zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 23:12 Uhr

Papierfabrik : Kaolin-Bunker wird abgerissen

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Glückstädter Hafen: Standsicherheit von Gebäude nicht mehr gegeben: Die Bagger kamen gestern.

Gestern ist damit begonnen worden, ein gewissermaßen das Hafenbild prägendes Bauwerk dem Erdboden gleich zu machen. Die Rede ist von dem Rest des früheren Kaolin-Bunkers der Firma Steinbeis am Rethövel in Höhe der Neutorstraße. Darin wurde seit den 70er Jahren das als Füllstoff bei der Herstellung von Papier benötigte Kaolin aufgearbeitet und gebunkert. Der Kaolin-Bunker selbst existiert seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Auf dem Platz des früheren Altpapier-Lagers neben dem „Café Brückenhaus“ steht heute nur noch ein u-förmiger Fassadenrest. Nach dem Rückbau des Bunkers vor rund 15 Jahren sollte es keine Baulücke geben. Deshalb blieben die Mauern stehen. Diese waren nach einem vorangegangenen Ideen-Wettbewerb zur Binnenhafenseite hin bemalt worden.

„Der Abriss ist erforderlich, weil Teile der an das Café angrenzenden Mauer nicht mehr standsicher sind“, erklärte der technische Projektleiter der Firma, Werner Reinhold. Deshalb gehe von dem Gebilde auch wegen dessen Höhe inzwischen eine Gefahr aus. Stück für Stück soll das Bauwerk jetzt mit Baggern von der Firmenseite aus abgetragen werden. Wenn alles gut läuft, gehört der Kaolin-Bunker schon am kommenden Wochenende endgültig der Vergangenheit an.


Einst machten dort Binnenschiffe fest


Vor allem ältere Glückstädter und Bewohner des Rethövels erinnern sich an Zeiten, als in Höhe Neutorstraße vor dem dortigen firmeneigenen Kran der Papierfabrik regelmäßig Binnenschiffe festmachten. In der großen offenen Baggerschaufel wurde dann die weiße Tonerde einmal über die Straße bis auf das Werkgelände befördert. Bis Ende der 70-Jahre wurde die Fracht dann mit offenen Loren weit über das Firmengelände bis zum Lagerschuppen transportiert. Dies alles geschah natürlich nicht spurlos: Je nach Wetterlage präsentierten sich Fahrbahn und die in Nähe des Hafenkrans geparkten Autos sowie die Fensterscheiben der Gebäude in Weiß.

1968 stand für die damalige Firma Peter Temming AG dann fest: Das bisherige Procedere bei Anlieferung des Kaolins kostet Zeit, bedeutet einen Materialverlust und stellt für Nachbarn eine beträchtliche Belästigung dar.

Eine rationellere Lösung war damals schnell gefunden: Die Lagerung und Aufbereitung der weißen Fracht müssen unmittelbar an die Schiffsentladestelle verlegt werden. Doch dort stand damals noch ein wenig ansprechendes Mehrfamilienhaus mit sieben Wohnungen. Die noch aus den Zeiten der Dampfziegelei Schüder stammenden und zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Mannschaftsunterkunft gebauten Räumlichkeiten hatten weder Bad noch WC. In die Jahre gekommen, stand das Gebäude außerdem unmittelbar am Hafenkran und somit im Weg für einen modernen großen Kaolin-Betonbunker.


Wohnhaus machte Platz für Kaolin-Bunker


1969 fiel das Wohnhaus Am Rethövel 7 unter der Wucht der Abrissbirne in sich zusammen und machte Platz für den Kaolin-Bunker. Fortan wurde das weiße Pulver mit dem Greifer des Hafenkrans zunächst in einen Trichter geschüttet. Mittels einer so genannten Schnecke wurde das Kaolin dann zwölf Meter hoch zu einer aus geschlossenen Kübeln bestehenden Kranbahn befördert. Zusätzlich durch ein geschlossenes Schutzgerüst gesichert, ging es dann über den Rethövel hinweg fast staubfrei bis zum Bunker.

Nach drei Jahrzehnten gehörten Hafenkran und Kaolin der Vergangenheit an. Firmenseits verschwand der Bunker. Nur zur Straße Am Rethövel hin, blieb es fast bei dem bisherigen Bild. Allerdings wurde die übriggebliebene Fassade hübsch gestaltet und diente – in Verbindung zu den benachbarten historischen Gebäuden – durchaus als Fotomotiv. Bis gestern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen