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Millionenprojekt : Kaserne: Neubau oder Stillstand

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Besitzer der ehemaligen Marinekaserne legt nach: Nachdem es Streit um die Bebauung des Areals in Glückstadt gibt, stellt Jens Lange zwei neue Varianten vor.

von
erstellt am 16.Sep.2014 | 12:06 Uhr

Zehn Jahre ist es her, dass mit der Verabschiedung des Marinesicherungsbatallions I die Glückstädter Kaserne geschlossen und geräumt wurde. Seit dem ist auf dem Gelände wenig passiert. Zahlreiche ehemalige Bundeswehrgebäude stehen leer und verfallen zusehends. Der Eigentümer des knapp zwölf Hektar großen Grundstücks, der niedersächsische Unternehmer Jens Lange, möchte das Areal gern umfassend neu gestalten. Investitionsvolumen: schätzungsweise bis zu 50 Millionen Euro. Doch bisher hakt es bei der Umsetzung. Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des aktuellen Bebauungsplans von 2011 beschäftigen aktuell die Gerichte. Lange klagt gegen das Verbot einen Tiernahrungsmarkt und einen Getränkehandel auf dem Gelände anzusiedeln. Bis ein endgültiges Urteil vorliegt, könnten weitere Jahre vergehen.

Nun macht der Investor einen neuen Vorstoß und unterbreitet der Glückstädter Politik zwei neue Pläne, um die Nutzung des ehemaligen Militärgeländes voranzutreiben. „Wir bieten eine runde Lösung für das gesamte ehemalige Kasernengelände. Wird einer davon angenommen, wäre die laufende Klage vom Tisch. Die Alternative sind weitere Jahre des Stillstands und Verfalls“, erklärt Jörg Menking, der von Lange als Projektentwickler mit der Vorbereitung des Bauvorhabens beauftragt wurde.

Aus Sicht des selbstständigen Planers aus Wacken ist der bestehende Bebauungsplan für das Marineviertel nicht mehr schlüssig, da sich die Voraussetzungen grundlegend geändert haben: Zum einen ist mit dem geplanten psychiatrischen Zentrum des Betreibers Vitanas eine neue Komponente hinzugekommen (wir berichteten). Zum anderen sind die Planungen seinerzeit unter der Prämisse gemacht worden, dass sich bestehende Gebäude der ehemaligen Kaserne umbauen und weiter nutzen lassen. „Das ist inzwischen aus unserer Sicht aber nicht mehr wirtschaftlich. Der Verfall ist weit fortgeschritten, und die Struktur der Häuser ist ebenfalls problematisch“, sagt Menking.

Investor Lange strebt daher eine Komplettlösung an: Den Abriss nahezu aller bestehenden Gebäude und eine völlige Neugestaltung des Geländes. Für die neuen Pläne sind allerdings auch neue Beschlüsse der politischen Gremien notwendig. Lange schlägt der Stadt zwei Varianten vor: Beide Pläne sehen im Nordosten der ehemaligen Kaserne ein Gelände für die Firma Vitanas vor. Dort soll neben zwei größeren Wohngebäuden mit etwa 80 Appartments für Patienten mit psychischen Erkrankungen auch ein Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude entstehen.

An der südöstlichen Seite plant Lange – ebenfalls in beiden Varianten – etwa 50 bis 60 neue Bauplätze für Wohnhäuser zu schaffen. „Wir möchten hier preisgünstige Baugrundstücke anbieten“, erklärt Projektentwickler Menking. „Wie genau die Bebauung aussehen wird, zum Beispiel ob eher Reihenhäuser oder Einfamilienhäuser überwiegen werden, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Das hängt sicherlich auch von der Nachfragesituation am Markt ab. Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wir die Grundstücke gut und zügig vermarkten könnten.“ Zielgruppe sind laut Menking neben Einheimischen vor allem Menschen aus Hamburg und Umgebung, denen die in den vergangenen Jahren immens gestiegenen Preise für Immobilien im näheren „Speckgürtel“ um die Hansestadt zu hoch geworden sind und die sich daher nach bezahlbaren Alternativen umsehen. „Zugespitzt gesagt: Käufer könnten dort ein Eigenheim bekommen, dass genauso viel kostet wie eine Zwei-Zimmer-Wohnung in einigen Teilen Hamburgs. Das wird sicherlich Menschen ansprechen“, so Menking.

Zwei Alternativen sehen die neuen Pläne bei der gewerblichen Bebauung vor – jener Punkt, der bisher strittig ist. „Ich will hier keine Quadratmeter mehr Einzelhandelsfläche, sondern lediglich eine neue Verteilung, die es hoffentlich ermöglicht zügig mit der Umsetzung zu beginnen“, sagt Lange. Seine Vorschläge sehen entweder eine Bebauung im süd-westlichen Bereich mit einem großen Bau- und Gartenmarkt, einem Discounter und einer Anzahl von Fachmärkten – beispielsweise für Heimdekor, Textilien oder Schuhe – vor oder statt der kleineren Märkte einen größeren Vollsortiment-Supermarkt. Um die Märkte herum sind großflächige Parkplätze und Grünanlagen vorgesehen, auch um den Lärmschutz in Richtung Wohngebiet sicher zu stellen. „Beide Varianten sind aus unserer Sicht praktikabel und wirtschaftlich. Für alle Immobilien gibt es bereits Interessenten. Teilweise sind bereits Vorverträge geschlossen worden“, erklärt Entwickler Menking. Bevorzugen würden er und Eigentümer Lange die Variante mit dem neuen größeren Verbrauchermarkt. „Wir denken, dass diese Nutzung des Geländes weniger in Konkurrenz zu Geschäften in der Innenstadt stehen würde.“

Der Nutzen für die Stadt wäre nach Menkings Einschätzung groß: Es würde nicht nur der städtebauliche Schandfleck der zunehmend verfallenden Kaserne verschwinden, sondern auch bis zu 120 neue Arbeitsplätze geschaffen –etwa 60 bei Vitanas und weitere 60 im Einzelhandel, schätzt der Projektentwickler. Und der Stadt würden zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen durch die Ansiedlung der Betriebe erzielen.

Für den Unternehmer Lange steht viel auf dem Spiel: Jedes weitere Jahr Verzögerung kostet ihn viel Geld. Allein für Abwässer und Grundsteuer muss er jährlich einen sechsstelligen Betrag aufbringen. „Ich könnte nicht verstehen, wenn die Pläne auf Ablehnung stoßen würden“, sagt Lange. „Ein Projekt von dieser Größenordnung und Bedeutung sollte nicht an relativ unbedeutenden Einzelfragen scheitern.“ Heute ab 19 Uhr berät der Bauausschuss erstmalig über die neuen Pläne.

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