg anschließend zu beschreiten, war mit zu viel Risiko behaftet.“ Gemeindevertreter Bernd Heiden erinnert in dem Zusammenhang an die Botschaft des Bundespräsidenten Walter Steinmeier bei seinem Besuch in Schleswig-Holstein und in seiner Weihnachtsansprache, in der er dazu aufrief, den ländlichen Raum mehr zu unterstützen, damit die Gesellschaft nicht auseinanderbricht. Heiden befürchtet, dass durch den Wegfall vieler Einrichtungen auf dem Lande das Gefühl bei den Bewohnern wächst, abgehängt und vergessen zu sein. „Wir wollen nicht alles klaglos so hinnehmen, denn der ohnmächtige Frust ist der Nährboden für radikale Protestwähler.“

Die Sparkasse in Herzhorn gibt es seit 1906. Vorausgegangen war die Gründung eines Zweckverband aus zehn Gemeinden, um das Haftungsrisiko zu übernehmen. Die Krempermarsch-Sparkasse wurde getragen von Grevenkop, Krempdorf, Elskop, Borsfleth, Blomesche Wildnis, Engelbrechtsche Wildnis, Herzhorn, Sommerland, Bahrenfleth und Süderau. In Herzhorn wurde im Lokal „Zur Linde“ eine Annahmestelle eingerichtet. Von 1924 bis 1987 kam für die Gemeinde noch die Nebenstelle in Gehlensiel dazu. Erst 1988 bekam die Zweigstelle eigene Räume durch den Neubau gegenüber der Kirche. Seit 2009 wird dort nur noch eine SB-Filiale betrieben. Die Sparkasse Westholstein ist heute das führende Geldinstitut der Kreise Steinburg und Dithmarschen. Mit der Schließung der Filiale endet für Herzhorn nach 111 Jahren ein Stück Sparkassengeschichte. Das Gebäude ist inzwischen verkauft, und im Lauf des Jahres wird dort ein Frisiersalon von Sabine Schargus eröffnet.

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