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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 04:45 Uhr

Brokstedt : Kein Entrinnen vor dem Infraschall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kritik an Messverfahren: Diplom-Ingenieur Gerhard Artinger referiert bei Brokstedter „Initiative für Wind auf Distanz“

Bei 27  000 Windrädern in Schleswig-Holstein war es für den Referenten klar: „Schauen Sie sich die Urlaubsregionen hier an. Sie sollten noch schnell hinfahren, solange Sie von der Landschaft noch etwas sehen wollen.“ Denn Diplom-Ingenieur Gerhard Artinger ( Vattenfall) aus Bargteheide machte im Bürgerhaus Brokstedt bei allen Vorteilen der Windenergie vor allem auf die negativen Folgen für den Menschen aufmerksam. Mit ihrem Infoabend stieß die „Initiative für Wind auf Distanz“ aus Brokstedt auf großes Interesse: Mehr als 80 Zuhörer wollten Genaueres wissen zu der Frage „Windkraftanlagen – wirkungsvoll oder folgenschwer?“

Denn zusätzlich zu den bereits in er Umgebung stehenden 34 Anlagen in drei Windparks sei im vergangenen Dezember von der Landesregierung ein weiteres Vorranggebiet ausgewiesen worden, gegen das sich die Initiative nun wendet. Mit Grafiken, Bildern und Fotos verdeutlichte der Diplom-Ingenieur die aus seiner Sicht entstehenden entstehenden Probleme. Bei Windeignungsflächen von mehr als 7000 Quadratkilometern Fläche in Schleswig-Holstein erweitere sich deren Wirkungsgrad um ein Vielfaches, denn es sei nicht nur die von der Landesregierung angegebenen 1,98 Prozent der Gesamtfläche betroffen, „sondern bei Einrechnung der Abstände zu den Wohngebieten sind es über 45 Prozent der Landesfläche“.

Großes Interesse rief besonders das Thema „Gesundheit und Schall“ im zweiten Teil der Veranstaltung hervor. Gerhard Artinger verwies vor allem auf den nicht hörbaren Schall (Infraschall), der für den Körper schädlich sei. Gemessen werde die Schallimmission nach einer 20 Jahre alten Norm für Anlagen bis zu einer Höhe von 30 Metern. „Dabei geht man von einheitlicher Dichte und Luftschicht, also vom Idealfall, aus. Die Wirklichkeit ist aber eine uneinheitliche. Die wird nicht gemessen.“
Dann sei auf dem Papier alles in Ordnung, auch wenn es viel lauter ist, als eigentlich zuvor per Norm-Messungen festgelegt. „Wenn wir die Realität in die Messung einrechnen, wird es drei- bis vierfach so laut. Dann müsste die Anlage doppelt so weit weg sein.“ Er forderte, das „Interimsverfahren“ zu nutzen, welches auf reale Werte eingehe. „Dann würden aus 800 Metern Mindestabstand 1300 Meter.“

Eine besondere Gefahr gehe vom nicht hörbaren Schall wie Infraschall und tiefen Frequenzen aus. „Auch wenn man Infraschall nicht hören kann, ist er schädlich. Er ist genauso wie Radioaktivität oder Röntgenstrahlen vorhanden.“ Daraus resultierende Gesundheitsschäden würden oft als Einbildung abgetan. „Man kann diesem Lärm aber nicht entkommen. Wenn die Anlagen erst mal stehen, dann ist das Folter.“ Daraus folgerte Artinger: „Wir bräuchten den zehnfachen Abstand der Anlagenhöhe vom Haus – und eine Nachtabschaltung.“

Weiterhin kritisierte er die immer noch fehlende Speichermöglichkeit des Windstroms, was dazu führe, dass die Strom-Erzeugung nicht planbar sei. „Wenn so viel Wind bläst, dass wir den Strom ins Ausland verkaufen mussten, ergab sich ein negativer Preis von minus 67 Euro. Wir bezahlten für nicht erzeugten Strom 2015 mehr als 295 Millionen Euro in Deutschland, 2016 über 300 Millionen. Dafür könnten wir 1,3 Millionen Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen.“

Die Anwohner sollten nun die Politiker fragen, ob sie für den zehnfachen Abstand (10H) oder die jetzt gültigen 800 und 400 Meter sind. „Wenn die für letzteres plädieren, sagen Sie ihnen: Dann können wir Sie nicht wählen!“ So war Organisatorin Meike Molt schließlich zufrieden: „Wir hatten ein interessiertes Publikum, dem heute Abend sicherlich die Augen geöffnet wurden. Der Vortrag war eine Bereicherung für alle.“


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erstellt am 06.Feb.2017 | 17:34 Uhr

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