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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 05:26 Uhr

Ausbildung : Kein Azubi ist besser als Finn-Ole

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

20-Jähriger Itzehoer wurde vom eigenen Vater ausgebildet, schuf einen Stern als Gesellenstück und ist jetzt für bundesweiten Wettbewerb nominiert

von
erstellt am 26.Aug.2015 | 12:00 Uhr

Von der Arbeit seines Vaters bekam Finn-Ole Kulms viel mit. Schon da dachte er: „Irgendwann werde ich das auch.“ Jetzt hat der 20-Jährige es geschafft: Die Ausbildung zum Bodenleger ist abgeschlossen. Aber nicht nur das – Kulms ist der Beste seines Jahrgangs mit Schülern aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg.

Der Schenefelder arbeitet bei Knutzen Wohnen, wie schon sein Vater. „Am Anfang der Ausbildung war er mein Ausbilder“, schildert Kulms. Den Job übernahm dann Teamleiter René Radloff (41), aber den Großteil der Zeit verbrächten die Auszubildenden ohnehin auf den Baustellen, sagt er. „Bei uns ist viel learning by doing“, erklärt Filialleiter Stephan Duis (49).

Drei Jahre lang lernte Kulms alles: Untergründe, Aufmaße, Aufbau von Estrich bis zum fertigen Fußboden, außerdem über elastische und textile Beläge, ob PVC, Linoleum, Laminat, Parkett oder Teppich. „Mit Bodenbelägen kann man fast alles machen“, so Radloff, selbst dreidimensionale Bilder seien möglich. Diese Vielfalt reize ihn, sagt Kulms, der in einem relativ neuen Berufsfeld unterwegs ist. Bis vor knapp zehn Jahren war das Bodenlegen ein Teilbereich der Raumausstatter-Lehre. Und noch etwas begeistert ihn: „Es ist genial, dass man immer auf anderen Baustellen ist.“ Hinzu komme die Beratung für immer neue Kunden.

Sein Gesellenstück war eine Intarsienarbeit: ein VW-Zeichen mit Windrose als Umrandung aus einschichtigem PVC in einer Größe von 1,10 mal 1,70 Metern. Erst die Bauzeichnung, messen, ausrichten, kleben, fräsen, schweißen – acht Stunden hatte Kulms Zeit, brauchte fünf bis sechs. „Dafür habe ich eine Eins gekriegt.“ Und das Stück wird weiter genutzt: Kulms will für sich einen Tisch daraus machen. Aufgrund seiner Leistung ist er auch für einen bundesweiten Wettbewerb nominiert.

Die Firma habe ihn sehr gut unterstützt mit Material und Werkzeug, aber auch mit einer Ferienwohnung am Schulort Stade und mit Spesen, sagt der 20-Jährige. Wie sein Lehrlingskollege wurde er übernommen: „Einen guten Bodenleger zu finden, ist fast wie ein Sechser im Lotto“, sagt Duis. Gearbeitet wird viel auf den Knien oder in der Hocke, das belastet den Körper – auch wenn das Unternehmen vor allem im privaten Bereich mit nicht ganz so extremen Anforderungen aktiv sei, sagt Radloff. „Man muss Lust dazu haben“, bestätigt Kulms.

Einige Jahre will er Erfahrungen sammeln, dann vielleicht den nächsten Schritt machen, etwa als Anwendungstechniker, wie größere Firmen sie einsetzen. Ein Meisterbrief für Bodenleger existiert nicht – aber der beste Geselle des Nordens in diesem Jahr sieht sich auf dem richtigen Weg: „Das ist genau der Beruf, den ich machen möchte.“

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