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Kriminalfall : Karteileichen: Uraufführung im Theater

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Proben für Ulrike Schankos Stück über den Fall Ruth Blaue gehen in die heiße Phase. Profis und Laien stehen gemeinsam auf der Bühne.

von
erstellt am 16.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Sie ist freundlich und umgänglich – aber Ulrike Hesebeck kann auch anders. Neugierig mischt sie sich überall ein und tratscht in der Nachbarschaft alles weiter. Eine Frau also, neben der man tunlichst nicht wohnen möchte. Als solche steht die 47-Jährige nächste Woche im theater itzehoe auf der Bühne: im Stück „Karteileichen“, das Theaterdirektorin Ulrike Schanko nach dem Kriminalfall Ruth Blaue geschrieben hat, mimt sie Nachbarin Telse Kramer. Die Itzehoerin geht in ihrer Rolle auf. „Es ist reizvoll, auch mal jemand zu sein, der unangenehm ist und den man nicht in der Nachbarschaft haben will“, sagt sie lachend. Auch bei der Theaterkiste, der Laienspielgruppe der Itzehoer Versicherungen, hat sie schon oft die Nachbarin gespielt. Deshalb hatte sie auch gleich Interesse, als Ulrike Schanko Laienspieler suchte, die gemeinsam mit Profis auftreten wollen. „Das Projekt ist wirklich spannend“, findet sie. Vor allem, weil es ein regionaler Fall ist.

Ulrike Hesebeck setzte sich gegen eine Reihe von Mitbewerberinnen durch. „Wir hatten eine ganze Runde Telses“, sagt Ulrike Schanko lachend. Bei den Männern sei der Ansturm nicht ganz so groß gewesen – doch genau richtig, um für jede der vier Nebenrollen die passende Besetzung zu finden. So spielt Henning Schlüter (46) aus Kellinghusen den Gelegenheitsarbeiter Otto Marczinzik, einen wortkargen, impulsiven Typen, vorbestraft und vom Krieg gezeichnet. Es ist die Wunschrolle des Berufsschullehrers, der seit 1987 als Laienspieler auf der Bühne steht. „Ich fand den Charakter interessant und vielschichtig.“

Auch Volker Gravert (51) aus Dägeling, der Thies, Chormitglied der Itzehoer Störschipper, spielt, fühlt sich wohl in seiner Rolle: „Vom eigenen Gefühl her passt das“, sagt er. „Die Auswahl ist ohnehin sehr treffend.“ Das findet auch Ulrike Schanko: „Wir hatten bei der Zusammensetzung ein gutes Händchen“, freut sie sich. „Die Spieler sind nicht nur in ihren eigenen Rollen gut, sondern auch als Team.“ Mit Burkhart Lühmann habe man sogar einen Darsteller für die Rolle des Schwarzwald-Bauern Franz Zähringer gefunden, der den süddeutschen Dialekt glaubwürdig rüberbringt. „Er hat eine Zeit in Schwaben gelebt und kriegt das gut hin“, sagt Schanko.

Mit Jana-Karina Wilczewski-Diehl (27), die aus Liebe zum Norden vor einem halben Jahr nach Oldendorf gezogen ist, wurde für die Rolle der Renate Kaufmann sogar eine ausgebildete Jung-Schauspielerin gefunden. „Ich bin total glücklich, dass ich mitmachen darf“, sagt sie. Sie brenne für die Schauspielerei. Einige kleinere Filmauftritte hatte sie nach ihrer Ausbildung in Frankfurt bereits, aber ihr Herz schlägt für das Theater. „Ich wurde so gut empfangen – und jetzt auch noch einen Teil von Itzehoe zu spielen, ist toll.“

Alle Teilnehmer konnten es nach dem Lernen der Texte und den ersten Proben in Hamburg kaum erwarten, endlich auf der Bühne in Itzehoe zu stehen. Dort hat Regisseurin Sylvia Richter gestern erstmals mit den Darstellern geprobt, während Ausstatterin Silke von Patay noch die letzten Requisiten fertigstellte. Um Bühnenbild und Kostüme zu schaffen, musste sie nicht nur fleißig nähen, malen und bauen, sondern auch viele Stunden über Flohmärkte schlendern. Da das theater itzehoe keinen eigenen Fundus hat, musste alles aufgetrieben werden. Vieles stellten auch andere Bühnen leihweise bereit. „Es ist ein Abenteuer, aber das war uns auch vorher bewusst“, sagt die Ausstatterin. Doch die Begeisterung des Teams reißt mit. „Alle sind ganz wild aufs Spielen.“ Und während alle Laiendarsteller durchweg von der netten Atmosphäre und der liebevollen Betreuung schwärmen und es spannend finden, einmal zu sehen, wie Profis auf und hinter der Bühne arbeiten, gibt Silke von Patay das Lob zurück: Die engagierten Laien brächten „etwas ganz Frisches rein, was einem auch selbst gut tut.“

Auch Matthias Unruh, neben Felix Oliver Schepp, Julia Weden und Andreas Christ einer der vier Profis auf der Bühne, ist begeistert. „Ich war sehr überrascht, wie toll vorbereitet die Kollegen erschienen sind und wie schnell sie die Scheu verlieren.“ „Karteileichen“ sei eine sehr außergewöhnliche Produktion. Durch den regionalen Bezug entstehe eine hohe Authentizität, zudem habe es einen besonderen Reiz, so zeitlich konzentriert und im kleinen Ensemble an einem Stück zu arbeiten. „Das ist ganz anders als im normalen Theaterbetrieb.“

An die Rolle des Kommissars musste er sich nicht gewöhnen – nach 30 Jahren Schauspielerei im Film und auf Bühnen im ganzen Land ist es nicht das erste Mal, dass er einen solchen mimt. Dafür hat er sogar einmal ein Praktikum bei der Kriminalpolizei gemacht: „Die Akten dort sehen auch nicht viel anders aus als die, die wir hier haben.“


> Aufführungen: Freitag und Sonnabend, 24. und 25. Oktober, 19.30 Uhr. Karten an der Theaterkasse, 04821/670931, theaterkasse@ itzehoe.de.

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