Kaserne zu: Abschied nach 44 Jahren

Schlüsselübergabe (von links): Roland Heidekrüger, Helga Nießen. Marc Dralle und Hans-Friedrich Tiemann.  Fotos: Tietje-Räther
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Schlüsselübergabe (von links): Roland Heidekrüger, Helga Nießen. Marc Dralle und Hans-Friedrich Tiemann. Fotos: Tietje-Räther

Heute verlassen die letzten Soldaten die Liliencronkaserne.

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12. Dezember 2008, 10:12 Uhr

Kellinghusen | Seit vier Jahren wurde viel über den Tag gesprochen - jetzt war er gekommen. Ein dreifach "Zu-gleich" und die Einholung der Bundesdienstflagge markierten offiziell das Ende des Bundeswehrstandorts. Rund 44 Jahre gehörten die Bürger in Uniform zu Kellinghusen. Dann erfolgte der Schließungsbescheid und damit der Abschied in Etappen von mehr als 1000 Männern und Frauen. Wenn der Rest von 18 verbliebenen Soldaten heute das Liliencron-Tor passiert, weht keine Fahne mehr und auch das stolze Schild mit dem Dichternamen fehlt.

Auch die Bevölkerung wird von dem leisen Abschied kaum Notiz nehmen. "Mit Pauken und Trompeten" hätten Bürger und Militärs beim eigens dafür wieder aufgelegten "Tag der Kellinghusener" Lebewohl gesagt, erinnerte Bürgermeisterin Helga Nießen. "Jetzt gibt es eigentlich nichts mehr zu feiern", stellte auch Hauptmann Marc Dralle fest. Als Nachkommandoführer hatte er bis zuletzt die Stellung auf dem weitgehend verwaisten Liliencrongelände gehalten, um die Schließung ordentlich abzuwickeln.

Besiegelt wurde das Ende der Militärzeit im Rahmen einer nüchtern anmutenden Feierstunde auf dem Kasernenvorplatz. Im Beisein von Stadtvertretern, ehemaligen Soldaten und Zivilpersonal nahm Kreispräsident Hans-Friedrich Tiemann das schwarz-rot-goldene Fahnentuch entgegen und verabschiedet sich mit einem "kräftigen Steinburger Händedruck." Der Original-Kasernenschlüssel, 1964 vom damaligen Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel an die Truppe übergeben, ging in die Hände von Roland Heidekrüger vom Bundeswehrdienstleistungszentrum in Itzehoe. In seiner Rede ließ Dralle die vergangene Bundeswehrzeit noch einmal aufleben. Begriffe wie Raketenartilleriebataillon 62, US-Army Field Artillery Detachement, Stab- und Stabsbatterie Artillerieregiment 6 waren mit Begriffen wie "Kalter Krieg" und Osterdemos eng verknüpft. Prägend für das Miteinander in der Stadt seien jedoch Einrichtungen wie der Tag der Kellinghusener, Neujahrsempfänge, Wohltätigkeitskonzerte und VdK-Sammlungen gewesen. Nicht zu vergessen, die Schnee- und Hochwassereinsätze der Soldaten im Dienste der Bevölkerung.

Die vergangenen vier Dekaden vor Ort seien aber auch eine Zeit erfolgreich gemeisterter Herausforderungen für die Soldaten gewesen. "Deshalb mischt sich in den Moment der Trauer auch eine Portion Stolz", sagte Dralle. Der Stadt wünschte er eine glückliche Hand, "die schöne Liliencron-Kaserne in eine neue Nutzung zu überführen."

Die Bürgermeisterin erinnerte an die Bundeswehr als Arbeitgeber sowie ihren Stellenwert für die heimische Wirtschaft. Heraus hob sie zudem das große Engagement der Soldaten in Politik und Vereinen und im Katastrophenschutz. "Wer das ersetzen soll, wissen wir noch nicht." Nießen bedankte sich für eine "fantastische Zusammenarbeit" in den vergangenen Jahren inklusive der jüngsten Vergangenheit, wo die Bundeswehr zahlreiche Besuche möglicher Investoren unkompliziert und unbürokratisch begleitet habe. Froh sei sie daher über den bereits erstellten Ehrenhain. "Mit der Gedenkstätte haben wir die Geschichte der Bundeswehr in Kellinghusen sichtbar gemacht."

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