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Belagerung : Kapitulation besiegelt Festungsende

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mit sechs Vorträgen erinnert die Glückstädter Detlefsen-Gesellschaft an die Belagerung vor 200 Jahren.

Der Stadtpark in Glückstadt ist heute ein Zeugnis dafür, dass die einstige europäische Großmacht Dänemark zu den Verlierern eines Krieges gehörte. Dort, wo einst die Festung der Stadt war, wachsen heute Blumen. Die Dänen wurden 1814 gezwungen, die Festung zu „schleifen“ – zu zerstören. Das dänische Königreich reichte einst bis an die Elbe. Eine der bekanntesten Städte aus dieser Zeit ist Glückstadt. Denn König Christian IV ließ die Stadt an der Elbe 1617 nach Plänen eines polygonalen Grundrisses anlegen. 200 Jahre ist es her, das ein Krieg verheerende Folgen für die Stadt hatte. Die Großmacht Dänemark, zu der damals auch Glückstadt gehörte, wurde 1814 auf einen Kleinstaat reduziert. Mit mehreren Veranstaltungen wird in der Elbestadt diesem Ereignis gedacht. So auch mit einem Zyklus von sechs Vorträgen im Ratssaal. Themen sind unter anderem die Festung, das Garnisionsleben, die Belagerung und anderes. Reste der Festungsanlage sind auch heute noch zu sehen auf dem Gelände des Fortuna-Bades. Im Stadtpark, den städtischen Anlagen, wurde Anfang 1900 auf Anregung von Prof. Dr. Detlef Detlefsen zur Erinnerung an die Belagerung 1813/14 das Kugeldenkmal errichtet.

Glückstadt und sein Umland waren am Jahreswechsel 1813/1814 von einer „äußerst schmerzhaften Belagerung“ betroffen, sagt Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt. Der Historiker und langjährige Vorsitzende der Glückstädter Detlefsen-Gesellschaft erklärt die Bedeutung, die die Belagerung und ihre Folgen für die Region hatten. „Glückstadt war ab 1616 zur zweitstärksten Festung Holsteins ausgebaut worden und beschützte gemeinsam mit Rendsburg sozusagen den Südeingang in das Königreich Dänemark.“ In dieser Funktion hatte die Festung bereits 1627/28 eine mehrmonatige Belagerung durch die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein auszuhalten. „Damals sprengte eine Sturmflut den Belagerungsring – Glückstadt kam mit einem blauen Auge davon, auch weil dem kaiserlichen Generalissimus eine Flotte fehlte, mit der er die Festung von der Elbseite her blockieren konnte.“

Das war 1813 ganz anders. Zur Vorgeschichte: Dänemark hatte versucht, sich aus den seit 1792 in Folge der Französischen Revolution über Europa ziehenden Kriegen herauszuhalten. Die Neutralität sollte durch ein Bündnis mit Schweden, Preußen und Russland gesichert werden. Ziel war es, Schiffe unter dänischer Flagge vor Übergriffen durch die Engländer zu schützen. Doch bereits Anfang April 1801 griffen die Briten Kopenhagen an, um die Dänen zum Austritt aus dem Bündnis zu zwingen. Die Dänen verloren die blutige Seeschlacht. In den folgenden Jahren wuchs der Druck auf das Königreich. „Frankreich drohte offen mit einem Einmarsch.“ Die Dänen versuchten deshalb, sich mit den Engländern zu arrangieren. Dies misslang. Kurz darauf kam es zu dem umstrittenen Angriff eines britischen Geschwaders auf Kopenhagen, der die Stadt in Schutt und Asche legte. Die dänische Kriegsflotte wurde weitgehend vernichtet, Reste an Schiffen nahmen die Briten mit. Am 31. Oktober 1807 schloss Dänemark daraufhin mit Napoleon einen Vertrag über gegenseitige militärische Hilfe. In die Herzogtümer rückten zur Überwachung der Kontinentalsperre gegen England (eine von Napoleon am 21. November verfügte Wirtschaftsblockade über die britischen Inseln ) spanische und französische Truppen ein.

Letztlich teilte Dänemark das bittere Los Napoleons, der letztlich als Kriegsverlierer hervorging. „Vorentscheidend war die Völkerschlacht bei Leipzig, in der die napoleonischen Truppen gegen Kontingente aus Österreich, Russland und Preußen verloren.“ Die Sieger marschierten in Paris ein, Napoleon musste abdanken. „Eine Nordarmee aus Russen, Preußen und Schweden unter schwedischer Führung stieß, unterstützt von britischen Seestreitkräften, gegen den dänischen Gesamtstaat – bestehend aus Holstein, Schleswig, Dänemark und Norwegen – vor. Der schwedische Kronprinz Bernadotte wollte in diesem Kriegszug für sein künftiges Königreich Norwegen gewinnen“, erklärt der Historiker. Verschiedene Gefechte begleiteten den alliierten Vormarsch. „Im Dezember 1813 wurde Glückstadt eingeschlossen und kapitulierte nach mehreren Beschießungen aufgrund der aussichtslosen militärischen Lage im Januar 1814.“ Der kurz darauf geschlossene Friede von Kiel legte unter anderem fest, dass Glückstadt seinen Festungscharakter verlieren sollte. Die Festung wurde „geschleift“. Es gab sie nicht mehr. Ein Resultat daraus sind die städtischen Anlagen, die ab 1818 angelegt wurden. Dieser Stadtpark ist noch heute Zeugnis der einstigen Anlage.

Dr. Lorenzen-Schmidt: „Die Detlefsen-Gesellschaft möchte in einem Zyklus von sechs Vorträgen an diese folgenschweren Ereignisse erinnern, auch um die schweren Zeiten der Geschichte der Stadt nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dabei soll auf die Baugeschichte der Festung, das Garnisionsleben sowie das Königinnen-Leibregiment zu Fuß, die politisch-militärische Großwetterlage in Europa, die eigentliche Belagerung und ihre Folgen für die Glückstädter wie für das Umland und die Erinnerungen an diese schlimme Zeit eingegangen werden.“ Die Vorträge finden in der Zeit vom 29. Januar bis zum 12. März wöchentlich jeweils um 18.30 Uhr im Ratssaal des Rathauses statt. Der Eintritt ist frei. „Alle Glückstädter und Umlandbewohner sind zu den Vorträgen eingeladen.“






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erstellt am 25.Jan.2014 | 16:19 Uhr

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