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Pleite-Schiff : Kappeln rüstet sich für den Winter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Käufer für den pleitegegangenen Frachter ist nicht in Sicht. Auf unbestimmte Zeit wird er im Außenhafen in Glückstadt bleiben. Die Besatzung macht sich Sorgen um die Heizung.

„Wir stehen wieder ganz am Anfang“, sagt Veit Schwierholz. Der Hamburger Rechtsanwalt ist als Insolvenzverwalter für das Containerschiff Kappeln zuständig, das seit Mitte Juli im Glückstädter Außenhafen festliegt. Grund dafür ist die Pleite des geschlossenen Schiffsfonds, dem der Frachter gehörte. Eigentlich hatte Schwierholz nur einen relativ kurzen Aufenthalt der Kappeln in Glückstadt geplant. Nur wenige Wochen sollte sie bleiben (wir berichteten). Nun wird das Schiff vermutlich noch mindestens bis zum Jahreswechsel im Hafen liegen. „Wir haben sehr konkrete Gespräche mit einem Kaufinteressenten geführt“, berichtet Schwierholz gegenüber unserer Zeitung. „Aber ein Verkauf kam nicht zustande.“ Man sei sich schlicht über das Finanzielle nicht ganz einig geworden.

Nun beginnt für den Insolvenzverwalter die Suche nach Interessenten für die Kappeln erneut. „Bisher ist noch kein Käufer in Sicht“, sagt er. Dabei sehen Experten auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten grundsätzlich eine Zukunft für den Frachter. Er sei, so heißt es, aufgrund der an Bord installierten Kräne und des ungewöhnlich langen Laderaums gut geeignet für den Transport von Spezialfracht in kleinere Häfen. Ein Marktsegment, in dem Reedereien durchaus Geld verdienen könnten.

Diese Ansicht teilt auch Anwalt Schwierholz: „Es gibt sicher einen Markt für das Schiff. Das Problem ist, dass die Zehn-Jahres-Klasse ansteht, bevor ein neuer Eigentümer etwas mit dem Schiff anfangen kann.“ Die sogenannte Klasse ist eine gründliche technische Prüfung eines Schiffes auf einer Werft, die mit einer TÜV-Prüfung für ein Auto verglichen werden kann. Werden bei der Untersuchung Mängel festgestellt, müssen sie behoben werden, um eine weitere Betriebserlaubnis für die Seefahrt zu bekommen. Für die 2004 vom Stapel gelaufene Kappeln steht nun nach zehn Jahren Betrieb eine solche gründliche Prüfung an. „Das Risiko, dass dabei hohe Kosten entstehen, die vorher nicht erkennbar sind, schreckt offenbar vom Kauf ab“, erklärt Schwierholz.

Selbst wenn in Kürze ein potenzieller Käufer gefunden wird, sind noch langwierige Vorgespräche notwendig. Für die Besatzung an Bord bedeutet das, dass sie sich auf den Winter im Hafen einstellen muss. Werner Leyffer von der Seemannsmission steht regelmäßig mit den Männern von der Kappeln in Kontakt. „Drei Mann sind immer an Bord“, berichtet er. Ihnen gehe es gut und sie seien gut versorgt. „Ich besuche sie ab und zu an Bord oder sie kommen zu mir in die Räume der Mission, um zum Beispiel ins Internet zu gehen.“

Im Moment überlegten die Männer, wie sie die Kappeln im Winter beheizen können. „Das ist technisch gar nicht so einfach, weil es verboten ist, die Schiffsmaschine im Hafen anzuwerfen“, erklärt Leyffer, der selbst früher als Schiffsingenieur zur See gefahren ist. „Man wird sich wohl eine Lösung mit elektrisch betriebene Heizkörpern überlegen müssen“, vermutet Leyffer.

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erstellt am 07.Nov.2014 | 05:02 Uhr

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