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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 17:02 Uhr

Auktion : Kaum einer will Wilstermarsch-Schafe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kör-Kommission ließ 33 von 36 Zuchtschafen aus insgesamt sechs Rassen für die Auktion in Neuenbrook antreten

von
erstellt am 26.Aug.2015 | 12:00 Uhr

„330, 330, 330, 330.... hör’ ich 350?“ – laut dringt die Stimme des Auktionators und Körbezirksvorsitzendem Karl-Dieter Fischer durch die Reithalle auf dem Hof von Otto Kölling in Neuenbrook. Die ist für einen Tag in eine Auktionshalle umfunktioniert worden. Das angepriesene Tier wechselt schließlich für 400 Euro den Besitzer. Eines der höchsten Gebote am Montagabend. Doch nicht alle angebotenen Vierbeiner finden einen Abnehmer bei der vom Landesverband schleswig-holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter veranstalteten Schafbockauktion.

36 Böcke und weibliche Tiere ausschließlich von Züchtern aus den Kreisen Steinburg und Pinneberg, die zum Körbezirk Südwest-Holstein gehören, wurden zunächst gekört, dann prämiert und schließlich angepriesen. Drei Schafe fanden bei der Kör-Kommission, bestehend aus der Geschäftsführerin des Landesverbandes, Janine Bruser, ihrem Vorgänger, Hans Michow Schröder und dem Körbezirksvorsitzenden Karl-Dieter Fischer, keinen Zuspruch. Entsprechend wurden 33 gekört. Bei der Beurteilung wurden drei Noten vergeben, auf einer Skala von drei bis neun – für Wollqualität, Bemuskelung und die äußere Erscheinung. Hinzu komme das Gewicht. „Wir kennen das Alter der Tiere, danach wird die Lebenstag-Zunahme ermittelt“, erklärt Karl-Dieter Fischer. Je nach Rasse müsse die zwischen 320 und 350 Gramm liegen. „Wird dieses Gewicht nicht erreicht, wird das Tier nicht gekört.“ Im Anschluss folgte die Prämierung, für die alle Tiere mit einem Exterieur der Note 7 noch einmal von der Kommission begutachtet wurden – und in den einzelnen Gruppen die Bewertung A, B oder C erhielten. Fischer: „Das ist eine verkaufsfördernde Maßnahme und natürlich publikumswirksam.“

Nicht viele schafften es in die Prämierung, Rassesieger kamen aus der Zucht von Kay Poggensee aus Kremperheide (Weißköpfige Fleischschafe, Altbock), Wiebke Thormählen-Ahmling aus Landrecht (Weißköpfige Fleischschafe, Lammböcke und weibliche Lämmer) und Jürgen Schlüter (Schwarzköpfige Fleischschafe), Sommerland. „Wir hatten schon mehr“, meinte Fischer, es handele sich im Vergleich zu Husum, wo eine Woche zuvor etwa 600 Schafe in die Versteigerung kamen, in Neuenbrook eben um eine kleine regionale Veranstaltung. Die hatte ihren Ursprung 1920 in Siethwende/Sommerland. In den 70er Jahren wurde das dortige Gelände verkauft, die Schafzüchter wechselten nach Horst und schließlich nach Neuenbrook – dort findet nun schon seit mehr als zehn Jahren die Auktion statt, bei der Hobby- und bäuerliche Züchter Tiere verkaufen oder erstehen.

Die Schafzucht gerate immer mehr in den Hobby-Bereich, meint Karl Dieter Fischer. Sie sei sehr aufwendig und kostenintensiv. „Es gehört schon Idealismus dazu – Passion und Leidenschaft“, betont er. Eine Zuchtherde bestehe in der Regel aus zehn bis 50 Mutterschafen. Zur Auktion kämen überwiegend Jungtiere, die zu Zuchtzwecken – nicht zum Schlachten – verkauft werden sollen.

An diesem Montag sind es die Rassen Deutsches Weißköpfiges Fleischschaf, Deutsches Schwarzköpfiges Fleischschaf, Texel, Suffolk, Charollais und Quessant Schaf. Letzteres ist die kleinste Schafrasse der Welt, die zwei Tiere in der Auktion weckten allerdings kein Interesse bei den Züchtern. Als zumindest in der Versteigerung ebenfalls nicht so stark gefragt, erwiesen sich die Weißköpfigen Fleischschafe. „Das war in den letzten Jahren schon zäh, aber so sehr wie heute noch nicht“, meinte im Anschluss Karl-Dieter Fischer. Und das, obwohl das ursprüngliche Wilstermarschschaf doch zu den „Stammschafen“ der Region zähle. Fischer sieht die Zukunft der Schafrasse eher skeptisch.

Nicht so die Züchter. „Es ist die Rasse der Region, darum züchte ich sie. Das ist für mich zwar ein Hobby, aber es geht auch mit der Rasse wirtschaftlich sinnvoll“, sagt Kay Poggensee. Der Kremperheider, der seit Mitte der 80er Jahre Weißköpfige Fleischschafe züchtet, stellt in dieser Rasse sogar einen Bundessieger, den Weißkopfbock „Landgraf“.

Seit mehr als 40 Jahren widmet sich Wiebke Thormählen-Ahmling dieser Rasse-Zucht – sowohl als Hobby als auch für den landwirtschaftlichen Betriebszweig. Und auch ihr liegt das Weißköpfige Fleischschaf besonders am Herzen. Die geringe Kauflust sah sie eher darin begründet, dass viele Landwirte noch das gute Wetter am Montag nutzten, um Stroh zu fahren. „Schade, dass nicht mehr Leute da waren.“ Die Auktion finde sie generell toll, zumal „die Tiere sehr gut und sehr günstig“ seien. Und: Da die Deckzeit noch bis November reicht, hofft sie, dass vielleicht in nächster Zeit privat noch Interessenten kommen.  

 

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