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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 09:10 Uhr

Itzehoe : Katzen werden reihenweise kastriert

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Tierärzte und Tierschützer sind begeistert: Die landesweite Aktion ist gut angelaufen. Noch bis zum 14. November können Tierhalter ihre Katzen zum ermäßigten Preis kastrieren lassen.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2014 | 12:00 Uhr

Itzehoe | Rayelle hat es geschafft. Die sieben Wochen alte Katze kuschelt sich an Tierheimleiterin Claudia Danckers. Ein Auge ist trüb, noch ist unklar, ob Rayelle je wieder gut sehen wird. „Als sie zu uns gekommen ist, war sie in einem noch schlimmeren Zustand. Sie hatte Katzenschnupfen. Das Auge war ganz blutig“, sagt Danckers.

So enden viele Tiere, die von ihren Besitzern ausgesetzt werden und sich dann in freier Wildbahn unkontrolliert vermehren. 75 000 wilde Katzen soll es in Schleswig-Holstein geben, davon rund 4500 in Steinburg. „Wie viele es wirklich sind, weiß niemand so genau, denn die Dunkelziffer ist hoch“, sagt Claudia Danckers, die das Elend fast jeden Tag aufs Neue besichtigen kann. Denn die Katzen, die frei leben, sind aggressiv und meist krank – und sie vermehren sich schnell, jede Katze kann mehr als 20 Junge im Jahr bekommen, die nach einem guten halben Jahr selbst wieder geschlechtsreif sind.

Um die Katzenplage einzudämmen, hat das Land ein bundesweit einzigartiges Projekt aufgelegt, das seit 14. Oktober läuft (wir berichteten). Bis zum 14. November können Tierhalter ihre Katzen zum ermäßigten Preis kastrieren lassen, wild lebende Katzen, die eingefangen werden, werden sogar kostenlos sterilisiert – dank der finanziellen Unterstützung des Landes und vieler Spenden, die in einen Fonds fließen.

„Die Aktion ist unerwartet sehr gut angelaufen“, sagt der Vorsitzende des Tierschutzbundes Schleswig-Holstein, Holger Sauerzweig-Strey, der gleichzeitig Vorsitzender des Tierschutzvereins des Kreises Steinburg ist. Es seien hauptsächlich frei lebende Katzen kastriert worden. „Das sind etwa 90 Prozent der Fälle. Wir haben bereits 500 abgerechnet“, sagt der Präsident der Tierärztekammer Schleswig-Holstein, Dr. Jens- Peter Greve. Bis zum Ende des Aktionszeitraums rechnet er mit 1000 kastrierten Tieren landesweit. „Das wäre ein Superergebnis.“ Bislang sind schon über 40 000 Euro aus dem Fonds ausgegeben worden, der mit insgesamt 150 000 Euro gefüllt ist. „Die Nachfrage ist also da“, sagt Greve, dem die Aktion auch Kritik aus den eigenen Reihen eingebracht hat, weil die Tierärzte im Aktionszeitraum auf 25 Euro ihres Honorars verzichten. Dennoch steht Greve dazu, dass die Aktion weiterläuft. „Wir müssen jetzt am Ball bleiben.“ Und Sauerzweig-Strey sagt: „Wir sehen, dass wir mehr kastrieren müssen.“ Vor allem Privatpersonen sollten ihre frei laufenden Hauskatzen sterilisieren lassen.

Ziel des Projektes gegen Katzenelend ist es, bis zum kommenden Jahr in zwei weiteren Aktionszeiträumen landesweit 5000 Tiere zu kastrieren. In Itzehoe und Umgebung sind bislang 61 Tiere operiert worden. „Das ist sehr viel“, sagt Claudia Danckers. Im ganzen Jahr kastrieren die Tierschützer mit finanzieller Unterstützung der Stadt rund 50 Tiere, dazu noch etwa nochmal so viele auf eigene Rechnung. „Die landesweite Kastrationsaktion ist Gold wert“, sagt Danckers, die extra dafür neue Lebendfallen für wilde Katzen angeschafft hat. Die verleihen die Tierschützer an Menschen, die wilde Katzen melden, oder sie fangen damit die Tiere gleich selbst ein. Nach der Kastration bleiben die Katzen kurz im Tierheim, danach werden sie wieder an ihren Platz zurückgebracht. Denn zu zähmen sind größere, in freier Wildbahn geborene Katzen nicht – und damit fürs Tierheim auch nicht vermittelbar. Dort finden sich nur Katzenjunge wie Rayelle, die von den Tierschützern wieder aufgepäppelt werden und auf ein neues Zuhause hoffen. Denn Rayelle hat Glück gehabt. Claudia Danckers: „Wäre sie noch länger in freier Wildbahn geblieben, wäre sie jetzt tot.“

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